„Es war ergreifend“

Ob im Haus beim Kaffeekochen oder draußen: Marleen Zander aus Rosdorf braucht mit dem Neuroimplantat zum Gehen keinen Stock mehr.
+
Ob im Haus beim Kaffeekochen oder draußen: Marleen Zander aus Rosdorf braucht mit dem Neuroimplantat zum Gehen keinen Stock mehr.

Gekämpft und ein Stück Freiheit zurückgewonnen: Marleen Zander aus Rosdorf kann durch ein Neuroimplantat nach einer Hirnblutung wieder eigenständig laufen.

Marleen Zander aus Rosdorf ist eine Kämpferin. Die 22-Jährige hat in den vergangenen zwei Jahren unglaublich viel geleistet. Wegen einer Hirnblutung musste sie fast alles wieder neu lernen: vom Sprechen übers Essen bis hin zum Laufen. Heute kann sie ohne Gehstock und Schiene spazieren gehen. Der Grund dafür ist ein Neuroimplantat von Otto Bock.

„Kurz vor Weihnachten 2009 sollte ich eine Nacht ins Krankenhaus, zur Überwachung. Am Ende lag ich zwei Wochen im Koma – und zwar wegen eines Kavernoms, einer Missbildung im Gehirn. Ich hatte eine Hirnblutung und musste notoperiert werden“, erklärt die Rosdorferin. Sie spricht beinahe ohne zu stocken. Aber das war ein hartes Stück Arbeit, die Marleen Zander durch regelmäßige Behandlungen bei der Logopädie geleistet hat. Ebenso sehr hat sie sich während ihrer halbjährlichen Rehazeit nach der OP bemüht, damit sie wieder aus dem Rollstuhl aufstehen konnte. „Es hat acht bis zehn Wochen gedauert, bis ich wieder erste Schritte machen konnte“, sagt Marleen Zander, die auch regelmäßig Physio- und Ergotherapie macht. Als es trotz einer Fußheberschwäche besser wurde, benutzte sie einen Vierpunktstock, um sich besser fortbewegen zu können, dann einen normalen Gehstock mit einer Schiene am Bein. Aber diese Tage liegen jetzt hinter der jungen Frau.

„Während meiner Reha-Behandlung in Seesen hatte ich einen Betreuer, der mir von dem Neuroimplantat erzählt hat, das eine Fußheberschwäche ausgleichen kann. Dafür bin ich ihm unheimlich dankbar“, sagt die 22-Jährige. Denn bei einem Screening im Klinikum Göttingen hat sich später herausgestellt, dass sie tatsächlich zu den Patienten gehört, denen ein Neuroimplantat helfen kann. „Jennifer Ernst sagte mir damals, ich solle mir überlegen, ob ich die OP machen lassen möchte, aber für mich stand die Entscheidung schnell fest“, sagt Marleen Zander und lacht. Am 25. November vergangenen Jahres wurde sie schließlich operiert, das Implantat in den Oberschenkel eingesetzt. Drei Wochen später wurde es aktiviert. „Es war ziemlich ergreifend, als ich dann das erste Mal wieder auf meinen eigenen Beinen stand und ich den rechten Fuß anheben und auch zuerst mit der Hacke aufsetzen konnte, nicht mit dem Vorfuß wie zuvor immer. Es hat ein bisschen gekribbelt“, sagt sie und schweigt einen Moment. Dann lacht sie. „Jetzt kann ich wieder Schuhe in der gleichen Größe kaufen. Nicht wie vorher den rechten drei Nummern zu groß, damit die Beinschiene noch hineinpasst.“

Durch die neue Technologie, die in dem Neuroimplantat steckt, kann Marleen Zander jetzt längere Strecken besser zurücklegen. Ganz ohne Stock. „Das ist ein großer Schritt für mich in Richtung normales Leben. Meine Lebensqualität wird durch das Implantat sehr gesteigert“, sagt sie. Und weitere Schritte werden folgen. Durch die Lähmung kann sie in ihrer rechten Seite noch immer wenig spüren. Ihre Finger sind spastisch, nahezu unbeweglich. Doch Marleen Zander kämpft weiter. Zusammen mit Ärzten und Therapeuten.

Von Judith Strecker

http://www.ottobock.de/cps/rde/xchg/ob_de_de/hs.xsl/4762.html?id=7957

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren: Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.