Telefonsprechstunde: Dr. Christian Gröll informierte zur Therapie von Verletzungen des Kniegelenks

Kleiner Riss mit großer Wirkung

+
Unter großer Belastung: Bei Sportarten wie Volleyball, Fußball und Tennis ist die Gefahr einer Knieverletzung besonders hoch.

Die Kniegelenke sind zahlreichen täglichen Belastungen ausgesetzt. Ob im Alltag oder beim Sport sorgen sie als flexible Stütze für Beweglichkeit und Stabilität. Unfälle, Überbelastungen oder angeborene Erkrankungen können das Knie jedoch schwächen. Verletzungen des Kreuzbandes und die Instabilität der Kniescheibe bedürfen einer besonders individuellen Diagnostik und Behandlung, um einen vorzeitigen Gelenkverschleiß, eine Arthrose, zu verhindern.

Dr. Christian Gröll, Orthopäde aus Baunatal, hat Leser in der HNA-Telefonsprechstunde zur Therapie von Kniegelenksproblemen beraten.

Ich bin männlich, 27 Jahre alt und und leidenschaftlicher Volleyballspieler. Beim Training ist nach einer unglücklichen Drehbewegung das vordere Kreuzband im linken Knie gerissen. Mein Orthopäde rät mir zu einer konservativen Behandlung. Zurzeit trage ich eine Orthese und gehe zur Physiotherapie zum Muskelaufbautraining. Ich möchte weiterhin aktiv Volleyball spielen und auch den Trainerschein machen. Was raten Sie mir?

Dr. Christian Gröll: Zunächst möchte ich sagen, dass jeder Fall eines Kreuzbandrisses individuell betrachtet werden muss. Dabei spielen Faktoren eine Rolle wie Alter und sportliche Aktivität. Nicht immer muss ein gerissenes Kreuzband operiert werden. Mittlerweile gehen neue Studien jedoch davon aus, dass bei konservativ behandelten Patienten die Gefahr einer frühen Arthrose höher ist, als bei Patienten, die operiert wurden. Da Sie noch jung sind und mit Volleyball eine Sportart ausüben, die das Knie stark belastet, könnte für Sie ein chirurgischer Eingriff zur Erhaltung des Kreuzbandes und zur Stabilisierung des gesamten Knies von Vorteil sein.

Ich bin weiblich, 47 Jahre alt und habe mir im Skiurlaub einen Riss des vorderen Kreuzbandes zugezogen. Mein Orthopäde rät zu einer Operation. Können Sie mir sagen, was genau bei dem Eingriff passiert und ob ich danach wieder Skifahren kann?

Gröll: Auch in Ihrem Fall ist die Operation sicherlich das Mittel der Wahl, um die mögliche Arthroseneigung aufgrund des Kreuzbandrisses zu verringern. Während des minimal-invasiven Eingriffs wird das fehlende vordere Kreuzband durch eine körpereigene Sehne ersetzt. Entscheidend dabei ist, dass die Sehne der Anatomie entsprechend rekonstruiert wird, um die natürliche Stabilität des Kniegelenkes wiederzuerlangen.

Ich bin männlich, 51 Jahre alt und fahre seit meiner Jugend Ski und arbeite auch als Skilehrer. Im vergangenen Urlaub bin ich unglücklich gestürzt. Die Diagnose ist ein gerissenes Kreuzband, ein Knorpelschaden und ein Meniskusriss. Welche Therapie empfehlen sie mir?

Gröll: Ihre beschriebene Diagnose kommt sehr häufig vor. Auch in Ihrem Fall sollte das Kreuzband mithilfe von körpereigenen Sehnen wiederhergestellt werden. Auch der verletzte Meniskus sollte wenn möglich repariert und nicht entfernt werden. Beim Knorpelschaden kann eine Transplantation von körpereigenen Knorpelzellen in Betracht kommen. Diese Zellen ermöglichen einen vollwertigen Ersatz des geschädigten Knorpels. Die Behandlung Ihrer komplexen Verletzungen ist zwar aufwändig, aber in Ihrem Fall sicher angezeigt, damit Sie weiterhin Ihren aktiven Lebensstil beibehalten können.

Ich bin weiblich, 17 Jahre alt und spiele aktiv Handball. Während eines Spiels habe ich einen Schlag gegen das Knie bekommen. Seitdem springt die Kniescheibe selbst bei Bagatellbewegungen raus, zum Beispiel beim Aussteigen aus dem Auto. Mein Orthopäde empfiehlt eine konservative Behandlung, was denken Sie darüber?

Gröll: In Ihrem Fall ist eine intensive Anamnese besonders wichtig. Denn erst wenn die genaue Ursache für die instabile Kniescheibe ermittelt ist, kann sie therapiert werden.

Nach meiner Erfahrung ist ein konservativer Therapieversuch möglich. Bleibt die Instabilität der Kniescheibe bestehen, sollte über eine operative Stabilisierung nachgedacht werden, da das Herausspringen den Knorpel schwächt und es zu Folgeschäden kommen kann. Das sollte gerade in Ihrem Fall verhindert werden, da Sie eine junge und sportlich aktive Patientin sind. Daher halte ich eine Sehnenplastik für das Mittel der Wahl. Dazu wird das zerrissene Band mithilfe einer kleinen Sehne aus dem Oberschenkel repariert. Das ist ein Eingriff mit relativ geringem Aufwand, sorgt aber dafür, dass die Kniescheibe wieder fest sitzt. Wird die Sehne nicht repariert, bleibt die Kniescheibe chronisch instabil.

Kontakt

Dr. Christian Gröll, Orthopädische Praxisklinik Baunatal MVZ, Stettiner Straße 4, Baunatal, Telefon 0 56 01 / 9 77 11,

www.ortho-baunatal.de

Von Sandra Köhler

Liebe Leserinnen und Leser,

der Inhalt dieses Artikels entstand in Zusammenarbeit mit unserem Partner. Da eine faire Betreuung der Kommentare nicht sichergestellt werden kann, ist der Text nicht kommentierbar.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren: Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.