Schimmer Hoffnung für Millionen Menschen

Wirksamer Malaria-Impfstoff getestet

+
Ebola hat Malaria zuletzt aus dem Rampenlicht verdrängt. Doch der Biss der Anopheles-Mücke kommt vor allem in Afrika weiterhin oft einem Todesurteil gleich.

Tübingen - Forscher haben erstmals einen wirksamen Impfstoff gegen Malaria an Menschen getestet. Doch von einem vollständigen Schutz sind die Forscher weit entfernt.

Rund 15 500 Säuglinge und Kleinkinder in sieben afrikanischen Ländern bekamen das Mittel bei einer vierjährigen Feldstudie.

Das teilte der Tropenmediziner Peter Kremsner in Tübingen kurz vor dem Weltmalariatag am 25. April mit. Der Impfschutz lag je nach Alter der Kinder demnach zwischen 26 und 36 Prozent, wie ein internationels Forscherteam im Fachmagazin "The Lancet" schreibt. Damit sei "RTS,S" der bislang erste Malaria-Impfstoff, der in einer Feldstudie Wirksamkeit gezeigt habe.

Andere Forscher halten das Mittel wegen der geringen Schutzrate von rund 30 Prozent für keinen wirklichen Durchbruch. Zwar sei erstmals gezeigt worden, dass ein Malaria-Impfstoff zu einem "zwar begrenzten aber nachweisbaren Schutz" führen könne, bestätigte der Tropenmediziner Thomas Löscher von der Münchner Uniklinik. Allerdings seien die Ergebnisse "insgesamt doch eher enttäuschend und liegen weit unter den ansonsten von Impfungen erwarteten Schutzraten". Die Forschung könne aber auf der Studie aufbauen.

Noch immer sterben weltweit jedes Jahr Hunderttausende Menschen an der von Mücken übertragenen Krankheit, die meisten davon Kinder in Afrika südlich der Sahara. Mit dem Alter entwickeln sie eine natürliche Immunität, so dass ältere Kinder und Erwachsene nur noch selten erkranken. Mit der Ebola-Seuche in Westafrika ist die Plage Malaria etwas in Vergessenheit geraten. Was aber die Häufigkeit und die Zahl der Todesfälle angehe, sei "Malaria ein Gigant und Ebola eine Zwergameise", sagte Kremsner.

Der Tübinger Wissenschaftler war an der wissenschaftlichen Koordination der Studie beteiligt. Bei "RTS,S" handle es sich um einen Impfstoff für afrikanische Kinder, nicht für Afrika-Reisende beispielsweise aus Europa. Ein Teil der untersuchten Säuglinge und Kleinkinder wurde mehrmals mit dem Stoff geimpft. Sie erkrankten spürbar seltener an Malaria als nicht geimpfte Kinder einer Vergleichsgruppe. "Das ist das Resultat aus 100 Jahren Forschung an einer Malaria-Impfung", sagte Kremsner.

"Die Impfungen werden sehr gut vertragen", sagte Kremsner. Nebenwirkungen hätten sich kaum gezeigt. Vereinzelt seien geimpfte Kinder an Hirnhautentzündungen erkrankt. Die Tübinger Forscher haben zwar keine Erklärung dafür, bezweifeln aber einen Zusammenhang mit dem getesteten Impfstoff.

Der Tübinger Tropenmediziner Benjamin Mordmüller bezeichnete die Ergebnisse als "sehr wichtigen Schritt". Die Zulassung des Impfstoffs wird nun von der Europäischen Arzneimittel-Agentur und der Weltgesundheitsorganisation WHO geprüft. Die Tübinger Forscher hoffen, dass "RTS,S" noch in diesem Jahr zugelassen und in die nationalen Impfprogramme der afrikanischen Länder aufgenommen wird. Dann setzen sie auf öffentliche Geldgeber, damit das Mittel auch die Bevölkerung erreicht.

dpa

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.