Interview mit Veterinärdienstleiter über die 2014 geltende Kastrationspflicht für Katzen

3000 Streuner in der Stadt

Kümmert sich um verwahrloste Tiere: Hannes Focht arbeitet im Tierheim Wau-Mau-Insel auf der Katzenstation. Foto: Schachtschneider

Kassel. Ab Anfang 2014 gilt in Kassel eine Registrierungs- und Kastrationspflicht für alle freilaufenden Katzen. Über die Hintergründe sprachen wir mit Dr. Heiko Purkl, Leiter der Abteilung Veterinärdienst im Kasseler Ordnungsamt.

Warum brauchen wir in Kassel eine solche Pflicht?

Dr. Heiko Purkl: In der Stadt ist in den vergangenen Jahren die Zahl streunender, herrenloser Katzen auf geschätzte 2000 bis 3000 Tiere gestiegen. Die Population geht überwiegend auf nicht kastrierte Freigängerkatzen zurück. In immer mehr Fällen sind die herrenlosen Tiere verwahrlost und in einem schlechten Gesundheitszustand. Die Ursache dafür ist, dass für diese Katzen weder eine regelmäßige Futterversorgung noch eine Gesundheitsvorsorge gewährleistet ist.

Um welche Krankheiten geht es?

Purkl: Solche Tiere sind besonders anfällig für Krankheiten wie etwa Katzenschnupfen oder die auch auf den Menschen übertragbare Toxoplasmose. Diesen Teufelskreis müssen wir durchbrechen. Wir halten die Pflicht für eine wirksame und verhältnismäßige Einflussnahme.

Wo liegt die Verhältnismäßigkeit?

Purkl: Die Pflicht gilt lediglich für Halter von Freigängerkatzen. Wer seine Katzen ausschließlich als Stubentiger in der Wohnung hält, der muss sie nicht kastrieren lassen.

Wie soll die Einhaltung wirksam kontrolliert werden?

Purkl: Private Tierhaltung unterliegt keiner gesetzlichen Kontrolle. Der Veterinärdienst der Stadt führt aber anlassbezogene Kontrollen durch, wenn wir etwa Hinweise von Bürgern über tierschutzwidrige Zustände erhalten. Bei solchen Kontrollen kann die Einhaltung der Kastrationspflicht stichprobenartig mit überprüft werden. Flächendeckende Kontrollen würden in keinem Verhältnis zum beabsichtigten Zweck stehen.

Aber ist dann nicht zu befürchten, dass sich viele an die Pflicht nicht halten?

Purkl: Sobald die neue Satzung eingeführt ist, wird es nicht unser Ziel sein, mit Sanktionen zu drohen. In den ersten Jahren ist zunächst viel Aufklärungsarbeit nötig. Ich gehe davon aus, dass viele Halter die Problematik erkennen und die Verpflichtung einhalten. Eine Katze ist bereits im Alter von vier bis sechs Monaten geschlechtsreif und kann bis zu zweimal im Jahr werfen. Bis zu sieben Junge können es pro Wurf sein.

Was kostet eine Kastration?

Purkl: Für Kater und Katzen liegen die Preise zwischen 70 und 110 Euro pro Tier.

Welche Auswirkungen hat der Eingriff für die Tiere?

Purkl: Keine, wenn die Altersgrenze von fünf Monaten beachtet wird. Es kommt weder zu Entwicklungsstörungen noch zu Verhaltensauffälligkeiten.

Wird die Registrierung kostenpflichtig sein?

Purkl: Das Tierregister Tasso etwa bietet das kostenlos an.

Ist eine auf Kassel beschränkte Kastrationspflicht sinnvoll, schließlich laufen auch Tiere aus dem Landkreis in die Stadt?

Purkl: Dass es einen gewissen Zulauf gibt, lässt sich nicht verhindern. Er spielt aber für die Praxis keine große Rolle. Es wird in den nächsten Jahren auch darum gehen, sich um den Bestand an wilden Katzen zu kümmern. Dabei sind wir auf das Engagement der Tierschutzvereine angewiesen, die weiterhin die Tiere kastrieren lassen. Große Erfolge der Kastrationspflicht werden wir erst nach Jahren sehen.

Soll es eine solche Pflicht auch für Hunde geben?

Purkl: In Niedersachsen gibt es seit Jüngstem eine Registrierungspflicht, um etwa Fundtiere ihren Besitzern zuordnen zu können oder Beißvorfälle mit Hunden unbekannter Herkunft aufklären zu können. Die Frage der Einführung wird sich auch hier irgendwann stellen. Im Gegensatz zur Situation bei den Katzen spielt die unkontrollierte Vermehrung bei Hunden aber keine Rolle.

Von Bastian Ludwig

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