34-jährige Drogenabhängige stahl Geldbörsen

Kassel. Wegen gewerbsmäßigen Diebstahls in vier und einfachem Diebstahl in 13 Fällen im Rot-Kreuz-Krankenhaus und dem Elisabeth-Krankenhaus in Kassel ist eine 34-jährige Frau aus Kassel vom Amtsgericht zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten verurteilt worden.

Weil sie wegen zahlreicher Diebstahlsdelikte noch unter Bewährung stand, kam eine erneute Aussetzung der Strafe für das Schöffengericht nicht in Frage. Die Frau, die seit Anfang September in Untersuchungshaft sitzt, bleibt in der JVA in Wehlheiden.

Vor Amtsrichterin Ferchland zeigte sich die junge Frau - schwer krank und gezeichnet vom langjährigen Drogenkonsum - voll geständig. An die einzelnen Taten konnte sie sich nur verschwommen erinnern, weil sie vorher stets Kokain gespritzt habe. „Sonst wäre ich dazu gar nicht fähig gewesen“, sagte sie.

Ihre Masche war stets gleich: Ab Anfang April bis Mitte Juli dieses Jahres ging sie meist dann in die Patientenzimmer, wenn die Menschen gerade im Operationssaal waren oder schliefen. Aus den Spinden stahl sie Geldbörsen und Telefonkarten, deren Guthaben von wenigen Euro sie sich stets am Automaten auszahlen ließ.

Mit den Bankkarten in den Geldbörsen ging sie unmittelbar nach dem Beutezug zu einem Geldautomaten und hob insgesamt über 6000 Euro ab. Einmal scheiterte sie dabei, weil sie die Geheimzahl nicht kannte. In den anderen drei Fällen hatten die Besitzer die PIN im Portmonee verwahrt.

Diese Taten wertete Richterin Ferchland als gewerbsmäßigen Diebstahl. Nicht in Gewicht fielen kleinere Lebensmittel-Diebstähle.

Die in Kassel geborene Frau schilderte ein Leben mit vielen Tiefpunkten. Von Kindesbeinen an sei sie von den beiden Partnern ihrer Mutter sexuell missbraucht worden. Nach einer Vergewaltigung sei sie ins Zeugenschutzprogramm gekommen, nach dessen Ende etwa 2006/07 sie mit dem Konsum von Heroin und Kokain begonnen habe.

Später habe sie den Absprung geschafft, sei aber 2013 erneut brutal vergewaltigt worden, was zu einem Rückfall und mehreren Suizidversuchen geführt habe.

Vier Wochen, bevor sie sich Anfang September selbst der Polizei stellte, habe sie mit dem Kokain aufgehört, wolle jetzt eine Therapie machen, um endgültig von den Drogen wegzukommen.

„Wenn ich mich zudröhne gehe ich klauen - das geht gar nicht“, sagte Richterin Ferchland in ihrer Urteilsbegründung. Gleichwohl sah sie bei den Diebstählen unter Drogeneinfluss eine eingeschränkte Selbststeuerung, was zur Strafmilderung führte.

Unter Anrechnung der drei Monate U-Haft müsse die Angeklagte jetzt noch drei Monate in der JVA absitzen und könne dann eine Entzugs-Therapie beantragen.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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