54-Jähriger streitet Vergewaltigung ab

Kassel/Melsungen. Angeklagter aus dem Kreis Kassel wehrt sich gegen Vorwurf - Weitere Gerichtstermine angesetzt

„Ich war ein einziges Mal in Haan, aber nie in Wuppertal.” Das sagte gestern vor dem Landgericht Kassel der 54-Jährige aus dem Kreis Kassel, der seit 20. Mai vor Gericht steht. Am 17. Oktober 2000 soll er in Wuppertal eine damals 52-jährige Frau vergewaltigt haben, die sich auf dem Heimweg von der Ballettstunde befand. Angeklagt ist der Mann wegen Vergewaltigung, gewerbsmäßigen Diebstahls in 24 Fällen sowie Verstoßes gegen das Waffengesetz.

Seit Sommer 2015 sitzt der ehemalige EDV-Techniker für Apothekenprogramme in Untersuchungshaft. Bei den 24 Wohnhaus-Einbrüchen in Kassel sowie im Landkreis Kassel und in Melsungen soll er Schmuck und Bargeld in Höhe von 90 000 Euro erbeutet haben.

Der Prozess zieht sich weiter in die Länge. Gestern war bereits der fünfte zusätzliche Verhandlungstag. Zwei weitere kommen hinzu: der 23. und 28. September, jeweils ab 9 Uhr. Für den 28. September wird das Urteil erwartet.

Eigentlich sollte gestern die Beweisaufnahme abgeschlossen werden. Nach über eineinhalbstündigen Erläuterungen eines Kriminal-Hauptkommissars gab es jedoch einen weiteren Ermittlungsauftrag für die Polizei: Sie soll einen Computer des Angeklagten auswerten. Nach den Worten des Beschuldigten muss es vom Oktober 2000 Arbeitsnachweise geben. Daraus gehe eindeutig hervor, dass er nicht in Wuppertal gewesen sei. Das hatte er früher schon einmal ausgesagt. Gleichwohl räumte der 54-Jährige ein, 2002 einmal dienstlich in Haan gewesen zu sein. Das sei „nicht weit vom Tatort entfernt”, formulierte der Kriminalbeamte. Unter dessen Regie waren über 80 sichergestellte Gegenstände untersucht worden, darunter Festplatten von Computern und Videokassetten.

Nach der Frage des Vorsitzenden Richters Dreyer nach Auffälligkeiten berichtete der Ermittler unter anderem über „eine nicht unerhebliche Zahl kinderpornografischer Schriften” und auch Vergewaltigungs- und Gewaltvideos. Bis auf einen Ordner habe man keine Fotos vom Geburtstag der Mutter des Angeklagten gefunden, berichtete der Kripo-Beamte. Die Ehefrau hatte vor Gericht ausgesagt, der Beschuldigte sei am 17. Oktober 2000 - dem Tag der Vergewaltigung - auf dem Geburtstag der Mutter gewesen. Dagegen hatte eine Sachverständige des Landeskriminalamtes Nordrhein-Westfalen erklärt, DNA-Spuren an der Ballettkleidung der vergewaltigten Wuppertalerin seien dem Angeklagten zuzuordnen.

Der Anwalt des Angeklagten, Jürgen Ahrens, wollte dem Gericht beweisen, dass das LKA-Gutachten fehlerhaft sei. Das sei aber gescheitert, sagte er gestern auf Anfrage. Nach Aussagen von Sachverständigen brauche man für seinen Beweis DNA-Spuren, die es nicht mehr gebe. Der Anwalt prüft nun weitere Ermittlungsergebnisse der Polizei, die er gestern erhielt. Ausgangspunkt der zusätzlichen umfangreichen Polizei-Ermittlungen war laut Richter Dreyer, etwas Entlastendes zu finden zum Thema Geburtstag.

Rubriklistenbild: © dpa

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