54-Jähriger wegen Vergewaltigung und Diebstahls vor Gericht

Kassel. Mitte August könnte das Urteil fallen. Denn, so der Vorsitzende Richter Dreyer: „Am 15. August möchte ich gern fertig werden.“ Weitere Zeugenvernehmungen sind vorgesehen.

Denn der Prozess gegen den Mann auf der Anklagebank des Kasseler Landgerichts zieht sich. Der 54-Jährige aus dem Kreis Kassel muss sich wegen Vergewaltigung und gewerbsmäßigem beziehungsweise versuchtem Diebstahl in 24 Fällen verantworten. Eigentlich hätte ein Urteil schon im Juni fallen sollen. Der Mann sitzt seit einen Jahr in Untersuchungshaft.

Die Einbrüche hatte der Beschuldigte in Kassel, im Kreis Kassel sowie in Melsungen begangen. „Ich war auf Schmuck und Bargeld aus”, hatte er zum Prozessauftakt im Mai gesagt. Die Beute soll fast 90.000 Euro betragen.

Gestern ging es vor dem Kasseler Landgericht darum, wie bis zu 128.000 Euro auf das Konto des Angeklagten und seiner Frau kommen konnten. Diese Summe nannte ein Polizeibeamter, der im Auftrag der Staatsanwaltschaft die Vermögensverhältnisse des Angeklagten bis ins Jahr 2005 durchleuchtete. Ein Opel Cabrio und 13.500 Euro Bargeld hatte die Polizei nach der Festnahme beschlagnahmt. Auf das Konto des Ehepaares habe es „Bareinzahlungen erheblichen Ausmaßes gegeben”.

Wo kommt das Bargeld her, habe er sich gefragt, sagte der Polizist. Er habe den Verdacht, dass das Geld „aus nicht nachvollziehbaren Einnahmequellen” gekommen sei. Die nachvollziehbaren Einkünfte hätten jedenfalls nicht gereicht für das Ausgabe-Verhalten des Mannes. Der habe 2007 ein Gewerbe angemeldet, es seien aber keine damit zusammenhängenden Hinweise auf den Konten festgestellt worden.

Die Mutter des Angeklagten berichtete, sie habe 100.000 Euro im Lotto gewonnen. 40.000 Euro seien für das Abbezahlen einer Hypothek auf das Haus verwendet worden, weitere Beträge unter anderem für den Kauf von zwei Autos. Ihr 2008 verstorbener Mann habe ein Geschäft gehabt, „das sehr, sehr gut ging”. Von den 100.000 Euro habe sie während der schweren Erkrankung ihres Mannes auch Medikamente gekauft und den Heimaufenthalt finanziert: „Das letzte halbe Jahr ist sehr, sehr teuer gewesen.”

„Meine Söhne waren immer lieb und nett zu mir, ich habe meinen Kindern Geld gegeben und beiden Söhnen Autos gekauft”, sagte die Mutter. Eingangs hatte der Richter gefragt, ob auf ihren Geburtstagen Fotos gemacht worden seien. „Sehr, sehr wenige, ich habe mich nie gern fotografieren lassen”, antwortete sie. Hintergrund: Am 17. Oktober 2000 soll der Beschuldigte laut Anklage in Wuppertal eine 52-jährige Frau vergewaltigt haben. Nach Angaben seines Anwaltes war der Angeklagte nie in Wuppertal. Dass er am Tattag auf dem Geburtstag seiner Mutter war, bestätigten vor Gericht sowohl die Mutter als auch seine Ehefrau. Bis 15. August will der Angeklagte nun mithilfe eines Gutachtens beweisen, dass er die Vergewaltigung nicht begangen hat.

Fortsetzung: 15. August, 10 Uhr, Landgericht Kassel.

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