Hessen Mobil nach tödlichem Unfall bei Guxhagen: „Zusätzliche Schilder hätten keine Vorteile gebracht“

A 7-Baustellen genug gesichert?

Gefährlich abschüssig: Ein schwerer Verkehrsunfall wie am Dienstag bei Guxhagen könnte sich auch im Kasseler Becken ereignen. Dort wird die Südtrasse der A  7 gerade verbreitert und mit Lärmschutzwänden versehen. Unser Bild zeigt, wie steil die A 7-Südtrasse am Sandershäuser Berg (sieben Prozent Gefälle) auf die Baustelle zuläuft, die gleich hinter der Linkskurve hinten im Bild beginnt. Zwar gilt hier nur Tempo 120, von großen Warnschildern fehlt jedoch jede Spur. Foto: Ketteritzsch

Kreis Kassel/GUXHAGEN. Autofahrer, die ab der Anschlussstelle Guxhagen Richtung Kassel fahren, dürfen erst einmal Vollgas geben – kein Tempolimit hindert sie daran. Nach gut zwei Kilometern das erste Baustellenschild – Tempo 100. Hier geht es schon steil rauf. Wenn das Baustellenschild von Lkw nicht schon verdeckt wurde, so werden die Lastzüge dort schon ziemlich langsam. Gut 1100 Meter weiter dann – immer noch 900 Meter von der eigentlichen Baustelle entfernt – war am Dienstag der schreckliche Unfall passiert. Bis dahin hat erst ein Schild auf die Baustelle hingewiesen. Die zweite Baustellenwarnung mit Tempo-80-Hinweis erfolgt erst 100 Meter nach der Unfallstelle.

Dort baut sich aber schon die siebenprozentige Steigung rauf in die Söhre auf. Spätestens dort fahren die Lkw Kette – im Schneckentempo. Hat dieser Umstand maßgeblich zum Unfall beigetragen?

Hessen Mobil, zuständig für die Einrichtung der Baustellen, will sich „mit Blick auf den noch nicht geklärten Unfallhergang im Detail noch nicht äußern“, wie Sprecher Horst Sinemus auf HNA-Anfrage mitteilt. Zunächst sieht die Behörde keinen Grund, die Baustelle besser abzusichern.

Richtlinien eingehalten

Gültige Richtlinien – auch zur Vermeidung von Stausituationen – seien eingehalten worden. „Auslöser des Unfalls war das Auffahren auf einen zeitweilig entstandenen Rückstau, dessen Ende aber durchaus sichtbar war“, heißt es in einer schriftlichen Erklärung von Hessen Mobil. Daher hätten auch zusätzliche Schilder und Blinker voraussichtlich keine Vorteile gebracht. Daher sei die Ankündigung der Baustelle in einer Entfernung von zwei Kilometern in dem relativ gerade verlaufenden Abschnitt ab der Anschlussstelle Guxhagen ausreichend. Hessen Mobil sagt nichts zu dem zwar geraden, aber dennoch mit sieben Prozent sehr steilen Streckenabschnitt rauf in die Söhre vor der Baustelle.

Auch die Polizei will sich zum Sicherheitsaspekt noch nicht äußern. „Der Unfall kann viele Ursachen gehabt haben – wir ermitteln noch“, sagt Polizeisprecher Torsten Werner. Als Unfallursache seien auch zu dichtes Auffahren, Unaufmerksamkeit oder ein medizinischer Notfall wie ein Herzversagen beim Lkw-Fahrer denkbar. Der mutmaßliche Verursacher, ein 50-jähriger Lkw-Fahrer aus Tschechien, liege schwer verletzt in einem Kasseler Krankenhaus und sei noch nicht vernehmungsfähig. Werner: „Selbst bei bestem Sicherheits- und Kontrollaufwand wird immer ein Restrisiko bleiben.“

Von Boris Naumann

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