AfD gründet in Kassel ersten jungen hessischen Kreisverband

Kassel. Die Alternative für Deutschland kritisiert oft „die Altparteien“, macht aber manches ganz ähnlich wie CDU, SPD und Co. So hat auch sie eine Nachwuchsorganisation.

Die Junge Alternative (JA) hat in Kassel den ersten hessischen Kreisverband gegründet - und für ihre erste Aktion gleich ein Plagiat begangen.

Sieben Mitglieder sind laut Parteistatut notwendig, um einen JA-Kreisverband zu gründen. In Kassel haben sich Anfang Mai acht junge AfD-Anhänger offiziell zusammengeschlossen, berichtet Michael Werl. Der Student, der seit der Kommunalwahl im März in der Kasseler Stadtverordnetenversammlung sitzt, ist Sprecher des Kreisverbands - nicht der Vorsitzende, sondern das Sprachrohr der Mitglieder, erklärt der 29-Jährige.

„Wir möchten der Jugend in Kassel eine Alternative bieten zu den Jugendorganisationen der Altparteien“, sagt Werl. Mitmachen können junge Menschen zwischen 14 und 35 Jahren, die sich dem Wahlspruch der JA Kassel, „sozial, wertkonservativ, patriotisch, einfach freiheitlich“, verbunden fühlen. Was das genau bedeute, sei jedem Einzelnen selbst überlassen, sagt Werl.

In welche Richtung es geht, zeigt die erste Kampagne der Jungen Alternative: „Links ist dumm!“ heißt es auf der Homepage des Kreisverbands. In zwei Artikeln legt der von Linken als rechtsradikal titulierte Nachwuchs dar, weshalb linke Positionen „nicht gerade überlegt sind“, so Werl. Er kritisiert zum Beispiel, dass Forderungen nach einer völligen Öffnung Deutschlands für Flüchtlinge nicht im Einklang mit den Gesetzen stünden.

In Österreich abgeschrieben

Vergleich der Textversionen der RFJ (links) und der JA (rechts).

Die Kampagne hat aber ein Problem: Sie ist nicht von der Jungen Alternativen Kassel. Der AfD-Nachwuchs hat sie im Internet vom Ring Freiheitlicher Jugend (RFJ) abgeschrieben, ohne die Nachwuchsorganisation der österreichischen FPÖ als Quelle zu nennen. Die hat schon im Dezember 2012 „Links ist dumm!“ propagiert.

Werl erklärt das Plagiat damit, dass die JA Kassel auf ihrer neuen Homepage etwas bieten wollte. „Wir werden das durch entsprechende eigene Inhalte ersetzen.“ Dass auf den Urheber nicht hingewiesen wurde, sei nicht korrekt, gibt Werl zu: „Das wird sicherlich noch nachgeholt.“

Aktualisiert um 12.30 Uhr

Die Junge Alternative hat die Aktion "Links ist dumm!" inzwischen von der Homepage genommen.

Mit Inhalten wie diesen will die Junge Alternative demnächst Mitgliederwerbung machen, zunächst in den Stadtteilen, in denen die AfD bei der Kommunalwahl besonders gut abgeschnitten hat. In Forstfeld, Waldau, Niederzwehren, aber auch Fasanenhof und Wolfsanger sollen Flugblätter verteilt werden, um die Gruppe bekannt zu machen.

Und wie ist das Verhältnis zur Mutterpartei? Grundsätzlich gut, sagt Werl. Die Jugendorganisation wähle aber klarere Worte als die AfD und habe einen „schneidigeren Auftritt“. So wünscht sich der JA-Sprecher, dass seine Partei die Skepsis gegen den Euro wieder deutlicher artikuliert: „Das ist zu sehr in den Hintergrund gerückt.“

Hintergrund: Verbindungen zur Uni-Gruppe

Acht Mitglieder hat der Kreisverband Kassel der Jungen Alternative (JA). Die meisten sind auch in der Hochschulgruppe des AfD-Nachwuchses aktiv. Kreissprecher Werl bedauert, dass die Mischung noch nicht vielfältiger ist. „Ich finde es wichtig, dass alle Bevölkerungsgruppen vertreten sind.“ Aber der Parteinachwuchs, der je zur Hälfte aus Kassel und dem Rest der Republik komme, stehe in Kassel ja auch erst am Anfang. Es ist der erste JA-Kreisverband in Hessen, auch an hessischen Universitäten gibt es bislang nur eine weitere JA-Hochschulgruppe (Darmstadt). Mit Spannung blickt Werl auf die bevorstehende Hochschulwahl: Vom 28. bis 31. Juni können die Studierenden ihre Vertreter in Senat, Räten und Parlament bestimmen.

ZUR PERSON:

Michael Werl

Michael Werl (29) stammt aus Karlsruhe, wo er eine Ausbildung zum Werkzeugmacher absolviert hat. Auf dem zweiten Bildungsweg holte er die Fachhochschulreife nach und kam zum Studium der Politik- und Wirtschaftswissenschaften nach Kassel. Werl ist Sprecher der Hochschulgruppe des AfD-Nachwuchses Junge Alternative und schon länger ein Feindbild linker Gruppen. Als Mitglied der schlagenden Verbindung Germania Kassel wird er auf antifaschistischen Internetseiten als "neonazistischer Burschenschaftler" bezeichnet. Während der Sprecher der Göttinger JA-Hochschulgruppe, Lars Steinke, im vergangenen Herbst von mehreren tätlichen Angriffen auf seine Person berichtet, war Werl offener Gewalt bisher noch nicht ausgesetzt. "Ich verstehe nicht, warum man die Sache nicht demokratisch ausfechten kann", sagt Werl. Er bestreitet, dass er selbst oder ein anderes Mitglied des AfD-Nachwuchses Kontakte zur NPD habe, wie ihm von linker Seite unterstellt wird.

Rubriklistenbild: © dpa

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