Martin und die Gänse

Alles zum Martinstag: Wer er war und wo seine Spuren noch zu finden sind

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Sollen Martin verraten haben: Gänse. Sozusagen aus Rache, so die Legende, werden sie deshalb am Martinstag gebraten.

Kassel. Jetzt ist es soweit: Die Kinder in Kassels Kindergärten ziehen mit ihren Laternen umher und zu Hause kommt die Martinsgans auf den Tisch – der heutige Tag steht ganz im Zeichen des heiligen Sankt Martin.

Wir stellen den Mann, der seinen Mantel mit einem Bedürftigten teilte, näher vor und erklären, wieso welche Brauchtümer gefeiert werden und wo der heilige Martin im Kasseler Alltag auftaucht.

Martin von Tours

Martin wurde 316 als Sohn eines römischen Offiziers geboren. Mit 15 Jahren trat er in die Armee ein und wurde bald darauf Offizier. Während seiner Armeezeit war Martin der Legende nach äußerst hilfsbereit und stieß an einem kalten Wintertag auf einen Bettler. Martin teilte mit seinem Schwert seinen Mantel und übergab dem frierenden Bettler einen Teil davon. In der folgenden Nacht erschien ihm der Bettler im Traum und gab sich als Jesus zu erkennen. Anschließend ließ sich Martin taufen und quittierte den Militärdienst. Durch seine selbstlose Lebensweise war er in der Bevölkerung sehr beliebt.

Die Martinsgans

In der Stadt Tours in Frankreich, in der Martin später lebte, baten ihn die Einwohner, ihr Bischof zu werden. Da sich der bescheidene Martin aber nicht als würdig genug empfand, versteckte er sich einer Legende nach in einem Gänsestall. Doch die lauten Vögel verrieten ihn und Martin wurde letztlich doch zum Bischof geweiht. Nach dem Motto „die Gänse haben Martin verraten, deshalb werden sie am Martinstag gebraten“ steht die so genannte Martinsgans am 11. November auf vielen Speiseplänen. Einer anderen Sage zufolge verirrten sich die Gänse in die Kirche und störten eine Predigt. In beiden Sagen wurden die Gänse zur Strafe geschlachtet. Martin starb mit fast 80 Jahren und wurde vom Papst heilig gesprochen.

Laternenumzüge

Der Brauch der Lichterumzüge, die besonders in Kindergärten gefeiert werden, erinnert an die Beerdigung von Martin. Am 11. November 397 wurde er in einer Lichterprozession nach Tours überführt. Auch sind die Laternenumzüge das Relikt alter Feuer- und Lichtbräuche.

Martin in Kassel

Wer einmal genauer hinsieht, entdeckt in Kassel an vielen Ecken Dinge, die einen Bezug zum heiligen Sankt Martin besitzen.

Neben dem Martinsplatz und der Martinskirche ist auch die Martini-Brauerei nach dem Schutzpatron benannt – wenn auch über Umwege. Adolf Kropf, der Gründer der Martini-Brauerei, wurde in Kassel sesshaft. Er kaufte im 19. Jahrhundert ein Haus an der Mittelgasse 56. Das Grundstück liegt unterhalb der Martinskirche, was für die Brauerei namensgebend war. Noch heute sind im Logo der Brauerei die Türme der Kirche verewigt.

Ob die genau 1 241 Kasseler, die Martin mit Vornamen heißen, nach dem Schutzpatron benannt sind, ist nicht klar. Und niemand kann sagen, was die 158 Kasseler, die Martin mit Familiennamen heißen, vom Heiligen Martin wissen. Aber vielleicht steht ja bei einigen heute ein Gänsebraten auf dem Tisch.

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