Ältestes Wohnhaus steht in Harleshausen

Alt, älter, Klosterkirche: Das sind die ältesten Gebäude Kassels

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Hier ist das Dorf um die Kirche herum gewachsen: Das Luftbild zeigt die Klosterkirche in Nordshausen, deren älteste Teile aus dem 12. Jahrhundert stammen.

Kassel. Gemeinsam mit einem Historiker haben wir uns auf die Suche nach den ältesten Gebäuden in Kassel gemacht. Die Rangliste wird von Gotteshäusern angeführt.

In Wolfsanger ist eines der ältesten Wohnhäuser der Stadt abgerissen worden. Von dem baufälligen Fachwerkhaus aus dem Jahr 1694 sind nur noch einige Holzbalken übrig geblieben.

Das ist ein Jammer, denn viele historische Gebäude hat Kassel nach den Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg nicht mehr. Mit dem Historiker Christian Presche haben wir uns auf die Suche nach ihnen gemacht. In der ehemaligen Altstadt, die in der Bombennacht vom 22. Oktober 1943 fast völlig zerstört wurde, gehören die Brüderkirche (Baubeginn vermutlich 1294) und die Martinskirche zu den markanten Zeugen der Vergangenheit.

1. Klosterkirche

Noch älter ist allerdings die Klosterkirche in Nordshausen (Bild oben). Schon 1257 wurde das Kloster urkundlich erwähnt. Bereits um das Jahr 1100 gab es hier eine kleine Kapelle. Einige Steine und zwei zugemauerte Rundbögen aus dieser Zeit sind erhalten. In der Kirche finden regelmäßig hochkarätige Konzerte statt.

2. Die Brüderkirche

Die Brüderkirche ist älter, aber der Renthof gehört dazu: Die Aufnahme zeigt das Areal am Steinweg. Im Renthof entsteht ein Hotel mit Restaurant.

Die Brüderkirche am Steinweg und der Renthof gehören seit Jahrhunderten zusammen. Die Bauarbeiten an der Kirche begannen vermutlich im Jahr 1293, fertig war die Brüderkirche im Jahr 1376. Sie ist damit das älteste Gebäude in der Kasseler Innenstadt. Auch dieBrüderkirche wurde im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt. Mit dem Bau der Neuen Brüderkirche an der Weserstraße im Jahr 1971 verlor das Gebäude seine Funktion als Gotteshaus. Heute wird die Kirche in erster Linie für kulturelle Veranstaltungen genutzt, sie war auch schon Ausstellungsort für die documenta. Direkt neben der Alten Brüderkirche befindet sich der Renthof, der früher Teil eines Karmeliterklosters war. Nach der Reformation gab es hier eine Hofschule und eine Universität. In der jüngeren Vergangenheit war im Renthof ein Altenheim untergebracht. Derzeit wird das Gebäude saniert. Hier entsteht ein Hotel mit Gastronomie, die im Frühjahr 2017 eröffnet werden sollen.

3. Die Martinskirche

Prägend für das Stadtbild: Die beiden Türme der Martinskirche sind weithin zu sehe

Sie bietet Platz für 1100 Menschen und ist damit Kassels größte Kirche. Das Stadtbild prägt St. Martin seit Jahrhunderten. Wahrscheinlich wurde bereits um 1330 mit dem Bau begonnen. Als Datum für die Kirchenweihe ist das Jahr 1462 überliefert. Die Martinskirche hat ihrErscheinungsbild im Lauf der Jahrhunderte immer wieder verändert. Im Zweiten Weltkrieg nutzten die alliierten Bomberpiloten die Türme der Kirche als Zielmarkierung für die Kasseler Innenstadt. In der Bombennacht vom 22. Oktober 1943 wurde die Martinskirche schwer beschädigt und brannte aus. Die heutigen Türme wurden nach dem Krieg auf die Stümpfe ihrer Vorgänger gebaut. Bei der Wiedereinweihung 1958 galt die Kirche als ein Symbol für den Aufbau. Derzeit wird die Martinskirche von Grund auf renoviert. Das Kirchenschiff ist bereits fertig, in der angrenzenden Chorkirche wird noch gearbeitet. Bis zum Frühjahr 2017 soll alles abgeschlossen sein.

4. Der Zwehrenturm

Altes Gemäuer: Der Zwehrenturm

Nahezu zeitgleich mit dem Baustart an der Martinskirche wurde auch der Bau des Zwehrenturms begonnen. Das war um das Jahr 1330. Der Turm ist das einzige erhaltene Stadttor Kassels. Reste der altenStadtmauer kann man heute noch hinter dem Porzellanhaus Hornschu an der Obersten Gasse sehen. Im oberen Teil des Turms ließ Landgraf Karl im Jahr 1709 eine Sternwarte bauen. Seit 1779 ist der Turm mit dem Fridericianum verbunden. Die documenta hat ihn mehrfach genutzt. Seit 1977 ist er Standort für die Laserinstallation von Horst. H. Baumann. Das Fundament des historischen Zwehrenturms am Steinweg wird gerade saniert. An dem Gemäuer haben sich Risse gebildet.

5. Der Druselturm

War Teil der Stadtmauer: Der Druselturm.

Im Jahr 1415 wurde der Druselturm zur Verstärkung der Stadtmauer und als Schutz für den Zufluss der Drusel gebaut. Der Bach ist Namensgeber für das 44 Meter hohe Bauwerk. Der Druselturm war nicht nur Wehrturm, sondern auch ein besonders ungemütliches Gefängnis. Die Gefangenenwurden an Stricken in eine dunkle Öffnung im Boden herabgelassen. Im Jahr 1905 zerstörte ein Großfeuer das hölzerne Innenleben und das Dach nahezu komplett. Mit nur einer Stimme Mehrheit entschieden sich die Stadtverordneten für den teuren Erhalt. In der Bombennacht gab es schwere Schäden, die Mauern blieben aber stehen. Der Fotograf Walter Thieme hatte in dem Turm für einige Zeit sein Atelier.

Das älteste Wohnhaus

Fachwerk: In Harleshausen steht dieses Haus.

An der Ahnatalstraße in Harleshausen steht Kassels ältestes Wohnhaus.Es stammt aus dem 17. Jahrhundert und stand früher in der Altstadt. Im Jahr 1902 wurde das Fachwerkhaus abgebaut und umgesetzt.

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