2100 Besucher beim ersten Kasseler Funktag

Weltreise durch den Äther: Was Amateurfunk so faszinierend macht

Kassel. Trotz Skype, Computer und Internet scheint der Reiz des Hobbys, sich mittels Funkwellen im Äther zu verständigen, ungebrochen.

Beim ersten vom Deutschen Amateur-Radio-Club (DARC) organisierten bundesweiten Funktag strömten am Samstag laut Pressesprecherin Stephanie C. Heine von der Baunataler Geschäftsstelle des DARC rund 2100 Besucher in die Messehallen.

Die Besucher kamen, um über Technik zu fachsimpeln, Vorträge zu hören, Ausstellungen zu besichtigen, sich an den Ständen des Technischen Hilfswerks (THW) und der Ingenieursverbände VDE und VDI umzusehen oder auf dem Funkerflohmarkt ein Schnäppchen zu machen. Heine zeigte sich zufrieden mit der Resonanz. „Das war ein voller Erfolg“, sagte sie. Nächstes Jahr, am 8. April, werde es eine Wiederholung geben.

Auf dem Flohmarkt kamen vor allem die Nostalgiker unter den Funkamateuren und diejenigen, die sich für die ruhmreiche Geschichte dieser Technik interessieren, auf ihre Kosten. Erik Lindau (Funkrufname DG1SCX) aus Hannover drehte andächtig an den Schaltknöpfen eines „Bootsankers“: Der mächtige Turm von einem Funkempfänger war wohl in den 1950er- Jahren auf einem englischen Kriegsschiff im Einsatz. Seinen Spitznamen trägt das Röhrengerät wegen seines beachtlichen Gewichts. Gleich daneben stand ein US-amerikanischer Flugzeugfunkempfänger aus dem Zweiten Weltkrieg, auch nicht gerade ein Leichtgewicht. Der sei nach dem Krieg noch vom Bundesgrenzschutz (heute Bundespolizei) eingesetzt worden, erzählt der Funkhistoriker Karl-Heinz Allermann aus dem niedersächsischen Grafhorst.

Die heutigen Geräte der Funkamateure kommen wesentlich unauffälliger daher, sind kaum größer als eine Zigarrenkiste und mit moderner Computertechnik vernetzt. Das Herausfiltern von Störungen im Äther wird nun meistens mit dem Notebook erledigt. „Wir sind vor Jahren abgestürzt. Aber jetzt geht es wieder hoch. Wir erleben einen Hype. Die jungen Leute hinterfragen wieder die Technik“, sagt DARC-Vorstandsmitglied Martin Köhler (Funkername DL1DCT). Sogar das Morsen erlebe eine Renaissance. Lehrgänge seien häufig mehrfach überbucht. „Amateurfunk geht immer.“

Mit diesen Worten erklärt Köhler, warum die Funker auch im Zeitalter des weltweiten Netzes ihren Platz behaupten. Außerdem: Eine Funklizenz sei ein Muss für Segler, ebenso wie die für die Astronauten der Weltraumstation ISS. Die Bundesnetzagentur - sie war auch auf der Messe vertreten - verzeichne steigende Prüfungszahlen. Für viele angehende Funkamateure sei letztlich der Reiz entscheidend, sich von jedem Fleck der Erde mit Gleichgesinnten auf ein Stelldichein im Äther treffen zu können. Sogar wenn diese auf einer Forschungsstation in der Antarktis wohnen. Dazu gab es eine Ausstellung.

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