Analyse: K+S-Chef Norbert Steiner zur Lage des Unternehmens

Kassel. Im Vorfeld der Hauptversammlung von K+S fasst dessen Vorstandschef Norbert Steiner in einem Video-Interview zusammen, wo das Unternehmen steht und wohin es steuert.

Das Interview, das die Presse-Abteilung des Kasseler Kali- und Salzproduzenten mit Steiner führte, dauert in voller Länge 23, eine Kurzversion gut vier Minuten. Das Video steht auf der Internetseite des Konzerns. Wir fassen die wichtigsten Aussagen zusammen und ordnen sie ein.

Anklage 

Steiner, den die Staatsanwaltschaft Meiningen wegen Gewässerverunreinigung angeklagt hat, bekräftigt, dass es bei der Versenkung von salzhaltigem Abwasser in der Gerstunger Mulde in Thüringen „keine Hinweise auf strafbare Handlungen“ gebe. K+S sei unverändert überzeugt, dass die vom Bergamt Gera erteilten Genehmigungen „rechtmäßig waren und sind“. Daher sehe er keine Notwendigkeit, Rückstellungen etwa für mögliche Strafzahlungen zu bilden.

Das allerdings sieht die Staatsanwaltschaft anders. Nach unbestätigten Berichten fordert sie eine Strafe von 325 Mio. Euro. Spekulationen, wonach K+S an Genehmigungsgutachten mitgeschrieben und eine spätere Säuberung der Akten veranlasst haben soll, halten sich hartnäckig.

Umweltschutz 

Steiner verweist auf eine erhebliche Reduzierung der Salzfracht in der Werra infolge von Investitionen von 400 Mio. Euro. Zudem seien Investitionen in derselben Größenordnung im Rahmen des mit dem Land Hessen vereinbarten Vier-Stufen-Plan beschlossen worden. Dazu gehört eine Abwasseraufbereitungsanlage am Standort Hattorf (Kreis Hersfeld-Rotenburg). Gestern wurde dort das 165-Mio.-Euro-Projekt gerichtet. Anfang 2018 geht sie in Betrieb.

Weseranrainern und Umweltschützern reicht das bei Weitem nicht. Sie wollen ein sehr viel schnelleres Ende von Versenkung und Einleitung in die Werra.

Wichtigste Aufgaben 

Als wichtigste Aufgaben des Vorstands bezeichnet Steiner die „Wahrung und Beschaffung“ der genehmigungsrechtlichen Voraussetzungen für eine nachhaltige Kali-Produktion in Deutschland. Gemeint sind Versenk- und Einleitgenehmigungen. Hinzu komme die Inbetriebnahme des neuen Kali-Bergwerks „Legacy“ (Vermächtnis) in Kanada im Herbst dieses Jahres. Steiner: „Wir liegen voll im Plan“.

Wenn es keine baldige Einigung über die langfristige Entsorgung gibt, könnte es eng werden für K+S. Und das Kanada-Projekt birgt auch Risiken. Zwar kann K+S mit dem neuen Bergwerk die Produktionskosten stark senken. Aber schon heute gibt es erhebliche Überkapazitäten auf dem Weltmarkt.

Perspektive 

Der K + S-Chef bekräftigt das Ergebnisziel von 1,6 Milliarden Euro vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) bis 2020. 2015 standen hier 1,06 Mrd. Euro.

Das ist möglich, wenn der Kalipreis nicht weiter sinkt.

ÜBernahmeversuch 

Steiner sagt, der kanadische Rivale Potash habe K + S übernehmen wollen, „um die Kontrolle über den Legacy-Standort in Kanada zu erlangen, um auch eigene Überkapazitäten besser managen zu können“. Die Ablehnung des Übernahmevorschlags von 41 Euro je Aktie begründet er erneut damit, dass das Angebot nicht den fundamentalen Wert von K + S widergespiegelt habe.

Viele enttäuschte Anleger kritisieren, dass der Vorstand das Angebot ausgeschlagen hat. Am, Freitag ging das Papier bei 22,23 Euro aus dem Handel.

Übernahmekandidat 

Die Frage, ob K + S angesichts eines Streubesitzes von 100 Prozent und eines schwächelnden Aktienkurses ein Übernahmekandidat bleibe, beantwortet Steiner mit Ja. Auf die Suche nach einem Ankeraktionär angesprochen, sagt er: „Wir sind in Gesprächen und bewerten (...) alle strategischen Optionen, die sich uns bieten.“

Die Übernahmegefahr bleibt groß, solange es keinen Ankeraktionär gibt. Und K+S bemüht sich seit Langem vergeblich, einen zu finden.

Abstieg in den MDax 

Steiner: „Nun, K + S bleibt auch im MDax ein gutes Unternehmen. Auch die Aufmerksamkeit von Politik, Medien und Investoren wird darunter, wenn überhaupt, nur wenig leiden.“ Vor dem Hintergrund der aktuellen Kursentwicklung sei K + S nach wie vor ein hochinteressantes Investment - ob im Dax oder MDax. Es ändere auch nichts an der finanziellen Situation. Man habe den gleichen Zugang zu Finanzierungsmöglichkeiten wie zu Dax-Zeiten.

Der Abstieg in den MDax hat weder Auswirkungen auf Umsatz und Rendite noch auf Beschäftigung und Standorte. Aber er ist ein Image-Verlust für K+S und die Region. www.kpluss.com

Zur Person 

Steiner ist seit Mitte 2007 Vorstandschef der K + S AG. Der 61-jährige Jurist kam 1993 von BASF, dem damaligen Mutterkonzern des Kali- und Salzproduzenten, nach Kassel und leitete zunächst den Bereich Recht, Steuern und Versicherungen. 2000 stieg der verheiratete Vater zweier erwachsener Söhne in den Vorstand auf, sieben Jahre später wurde er dessen Chef. Der gebürtige Siegener interessiert sich für Kunst und Musik und sammelt Modelleisenbahnen. Er gilt als bodenständig, verbindlich, besonnen und sozial.

Im November wird Norbert Steiner 62 Jahre. Im Mai 2017 endet sein Vertrag. Die Suche nach einem Nachfolger läuft bereits.

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