Sicherungsverwahrung beantragt

Kasseler hat zwei Menschen getötet - Anklage für sechs Jahre Haft

Kassel. Im Verfahren wegen versuchten Totschlags gegen einen 48 Jahre alten Mann aus Kassel hat die Anklage eine Freiheitsstrafe von sechs Jahren und drei Monaten mit anschließender Sicherungsverwahrung gefordert.

Allerdings plädierte die Staatsanwältin nur noch auf gefährliche Körperverletzung, weil eine Tötungsabsicht nicht nachgewiesen werden konnte.

Der wegen zweifachen Totschlags vorbestrafte Mann wird beschuldigt, im November vergangenen Jahres nach einem Streit in der gemeinsamen Wohnung seiner 26-jährigen Verlobten ein Keramikmesser mit zwölf Zentimeter langer Klinge in die linke Brust gestoßen zu haben. Dabei wurde die Lunge der Frau perforiert, sie erlitt lebensgefährliche Verletzungen.

Die beiden schwer drogenabhängigen Menschen hatten sich während einer Entgiftung im Noll-Krankenhaus kennen gelernt. Ihre dreijährige Beziehung war geprägt von Drogenkonsum, Entzug, Gewalt, Beschaffungskriminalität, Suizidversuchen und Prostitution.

Der Göttinger Psychiater Dr. Georg Stolpmann bescheinigte beiden disoziale Persönlichkeitsstörungen, die Frau leide an dem Borderline-Syndrom. Das bedeute nicht, dass sie bei ihren Aussagen lüge, die Angaben wechselten aber je nach Stimmungslage und Situation.

Beide hatten die blutige Auseinandersetzung in der Wohnung in Bettenhausen unterschiedlich geschildert. Während der Angeklagte aussagte, die Frau habe ihn angegriffen, berichtete die Zeugin dass sie in die Brust gestochen und gewürgt worden sei. Sie habe um ihr Leben gefleht und um Hilfe gerufen.

Polizeibeamte hatten die Hilferufe durch die Tür gehört, die ihnen von dem Angeklagten geöffnet worden war. Beide seien blutüberströmt gewesen, sagten die Polizisten vor der 6. Strafkammer aus.

Der Angeklagte wurde von der Staatsanwältin als Intensivtäter bezeichnet, der nach einem Totschlag bereits eine sechsjährige Jugend-Haftstrafe verbüßt hatte. 1995 war er wegen eines weiteren Totschlags zu einer Freiheitsstrafe von über 13 Jahren verurteilt worden, die er in der JVA Hünfeld verbüßte. Kurze Zeit nach seiner Entlassung hatte er seine spätere Verlobte kennengelernt.

Der Gutachter hatte den sportlich-schlanken 48-Jährigen, der einen seriösen und gefassten Eindruck macht und so gar nichts von einem Junkie mit jahrzehntelanger Drogen-Karrriere an sich hat, als austherapiert bezeichnet. Die Chance, ihn von den Drogen wegzubekommen, sei gleich Null. Die Behandlung in einer Entzugsanstalt sei daher nutzlos. Von dem Mann, so die Staatsanwältin, gehe auch künftig eine hohe Gefahr für die Allgemeinheit aus, deswegen beantragte sie Sicherungsverwahrung nach der Haftverbüßung.

Am morgigen Mittwoch soll ab 13.30 Uhr Verteidiger Peter Gros plädieren. Das Urteil der 6. Strafkammer soll dann von Richter Volker Mütze am 18. Dezember verkündet werden.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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