Anwohner besorgt: Kneipen könnten mit Goethestraßen-Umbau überhand nehmen

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So soll es werden: Die Promenade (links) wird bis zu dem vorhandenen Grünstreifen mit den Beuys-Bäumen reichen. Auf der Seite mit dem ehemaligen Finanzamt entsteht eine gemeinsame Fahrbahn für Straßenbahnen und Autos.

Kassel. Die Freude über den Umbau der Goethestraße im Vorderen Westen ist getrübt. Anwohner befürchten, dass sich die Gastronomie auf der neuen Promenade ausbreitet und überhand nimmt. Sie sorgen sich um ihre Nachtruhe.

Zum Beispiel ein Nachbar, der über der Gaststätte Ulenspiegel wohnt, ist in großer Sorge, dass sich die Promenade für die Anwohner zu einem Alptraum entwickeln könnte. Schon heute habe der Ulenspiegel in seinem Wirtschaftsgarten über 100 Sitzplätze. Der Betrieb sei nicht nur auf die warme Jahreszeit beschränkt. Im Herbst würden riesige wetterfeste Pavillons aufgestellt, bis zum Jahresende werde Glühwein aus Kanistern ausgeschenkt. Im Sommer sorgten riesige Schirme für Schutz. Im Winter lieferten große Heizstrahler die nötige Wärme.

„Dieser verlagerte Kneipenbetrieb nach draußen hat nichts mehr mit einem lauschigen Biergarten unter Kastanienbäumen zu tun“, sagt er. Um den Ansturm zu bewältigen, sei ein Imbisswagen vor das denkmalgeschützte Haus an der Goethestraße/Ecke Querallee gestellt worden. Außer dem Lärm müssten die Anwohner Sauerkrautgestank ertragen. Weil die Gaststätte für derartige Menschenmengen nicht ausgelegt sei, erleichterten sich manche Gäste in Hauseingangen und auf dem Grünstreifen in der Goethestraße. „Quartiersbelebung sieht anders aus“, sagt der Nachbar. „Es geht doch um eine Aufwertung.“ Das Ziel werde durch mehr Platz für die Gastronomiebetriebe ins Absurde geführt. Deren Gäste blockierten schon jetzt die knappen Anwohnerparkplätze und sorgten bis spät in die Nacht für einen ständigen Lärmpegel.

Die Probleme seien dem Ordnungsamt seit Jahren bekannt, sagt ein weiterer Nachbar. Das gesamte Umfeld leider unter „extremer Lärmbelästigung“. Die Sorge sei groß, dass die Goethestraße zu einer zweiten Kneipenmeile werden könnte. Von dröhnendem Gelächter bis in die Nacht und unschönen Hinterlassenschaften in den Hauseingängen spricht Jan Pots (57). Vor allem im Winter gehe es hoch her: „Da wird gesoffen.“

Zuletzt habe sich die Situation etwas entspannt. Der Wirt halte sich an die Sperrzeit. Nach 23 Uhr werde draußen nicht mehr serviert. Erbost habe die Hausbewohner vor allem der Lärm von Oktober bis in die Adventszeit. Dies sei auch schon Thema bei Eigentümerversammlungen gewesen. Man dürfe aber nicht alle Kneipen über einen Kamm scheren, sagt der Jurist. Die Kneipe Chacal zum Beispiel sei vorbildlich, auch das Xallo Cook sei „völlig unauffällig“.

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