Vermittlung ist zeitaufwendig

Hilfe auf dem Weg zum Job: Arbeitsmarktbüro für Flüchtlinge eröffnet

Eigene Anlaufstelle für Asylbewerber: Matthias Henkel (links), Mitarbeiter des neuen Arbeitsmarktbüros, im Gespräch mit Malek Al Mukhalalati (19) aus Syrien, der gern sein Abitur in Deutschland nachholen und dann Medizin studieren möchte. Dahinter von links Stefan Schäfer, Geschäftsführer des Kasseler Jobcenters, und Detlef Hesse, Geschäftsführer der Arbeitsagentur Kassel. Fotos:  Rudolph

Kassel. Wie die Integration der Flüchtlinge in der Region klappt, wird auch davon abhängen, ob es gelingt, sie in Arbeit zu bringen. Ein Arbeitsmarktbüro soll dabei helfen.

Arbeitsagentur und Jobcenter Kassel haben jetzt ein gemeinsames Arbeitsmarktbüro für Flüchtlinge und Migranten geschaffen. Es soll als zentrale Anlaufstelle für Geflüchtete dienen und ihnen Beratung und Hilfe auf dem Weg zu Ausbildung oder Arbeit bieten.

Es soll als zentrale Anlaufstelle für Geflüchtete dienen und ihnen Beratung und Hilfe auf dem Weg zu Ausbildung oder Arbeit bieten.

Es sei eine wesentlich komplexere Aufgabe, Flüchtlinge für den Arbeitsmarkt fit zu machen als einheimische Arbeitslose, sagte Detlef Hesse, Leiter der Arbeitsagentur Kassel. Das fange bei Verständigungsproblemen an und setze sich in aufwendigen Anerkennungsverfahren für berufliche Qualifikationen aus dem Ausland fort - sofern diese überhaupt vorliegen. Bisher habe man die Erfahrung gemacht, dass 90 Prozent der Flüchtlinge keine nachweisbare Berufausbildung haben, sagte Hesse. Damit kämen sie zunächst nur für einfache Helferjobs infrage.

Leicht zu finden: Das Büro liegt neben dem Eingang im Erdgeschoss und ist auch auf Englisch und Arabisch ausgeschildert.

Allerdings handele es sich überwiegend um junge Menschen - 70 Prozent seien unter 35 Jahren und zeigten sich sehr motiviert und lernwillig. „Da kann man noch viel machen“, sagte der Agenturchef. Wenn der regionale Arbeitsmarkt, der nach Fachkräften lechze, von Flüchtlingen profitieren solle, müsse man zunächst in Ausbildung und Qualifizierung der Menschen investieren. „Das kann schon mehrere Jahre dauern“, dämpfte Hesse die mitunter hohen Erwartungen der Wirtschaft.

Beim Kasseler Jobcenter, das für anerkannte Asylbewerber zuständig ist, sprechen derzeit täglich 20 bis 30 neue Kunden dieser Gruppe vor, berichtet Geschäftsführer Stefan Schäfer. Man betreue aktuell 560 Personen allein aus den Haupt-Fluchtländern. Das A und O sei zunächst der Spracherwerb. Parallel dazu sei es wichtig, genau zu erfassen, welche Kompetenzen die Flüchtlinge mitbringen und inwiefern diese Kenntnisse verwertbar seien. „Das kann man auch in Werkstätten und anderen Praxistests ausloten“, sagt Schäfer. Da man mit vielen Partnern - etwa auch den Kammern und Arbeitgebern - zusammenarbeiten müsse, sei die neue gebündelte Anlaufstelle für alle Beteiligten hilfreich.

Der Bürotrakt liegt leicht zu finden direkt neben dem Eingang der Agentur für Arbeit am Grünen Weg und ist auch auf Englisch und Arabisch ausgeschildert. Die Mitarbeiter - bisher sind es acht - wurden speziell für ihre Aufgaben geschult und decken auch viele Fremdsprachen ab. Notfalls können Dolmetscher zu den Beratungsgesprächen hinzugezogen werden.

Nicht nur asylrechtliche, sondern auch interkulturelle Besonderheiten müssen die Arbeitsmarkt-Berater kennen. So sind sie zum Beispiel darauf vorbereitet, dass sie auf Kunden aus dem arabischen Raum manchmal warten müssen: Dort gilt es als höflich, etwas später zu einem Termin zu erscheinen. Auch die Erfahrung, dass man auf einer Behörde Unterstützung bekomme, sei für viele Flüchtlinge neu, berichtet Mitarbeiterin Neriman Ün-Fahsi. Die 41-Jährige hat türkische Wurzeln und sich inzwischen ein bisschen Arabisch beigebracht, um ihre Kunden bei der Arbeitsagentur willkommen heißen zu können.

Kontakt:

• Arbeitsmarktbüro für Flüchtlinge und Migranten in der Agentur für Arbeit, Grüner Weg 46. Terminvereinbarung per E-Mail an: Kassel.Arbeitsmarktbuero@arbeitsagentur.de oder

JCStadtKassel-arbeitsmarktbuero@jobcenter-ge.de

• Arbeitgeber, die Praktika und Stellen für Flüchtlinge anbieten möchten, wenden sich an den Arbeitgeberservice der Arbeitsagentur (0800/ 455 55 20) oder des Jobcenters (0561/28 85 285).

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren: Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.