Beleidigungen führten zu Streit

150 Arbeitsstunden für Freiherr: Verfahren wegen Körperverletzung eingestellt

Kassel. Das Verfahren wegen gefährlicher Körperverletzung gegen zwei 27 und 28 Jahre alte Männer aus Kassel ist gestern von Amtsrichterin Hahn eingestellt worden.

Der jüngere Angeklagte, den der Adelstitel Freiherr als Spross einer alten hessischen Adelsfamilie ausweist, muss 150 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. Das Verfahren gegen seinen 28-jährigen Mitangeklagten wurde eingestellt. Ihm war eine aktive Beteiligung am Geschehen Anfang August 2014 vor der Kasseler Disco Club 22 nicht nachzuweisen gewesen.

Damals war ein heute 25 Jahre alter Mann aus Homberg nach einem Wortgefecht vom 27-jährigen Angeklagten aus einem Taxi gezerrt und verprügelt worden. Der bullige Mann hatte zunächst geschwiegen, sich aber gestern doch noch zu den Ereignissen geäußert.

Zuvor hatte die Aussage eines früheren Türstehers der Discothek etwas Licht ins Dunkel gebracht. Nach seinen Angaben hatte er mit dem Freiherrn vor der Disco gestanden, als das spätere Opfer wegen starker Trunkenheit aus der Disco geworfen wurde.

Der Homberger, so der Zeuge, sei in ein Wortgefecht mit dem Angeklagten geraten, der zunächst lange Zeit ruhig und beherrscht geblieben sei. Erst als der Betrunkene Mutter und Schwester des Angeklagten übel beleidigte, sei der Beschimpfte handgreiflich geworden.

„Das stimmt, irgendwann war das Maß voll“, sagte der Beschuldigte. Er habe überreagiert und irgendwann einfach abgeschaltet, das tue ihm heute leid. Die beiden Kontrahenten kannten sich bereits vorher, waren zeitweise Arbeitskollegen bei VW gewesen.

Er habe den anderen aus dem Taxi gezerrt und verprügelt. Es stimme, dass er sich den Gürtel aus der Hose gezogen habe. Er habe damit aber nicht auf den anderen eingeschlagen.

Auf einem Video der Überwachungskamera der Disco war zu sehen, wie sich beide Angeklagte die Gürtel wieder in die Hosenschlaufen fädelten. Die eigentliche Tat war auf dem Film nicht zu sehen.

Wohl aber ein zweiter Türsteher, den das Gericht seit der ersten Verhandlung im Dezember vergeblich ausfindig zu machen versucht hatte.

Dazu gab es gestern eine kleine Überraschung: „Der sitzt doch in Wehlheiden im Knast“, sagte der Türsteher-Kollege gestern als Zeuge aus.

Doch der Mann wird nun nicht mehr gebraucht, nachdem Staatsanwaltschaft und Verteidigung gemeinsam eine Einstellung des Verfahrens beantragt hatten und auch Richterin Hahn diesem Vorschlag folgte.

Alle Beteiligten des Geschehens hatten am frühen Morgen des 2. August 2014 reichlich Alkohol getankt, nicht einmal das spätere Opfer konnte die beiden Angeklagten als Schläger identifizieren. Was nun wirklich auf der Friedrich-Ebert-Straße passiert ist, konnte daher nicht näher aufgeklärt werden.

Rubriklistenbild: © dpa

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