Debatte über Rüstungsfabrikanten – Mehrheit im Parlament gegen Aberkennung

August Bode bleibt Ehrenbürger

August Bode

Kassel. Der 1960 gestorbene Rüstungsfabrikant August Bode bleibt Ehrenbürger seiner Heimatstadt Kassel. Das beschlossen die Stadtverordneten mit großer Mehrheit. Lediglich die Linke, die den Antrag auf Aberkennung gestellt hatte, und Dr. Bernd Hoppe von „Demokratie erneuern“ wollten Bode posthum den Titel aberkennen.

Er steht damit weiter in einer Reihe mit Elisabeth Selbert, die am Grundgesetz mitgewirkt hat, und dem früheren Ministerpräsidenten Holger Börner. Das müsse man korrigieren, sagte Norbert Domes für die Linken. Bode habe Zwangsarbeiter beschäftigt, Kriegsgerät für die Wehrmacht bauen lassen und sei förderndes Mitglied von Hitlers SS gewesen.

Dr. Andreas Jürgens (Grüne) begründete die Ablehnung des Antrags mit dem Respekt vor der Entscheidung der Stadtverordneten vor gut einem halben Jahrhundert. Die hätten die Leistung Bodes beim Wiederaufbau gewürdigt. Die Stadtverordneten damals, die noch von den Schrecken des Krieges geprägt gewesen seien, hätten sich das gut überlegt. Trotz der zwiespältigen Biografie sei die Entscheidung damals so gefallen. Es gebe heute keine neuen Erkenntnisse zu Bode. Der begann seine berufliche Laufbahn bei der Kasseler Waggonfabrik Wegmann & Co. Dort fing er als Lehrling an. Seine Firma war in den 1930er-Jahren an der Entwicklung des legendären Henschel-Wegmann-Zuges beteiligt. Der Zug mit seiner stromlinienförmigen Lokomotive galt als technische Meisterleistung. In dieser Tradition machte das Unternehmen nach dem Krieg im zivilen Bereich weiter. Bei Wegmann wurden unter anderem exklusive Salonwagen gebaut.

Die Kritik an Bode setzt bei seiner Rolle als Rüstungsproduzent an. Ebenso wie Gerhard Fieseler war Bode Wehrwirtschaftsführer. Der Kunstflugpilot und Firmeninhaber ist allerdings nie Ehrenbürger geworden. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden bei Wegmann zunächst wieder Waggons und Straßenbahnen gebaut. Erste Rüstungsaufträge gab es mit dem Aufbau der Bundeswehr. Wegmann beteiligte sich an der Entwicklung und Produktion von Kampfpanzern für die Bundeswehr.

August Bode starb 1960 kurz nach der Ernennung zum Ehrenbürger im Alter von 85 Jahren. Er legte den Grundstein für eine Firma, deren Nachkommen heute im Rüstungsunternehmen Krauss-Maffei Wegmann (KMW) die Mehrheit der Anteile halten.

Aufarbeitung fehlt

Andere Firmen hätten ihre Rolle in der NS-Zeit historisch aufgearbeitet, sagte Axel Selbert für die Linken. Bei Krauss-Maffei Wegmann vermisse er das insbesondere mit Blick auf August Bode.

Von Thomas Siemon

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