Trittbrettfahrer am Werk?

Nach Autobrand-Serie fährt die Polizei jetzt verstärkt Streife

+
Verkohlt: Ein Auto brannte in Oberzwehren.

Kassel. Die Bilder gleichen sich: Verbrannte Autoruinen, im Innern kohlrabenschwarz mit geschmolzenen Armaturen und von der Hitze geplatzten Airbags. 13 Fälle von Brandstiftung an Autos gab es in den vergangenen sechs Monaten in Kassel. Im Schnitt brennt es alle zwei Wochen.

Viele Autobesitzer in der Stadt sind beunruhigt. Seit vergangenem Dezember wurde an 13 Autos gezündelt. In allen Fällen geht die Polizei von Brandstiftung aus. Der Gesamtschaden beläuft sich inzwischen auf eine hohe fünfstellige Summe.

Die Polizei vermutet, dass es einen Haupttäter gibt. Dieser stecke aber vermutlich nicht hinter allen Bränden. Der jüngste Fall etwa, bei dem vergangene Woche in Oberzwehren ein Ford Ka komplett ausbrannte, passe nicht in die Reihe, sagt Polizeisprecher Torsten Werner. Hier könnte ein Trittbrettfahrer hinter dem Brand stecken.

Zwischen den meisten Fällen besteht nach Einschätzung der Polizei aber ein Zusammenhang. Die Serie hatte ihren Ursprung in der Südstadt und hat sich zuletzt vor allem im Kasseler Norden fortgesetzt. Neben der räumlichen Nähe vieler Tatorte spricht die jeweils gleiche Vorgehensweise dafür: Der oder die Täter legen das Feuer jeweils im Bereich der Reifen. An den meisten Tatorten wurde Brandbeschleuniger entdeckt. Alle Brände sind nachts oder in den frühen Morgenstunden gelegt worden.

Eine heiße Spur haben die Ermittler bislang nicht. Als Motiv vermuten sie die Lust am Zündeln – womöglich gespeist durch Frust und enthemmt durch Alkohol. Ein politisches Motiv scheide aus. Manchmal stecken Kapitalismuskritiker hinter Brandserien, diese haben es aber auf Luxuslimousinen abgesehen. In Kassel sind ausschließlich Mittelklassewagen betroffen.

Um dem Täter das Handwerk zu legen, hat die Polizei die Streifentätigkeit erhöht. Man beobachte genau, wer nachts unterwegs sei, sagt Polizeisprecher Werner. Verdächtige Personen würden kontrolliert. Er appelliert auch an die Bevölkerung, aufmerksam zu sein und verdächtige Beobachtungen sofort der Polizei zu melden.

Die Serie

Hatte die Serie sich bis Februar noch auf die Südstadt beschränkt, lagen die Tatorte zuletzt überwiegend im Kasseler Norden: in den Stadtteilen Nordstadt und Fasanenhof. Das Feuer wird immer an den Reifen gelegt. Dort bietet sich den Flammen eine Angriffsfläche. In vielen Fällen wurde Brandbeschleuniger benutzt.

Die Ermittlungen

Dass alle 13 Brände auf das Konto desselben Täters gehen, glauben die Ermittler nicht. Vermutlich seien auch ein oder mehrere Trittbrettfahrer am Werk gewesen. Zudem ist nicht auszuschließen, dass vereinzelt Autobesitzer die Gelegenheit für eine „Warmsanierung“ nutzen, um Versicherungsgeld zu kassieren.

Die Betroffenen

Betroffen sind Autos verschiedener Marken, fast alle aber Mittelklassewagen. Dem Brandstifter scheint es also nicht darum zu gehen, besonders hohen Schaden anzurichten oder Luxusautos zu zerstören, sagt Polizeisprecher Torsten Werner. Dass die Brände gezielt gelegt werden, um bestimmten Autobesitzern zu schaden, ist inzwischen ausgeschlossen. Der Täter scheint vielmehr wahllos eine Gelegenheit zum Zündeln zu suchen.

Der Schaden

In den 13 Fällen ist laut Polizei Schaden im hohen fünfstelligen Bereich entstanden. Die betroffenen Autobesitzer, die Anzeige erstattet haben, können mit einer Regulierung über die Teilkaskoversicherung rechnen. 85 Prozent der Autos in Deutschland sind kaskoversichert. Wer nicht versichert ist, kann versuchen, zivilrechtlich Ansprüche gelten zu machen - dafür muss der Täter allerdings gefasst sein. (rud)

Wie schütze ich mein Auto?

Viele Autofahrer sind in Sorge, dass auch ihr Fahrzeug angesteckt werden könnte. Da der Brandstifter offenbar nicht wählerisch ist, was Automodelle betrifft, kann in der Tat jeder betroffen sein. Einen sicheren Schutz bietet nur ein Stellplatz, der nicht zugänglich ist.

• Wer eine Garage oder einen anderen gesicherten Stellplatz hat, sollte sein Auto dort abstellen.

• Wer sein Auto an der Straße abstellen muss, sollte möglichst eine gut beleuchtete und gut einsehbare Stelle wählen.

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren: Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.