Diebe sind jetzt wieder am Zug

Bundespolizei warnt zur Urlaubszeit vor Diebstählen im IC-Bahnhof

So schnell lässt sich unbemerkt ein Wertgegenstand aus dem Rucksack ziehen: Über die Tricks der Taschendiebe informierte Klaus Arend von der Bundespolizeiinspektion Kassel am Mittwoch das aus Berlin angereiste Ehepaar Renate und Ralf Dietrich im IC-Bahnhof Wilhelmshöhe. Foto: Hermann

Kassel. Die Reisezeit ist die Hochzeit für Diebe. Und diese sind jetzt auch wieder in und an Zügen vermehrt auf der Suche nach Opfern.

Darauf haben am Mittwoch Beamte der Bundespolizeiinspektion Kassel die Reisenden am IC-Bahnhof Wilhelmshöhe aufmerksam gemacht.

Rechtzeitig vor dem Start der hessischen Schulferien informierten Peter Dittel (Kriminalprävention) und Sprecher Klaus Arend von der Bundespolizei über die Tricks und Kniffe der meist in Banden auftretenden Taschen- und Gepäckdiebe. Natürlich gaben sie auch zahlreiche Tipps, wie man sich gegen Diebe wappnen kann und was man beim Reisen unbedingt vermeiden sollte (Berichte rechts).

Die Zuständigkeit der Bundespolizeiinspektion Kassel reicht im Norden bis zur hessisch-niedersächsischen Landesgrenze und im Süden bis hinter Gießen und Fulda an die Grenze zum Wetteraukreis. Nach Angaben von Dittel und Arend wurden in diesem Bereich im vergangenen Jahr 455 Straftaten im Zusammenhang mit Diebstählen registriert. „Der Trend zeigt nach oben“, erklärte Dittel zur Entwicklung im Jahr 2016.

Von den 455 registrierten Diebstählen im Jahr 2015 entfielen nach der Kriminalstatistik 307 Straftaten auf den Tatort Zug und 148 Straftaten auf den Tatort Bahnhof. Bei 73 Diebstählen wurden Wertgegenstände aus dem Handgepäck gestohlen, bei 57 Taten aus der Kleidung der Betroffenen. 132 Straftaten standen im Zusammenhang mit dem Diebstahl von unbeaufsichtigtem Gepäck. Zudem wurden 193 sonstige Diebstähle und 69 Diebstähle von Mobiltelefonen in der Kriminalstatistik verzeichnet.

Die Experten der Bundespolizei rechnen durch das erhöhte Reiseaufkommen zum Ferienbeginn mit einem Anstieg der Taschen- und Gepäckdiebstähle. Der Bahnhof Wilhelmshöhe sei mit 35.000 bis 40.000 Reisenden pro Tag für Diebe besonders interessant.

Ein spektakulärer Diebstahl hat sich in Wilhelmshöhe bereits am vergangenen Freitag ereignet, berichtete Arend. Dabei erbeuteten Langfinger 10.000 Euro. Dabei hatte der betroffene 57-jährige Zugreisende den Aktenkoffer, in dem sich das Geld befand, während des Halts im IC-Bahnhof nicht aus der Hand gelassen. Den Dieben aber reichte nur eine Unaufmerksamkeit für den Griff in den Koffer.

Tricks der Diebe

Nach Angaben der Bundespolizeiinspektion gehören folgende Maschen zu den beliebtesten Tricks der Taschen- und Gepäckdiebe. Danach erfolgt die Ausführung der Tat meist:

• durch das Verursachen von Gedränge, Anrempeln und Ablenken

• durch vermeintliche Angebote zur Hilfe beim Ein- und Ausladen von Reisegepäck

• durch absichtliches Beschmutzen der Kleidung von Reisenden

• bei der Bitte um Auskünfte der verschiedensten Art

• bei unbeaufsichtigt abgestelltem Gepäck.

Tipps der Polizei

Das sind laut Bundespolizeiinspektion die wichtigsten Tipps gegen Taschendiebe:

• Taschen mit der Verschluss-Seite zum Körper tragen oder unter den Arm klemmen

• In Gedrängen - wie beim Ein- und Aussteigen aus Zügen - und unübersichtlichen Situationen noch mehr auf die Wertgegenstände achten

• Tasche, Handtasche und Rucksack immer geschlossen halten

• Tasche, Handtasche und Rucksack nie unbeaufsichtigt lassen

• Nur so viel Bargeld mitnehmen, wie benötigt wird

• Niemals EC-Karte und persönliche PIN-Nummer zusammen aufbewahren

• Seien Sie misstrauisch, wenn Sie angerempelt werden oder Ihre Kleidung „unbeabsichtigt“ beschmutzt wird!

Das kosten Ersatzdokumente

Wenn die Papiere durch einen Diebstahl weg sind, dann kostet der Dokumentenersatz die Betroffenen nicht nur Geld, sondern auch Zeit. Nachfolgend eine Übersicht der Bundespolizeiinspektion Kassel zu den durchschnittlichen Kosten, die nach einem Diebstahl für die Wiederbeschaffung von wichtigen Dokumenten anfallen:

• Personalausweis: 28,80 Euro

• Reisepass: 59 Euro

• Führerschein: 40,10 Euro

• Fahrzeugschein: 42 Euro

• EC-Karte: zehn Euro

• Kreditkarte: zehn Euro

• ÖPNV-Monatskarten (Mittelwert): 55 Euro

Geschätzte Gesamtkosten: rund 245 Euro.

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren: Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.