Erstaufnahme auf Marbachshöhe schließt am Samstag – Kritik an Kurzfristigkeit

Wird geschlossen: In der Erstaufnahmeeinrichtung an der Johanna-Vogt-Straße/Ecke Amalie-Wündisch-Straße sind derzeit noch 76 Flüchtlinge untergebracht. Sie werden am kommenden Samstag in die Unterkunft in Niederzwehren auf dem Bereitschaftspolizeigelände verlegt. Foto: Koch

Kassel. Das Land Hessen schließt die nächste Erstaufnahme in Kassel: Bereits am kommenden Samstag wird die Flüchtlingsunterkunft in der ehemaligen Lüttich-Kaserne auf der Marbachshöhe (Johanna-Vogt-Straße) dicht gemacht. Die 76 Bewohner werden in die Erstaufnahme an der Frankfurter Straße in Niederzwehren verlegt.

Anfang April war bereits in einer Hals-über-Kopf-Aktion die Unterkunft in der Feuerwehrschule an der Dönche aufgelöst worden. Vor drei Wochen stellte das Land Hessen dann ein sogenanntes Standortkonzept vor. Es regelt, welche Unterkünfte angesichts der sinkenden Flüchtlingszahlen aufgegeben oder nur noch als Reserve vorgehalten werden sollen. Seither ist klar, dass in Kassel die beiden Erstaufnahmen auf der Marbachshöhe - an der Johanna-Vogt-Straße und an der Druseltalstraße - schließen. Wann es soweit sein sollte, war aber bis zuletzt unklar.

Gegenüber der HNA hatte eine Sprecherin des Soziaministeriums Ende April erklärt, dass die Zeitpunkte noch nicht feststünden: „Sie können aber sicher sein, dass wir den engen Austausch mit den Vertretern der kommunalen Politik, den Einrichtungsleitungen, den Ehrenamtlichen und allen Betroffenen frühzeitig suchen und umfassend informieren werden“, schrieb sie.

Davon kann nun keine Rede sein. Am Mittwochmorgen erfuhren die Mitarbeiter an der Johanna-Vogt-Straße per Anruf, dass am Samstag Schluss sein soll. Betreiber dort ist der DRK-Kreisverband Kassel-Wolfhagen. Offiziell wurde Geschäftsführer Holger Gerhold-Toepsch erst am späten Vormittag vom Regierungspräsidium informiert. „Das ist eine Unverschämtheit“, sagt er. Es wiederhole sich alles, was schon bei der Schließung der Feuerwehrschule schief gelaufen sei. Warum die Unterkunft innerhalb von drei Tagen geräumt werden müsse und man nicht wenigstens eine Woche für eine geordnete Schließung bekomme, könne er nicht nachvollziehen, so Gerhold-Toepsch.

22 DRK-Mitarbeiter sind betroffen. Den meisten wird das Rote Kreuz kündigen müssen. Wie viele Dolmetscher und Sicherheitsbedienstete in der Einrichtung beschäftigt sind, konnte das Regierungspräsidium nicht sagen. Das Catering hatte die benachbarte Kombinatsgaststätte übernommen. Grund für die Schließung zum jetzigen Zeitpunkt sei auch, dass der Mietvertrag für die Immobilie bereits ausgelaufen sein, sagte RP-Sprecher Michael Conrad auf Nachfrage. Der Bund wolle das ehemalige Kasernengebäude zurückhaben.

Als die Erstaufnahme im September eingerichtet worden war, hatte sich in Windeseile ein Unterstützerkreis gebildet. Viele der 250 Ehrenamtlichen wollten in Niederzwehren weitermachen, sagt Wolfgang Schwieder von der Flüchtlingshilfe Marbachshöhe. Viele hielten die Schließung jedoch für falsch. „Gerade in den kleinen Einrichtungen in Ortsnähe hat es gut funktioniert“, sagt Schwieder. In Riesenunterkünften seien die Umstände sowohl für die Bewohner als auch für die Mobilisierung von Unterstützung weniger günstig.

Hintergrund: Noch kein Termin für Druselstraße 

Auch die Erstaufnahme in Hofgeismar-Beberbeck wurde gestern geschlossen. Dort waren nur noch vier Flüchtlinge untergebracht.

Demnächst geschlossen werden soll nach den Plänen des Landes Hessen auch die Erstaufnahme an der Druseltalstraße in Kassel (aktuell 91 Bewohner). Die Unterkunft in einem Gartenmarkt in Lohfelden (140 Bewohner) soll außer Betrieb gehen, aber als Reserve erhalten bleiben. Wann an diesen beiden Standorten Schluss sein soll, konnte das Regierungspräsidium Kassel gestern nicht sagen.

Dauerhaft erhalten bleiben sollen die Erstaufnahmen in Kassel-Niederzwehren, in Fuldatal-Rothwesten und in Calden.

Schlagworte zu diesem Artikel

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren: Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.