Fassade am Haus der Kirche wird repariert

Eingerüstet: Am Haus der Kirche in Bad Wilhelmshöhe werden Schäden an der Fassade behoben. Fotos: Rudolph

Bad Wilhelmshöhe. Eigentlich ist das Haus der Kirche in Bad Wilhelmshöhe schon seit über einem Jahr Baustelle - nur dass bisher nicht gearbeitet wurde.

Im Sommer 2015 war ein Fassadenteil im sechsten Stock kaputt gegangen und abgestürzt. Seither war das Haupthaus eingezäunt. Doch weiter passierte nichts. Dort, wo das Glaselement herausgebrochen ist, klaffte nach wie vor eine Lücke. Nun tut sich etwas: Seit einigen Tagen ist das Gebäude eingerüstet.

Die Landeskirche lässt Mängel an der Fassade beheben und die Glaselemente der Fassade in diesem Zuge auch reinigen.

Einige der grünen Glasscheiben seien in ihren Halterungen leicht verrutscht, erklärt Dr. Timo Koch, Leiter des Baudezernats der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck auf Anfrage der HNA. Sie müssten geradegerückt werden. Ein Gefahr des Absturzes der Scheiben bestehe aber nicht, betonte der Bauderzernent.

Wie viele der Glasscheiben betroffen seien, müsse zunächst geprüft werden. Danach richte sich auch der Umfang der Sanierung. Eine Kostenschätzung könne man deshalb noch nicht abgeben, so Koch. Man rechne damit, dass sich die Arbeiten bis zum Jahresende hinziehen.

Rechtstreit schwelt

Bereits vor zwei Jahren war bei einer Routinekontrolle der Fassade festgestellt worden, dass die Glaselemente sich an einigen Stellen leicht gesenkt hatten. Seither befindet sich die Kirche in einem Rechtsstreit mit dem Kasseler Architekturbüro Bieling, das 2003 mit der Sanierung und Erneuerung der Fassade beauftragt war. Die Kirche wollte klären, ob man das Büro für die Mängel haftbar machen kann und strengte daher ein sogenanntes selbstständiges Beweisverfahren beim Landgericht an (siehe Stichwort). Ein unabhängiger Gutachter wurde eingeschaltet. Dann ging das Glaselement im sechsten Stock kaputt und beide Seiten stellten weitere Fragen an den Gutachter, sodass sich das Verfahren hinzog.

Seltener Spontanbruch

Inzwischen ist das Beweisverfahren abgeschlossen. Demnach ging das einzelne Glaselement durch einen sogenannten Spontanbruch kaputt, berichtet Kirchenbauzernent Koch. Es zerfiel dabei in tausende kleine Scherben, die dann herunterfielen. Die Ursache lasse sich nicht nachvollziehen. Das Risiko für einen solchen Spontanbruch sei sehr gering. Es handele sich um einen unglücklichen Einzelfall, der offenbar nicht im Zusammenhang mit den bemängelten Absenkungen des Glaselemente stehe.

Da das Gutachten des unabhängigen Sachverständigen nun vorliege und der Zustand der Fassade dokumentiert ist, könne man endlich mit den Sanierungsarbeiten beginnen, so der Bauderzernent. Dazu, ob die Kirche noch versuchen will, Ansprüche bei dem Architekten geltend zu machen, wollte er sich nicht äußern.

STICHWORT

Ein selbstständiges Beweisverfahren (früher: Beweissicherungsverfahren) ist ein gerichtliches Verfahren in einem Zivilprozess. Es kommt vor allem bei Baustreitigkeiten zum Einsatz. Es handelt sich dabei noch nicht um ein Klageverfahren. Selbstständige Beweisverfahren haben meist gerade das Ziel, ein aufwendiges Hauptverfahren zu verhindern. Vom Gericht wird dabei ein unabhängiger Gutachter bestellt, um einen strittigen Sachverhalt zu klären oder Beweise zu sichern - bevor zum Beispiel der Bau voranschreitet oder eine notwendige Sanierung vorgenommen wird. Wenn sich nach Vorliegen des Gutachtens beide Parteien nicht außergerichtlich einigen, wäre der nächste Schritt die Klage. In einem Hauptsacheverfahren kann das Gutachten dann als Beweismittel verwendet werden. (rud)

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