Auch andere Betriebe haben Probleme

Not an der Fleischtheke: Metzger in Bad Wilhelmshöhe schließt

Ahle Wurscht gehört zu den Spezialitäten: Inge Pondruff arbeitet noch bis Ende November in der Filiale der Landfleischerei Krüger&Wiegand an der Wilhelmshöher Allee. Danach macht sie in Kaufungen weiter. Foto:  Schachtschneider

Kassel/Kaufungen. Kunden gab es genug, der Umsatz war gut. Und trotzdem macht die Landmetzgerei Krüger&Wiegand ihre Filiale im Kurbezirk von Bad Wilhelmshöhe Ende des Monats zu.

„Ich habe einfach nicht genügend Personal für die ganze Arbeit“, sagt Inhaber Jörg Wiegand. Seine Filiale in Vellmar hat er schon geschlossen, lediglich am Stammsitz in Kaufungen will er weiter machen. Der 45-Jährige Chef, der mit 21 schon Meister war, hat die Suche aufgegeben. „Das fängt schon in der Schule an, keiner will im Handwerk arbeiten“, sagt er resigniert.

Mit dieser Einschätzung steht Wiegand nicht allein. Seit anderthalb Jahren hat die Kasseler Metzgerei Rohde ihre Öffnungszeiten an der Frankfurter Straße reduziert. Montags bis donnerstags ist nachmittags um 14 Uhr Schluss. „Für längere Öffnungszeiten fehlen uns die Mitarbeiter“ sagt Stephanie Rohde-Müller. Die Fleischereifachverkäuferin ist die Tochter der Inhaber und davon überzeugt, dass der Beruf sehr viel interessanter ist als viele glauben. Gute und gesunde Ernährung sei in den vergangenen Jahren immer mehr in den Fokus gerückt. In der Ausbildung sei das ein Schwerpunkt. Viel Anklang findet sie damit nicht.

Handwerk insgesamt in Not 

„Früher hatten wir 30 Auszubildende in einer Klasse, heute suchen wir Hände ringend nach Interessenten“, sagt Dirk Nutschan, der Obermeister der Kasseler Fleischerinnung. Zunehmend würden nordhessische Metzger Personal aus Osteuropa anstellen. Metzger und Bäcker seinen besonders vom Mangel an Auszubildenden betroffen, aber auch in anderen Handwerksberufen gebe es große Probleme. Dafür sieht er zwei zentrale Gründe.

„Unser Schulsystem ist darauf angelegt, möglichst viele zum Studium zu bringen, für Handwerksberufe bleibt da wenig übrig“, sagt Nutschan. Zudem gebe es einen Trend zu den großen Einkaufszentren. Rewe und Edeka würden zunehmend mit Metzgereifilialen bestückt.

Die Ausbildung für die Mitarbeiter sei kürzer und weniger umfangreich als die zum Metzgergesellen und der Metzgereifachverkäuferin. Wer die drei Jahre auf sich nimmt, hat allerdings beste Chancen auf dem Arbeitsmarkt.

Die Räume an der Wilhelmshöher Allee 291 werden nach Angaben von Jörg Wiegand ab Dezember nicht leer stehen. Es gebe mehrere Interessenten, darunter auch wieder einen Metzger. Die Entscheidung soll bald fallen.

Hintergrund: 740 Euro im dritten Lehrjahr

Eine Auszubildende im Lebensmittelhandwerk mit dem Schwerpunkt Fleischerei verdient im ersten Lehrjahr 500 Euro, im zweiten Lehrjahr 610 Euro und im dritten Lehrjahr 740 Euro. Ausgelernte Fleischereifachverkäuferinnen bekommen als Grundgehalt 1750 Euro.

Nach einer EG-Verordnung über Lebensmittelhygiene sowie nach der nationalen Lebensmittelhygieneverordnung muss jeder, der mit leicht verderblichen Lebensmitteln umgeht, entsprechend seiner Tätigkeit geschult sein und damit über ausreichende Fachkenntnisse verfügen.

Die Lebensmittelüberwachungsbehörde prüft, ob die Mitarbeiter über entsprechende Fachkenntnisse verfügen.

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