Tradition am Mulang

Geschichte begann 1904: Burgfeld-Café besteht bis heute - Blick zurück

Geschichte reicht weit zurück: An der Burgfeldstraße 1 eröffnete bereits 1904 das Burgfeld-Café (rechtes Haus). Damals standen dort nur drei weitere Gebäude. Foto: Archiv Forssman

Kassel. Bärbel Benderoth (61) führt seit 25 Jahren das Burgfeld-Café an der Burgfeldstraße. In Familienhand ist es seit der Nachkriegszeit.

Die Ursprünge des Cafés reichen aber bis in die Zeit zurück, als am Mulang um die Jahrhundertwende die ersten Villen gebaut wurden. Neben dem Café leitet Benderoth auch das benachbarte Hotel Burgfeld, das anders als das Café den Krieg weitestgehend unbeschadet überstanden hat.

Eröffnung im Jahr 1904

Nachkriegszeit: Eine Postkarte des Cafés zeigt auch die alte Kneipe, die es dort von 1953 bis 1974 gab.

Als das Caféhaus 1904 eröffnete, standen nur drei weitere Häuser in unmittelbarer Umgebung. Es ging durch mehrere Hände, hieß ab 1910 Café Thon, um 1927 Café Böhme und wurde in den 1930er- und 40er-Jahren vom Konditor Otto Reinboth unter dem Namen „Burgfeld-Kaffee“ geführt. Gleich nebenan spielten damals die elitären Kasseler Kreise Tennis. Bei einem der letzten Bombenangriffe auf die Stadt war das Café von einer Brandbombe fast vollständig zerstört worden.

Nur Sockel blieb stehen

Auf dem Sockel der Ruine eröffneten dann im Jahr 1948 Anna und Fritz Winter, die Eltern von Bärbel Benderoth, den Betrieb neu. „Der Konditor Reinboth, der das Café vor dem Krieg führte, hatte keine Lust mehr“, erzählt die 61-Jährige.

Schon in ihrer Kindheit half sie im elterlichen Betrieb mit. „In der Weihnachtszeit hab ich als Kind für die Gäste auf dem Klavier gespielt“, erinnert sie sich. Von 1953 bis 1974 gab es neben dem Café auch eine Bierstube. Die Kneipe musste geschlossen werden, weil es dort zur Damen- und Herrentoilette nur einen Zugang gab – da spielte die Behörde damals nicht mit.

Chefin backt selbst

Sie leitet das Café und backt selbst: Bärbel Benderoth mit ihrer meistverkauften Stachelbeer-Baisertorte. Foto: Ludwig

Seit inzwischen 16 Jahren backt Bärbel Benderoth ihr Torten- und Kuchenangebot selbst. Damals ging der hauseigene Konditor in Ruhestand. Für ihre Kreationen steht sie früh morgens auf und verwendet keinerlei Zusätze wie etwa Aromen. Der große Renner im Café ist ihre Stachelbeer-Baisertorte. „Viele Kränzchen treffen sich hier, aber auch Patienten der Ayurveda-Klinik“. Viele Kunden holen sich auch ihren Kuchen für zu Hause bei Benderoth ab.

Neben ihrer Arbeit im Café kümmert sich Benderoth auch um das Hotel Burgfeld, das sich an der Burgfeldstraße 2 – schräg gegenüber – befindet. „Ich führe das Hotel im Auftrag meiner Kinder“, sagt sie.

Öffnungszeiten: Samstag bis Mittwoch 13 bis 18 Uhr, im Sommer bis 19 Uhr. Donnerstag und Freitag bleibt das Café geschlossen.

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