Ein Herz für die Baumhaus-Bauer vom Habichtswald

Beeindruckendes Waldschloss: Für ihr Baumhaus an der Lichtung Rehwiesen hatten die vier Jungen allerdings auch rund 200 Jungbäume abgeholzt. Ihre Eltern haben sich schon bereit erklärt, den entstandenen Schaden zu tragen. Archivfoto: Schachtschneider

Kassel. Der Baumhaus-Bau vom Habichtswald zieht Kreise bis in die Wissenschaft: Nachdem bekannt wurde, dass vier 13-Jährige für das unerlaubt gebaute Baumhaus an der Lichtung Rehwiesen unweit des „Steinernen Schweinchens“ verantwortlich sind, hat sich der Kasseler Biologie-Professor Ewald Langer zu Wort gemeldet – und plädiert für Nachsicht mit den Jungen.

Wie berichtet, hatten die jugendlichen Baumeister zuletzt rund 200 Jungbuchen abgeholzt, um ihr imposantes Waldschloss zu umzäunen. Nach einem Bericht in der HNA hatten die Jungen sich beim Forstamt und der Polizei gemeldet. Die Eltern erklärten sich bereit, den angerichteten Schaden zu tragen, der zunächst mit 5000 Euro beziffert worden war.

Natürlich hätten die Jungen etwas falsch gemacht, sagt Ökologie-Professor Langer. Offensichtlich hätten sie aber nicht aus bösem Willen gehandelt, sondern aus Unwissenheit. Sie seien in ihrem Tatendrang beim Spielen im Wald schlicht zu weit gegangen. „Das sollte man nicht zu hoch hängen“, findet der Biologe. Schließlich müsse man froh sein, dass die vier überhaupt noch im Wald spielten, sagt der 55-jährige Professor.

Er erlebe selbst bei seinen Biologiestudenten immer wieder, dass junge Menschen der Natur heute völlig entfremdet seien, weil sie als Kinder nicht draußen gespielt hätten. Das Phänomen habe etwa vor zehn Jahren mit der Generation begonnen, die mit dem Internet groß geworden sei, hat der Hochschullehrer beobachtet. „Da saßen viele vor allem zu Hause vor Videospielen und am Computer, anstatt mal rauszugehen.“

Daher macht Langer seit Jahren Freilandpraktika mit seinen Studenten, „um das Defizit an Naturerfahrung zu kompensieren“. Es komme vor, dass er den Studenten aufträgt, Zapfen oder Knospen zu sammeln. „Dann heißt es oft: Wir haben nichts gefunden“, berichtet der Biologe, „weil die Sinne der jungen Leute gar nicht mehr für die Natur geöffnet sind“.

Aus Solidarität mit den vier Naturjungs vom Habichtswald regt Langer, der selbst Vater eines 16-jährigen Sohns ist, nun sogar eine Spendenaktion an, um die hohen Kosten für den Schaden aufzufangen. „Ich würde mit 50 Euro den Anfang machen.“

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