Mutter beklagt Anleinverstöße

Junge wird im Bergpark gebissen, doch niemand fühlt sich verantwortlich

Traumatische Erfahrung: Der zehnjährige Jonas wurde ausgerechnet am Freitag, den 13., von einem frei laufenden Hund im Bergpark gebissen. Seine Mutter ist enttäuscht, dass sich niemand für die Einhaltung der Parkordnung verantwortlich fühlt. Foto: Ludwig

Kassel. Vor zwei Wochen wurde der zehnjährige Jonas von einem frei laufenden Hund im Bergpark gebissen. Als wäre dies nicht schlimm genug, ärgerte sich die Mutter Anke Hutschenreiter anschließend, dass sich für den Vorfall niemand verantwortlich fühlt.

Der Berg- und der Auepark der Museumslandschaft Hessen Kassel (MHK) seien offenbar rechtsfreie Räume, so der Eindruck der Mutter.

Mutter und Sohn joggten am 13. Mai bei bestem Wetter durch den Bergpark. In der Nähe der Pagode, unweit der Mulangstraße, kamen ihnen zwei Frauen mit ihren Hunden entgegen. Beide Mischlinge liefen trotz Anleinpflicht im Park frei herum. Mutter und Sohn hatten früher bereits darüber gesprochen, wie sich der Sohn zu verhalten hat, wenn ein Hund auf ihn zuläuft. So blieb der Zehnjährige ruhig stehen. Eine der Frauen konnte ihren Hund festhalten, doch der zweite stürzte auf den Jungen zu und biss ihn in die Wade.

Die Halterinnen seien nett gewesen und hätten sich entschuldigt, erzählt die Mutter. Die Betroffene habe gleich erklärt, sie habe eine Hundehaftpflichtversicherung. Der Zehnjährige wurde schließlich im Krankenhaus behandelt.

Weil sich die Mutter über den Vorfall geärgert hatte, versuchte sie später zu klären, wer für solche Anleinverstöße eigentlich zuständig ist. Beim Kasseler Ordnungsamt, wo sie einen Wesenstest für den Hund anregen wollte, erfuhr sie, dass die städtischen Beamten für die Parkanlagen des Landes nicht zuständig seien. Die MHK sei als Verwalter der richtige Ansprechpartner.

Bei der MHK bekam die Frau die Auskunft, dass auch dem Landesbetrieb die Hände gebunden seien. Zwar gebe es eine Parkordnung, allerdings hätten private Ordner – die etwa bei den Wasserspieltagen eingesetzt werden – keine Vollzugsgewalt. Deren Ordner könnten nur beratend tätig werden und hätten keine polizeiliche Kompetenzen. Es sei ihnen weder möglich Personalien festzustellen noch ein Bußgeld zu erheben.

Bei der Polizei hatte Anke Hutschenreiter ebenfalls wenig Erfolg. „Der Polizist in der Polizeistation schlug mir vor, ich solle das doch mit der Halterin klären und mir einen Kinogutschein oder Ähnliches als Entschuldigung geben lassen“, erzählt die Mutter. Von einer Anzeige habe der Beamte abgeraten.

Nach Auskunft von Polizeisprecher Jürgen Wolf komme nur eine Anzeige wegen fahrlässiger Körperverletzung infrage. Ein solches Verfahren werde vermutlich in vielen Fällen eingestellt. Eine andere Sache sei es, wenn der Halter seinen Hund bewusst auf das Opfer hetze. Die zivilrechtlichen Ansprüche wie Schmerzensgeld oder Sachbeschädigung müssten die Betroffenen über ihre Anwälte klären.

Jonas will weiter joggen. Die Angst vor Hunden begleitet ihn jetzt aber immer.

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