Pendler verärgert

ICE hat keine Zeit mehr für Halt: Sprinter rauscht durch Kassel

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Achtung, Zugdurchfahrt: Um die Verbindung zwischen Frankfurt und Hamburg zu beschleunigen, hält der ICE-Sprinter 1094 nicht mehr in Kassel-Wilhelmshöhe.

Kassel. Personenzüge, die ohne Halt durch einen Bahnhof rauschen, kannten Fahrgäste bisher nur von Haltepunkten in der Provinz. Doch das wird sich in Kassel wohl bald ändern.

Die Deutsche Bahn will ihr besonders schnelles ICE-Sprinter-Netz weiter ausbauen und verzichtet auch auf Halte in Kassel.

So stoppt ein ICE auf der Strecke zwischen Stuttgart über Frankfurt, Hannover und Hamburg bis Kiel nun nicht mehr am IC-Bahnhof Wilhelmshöhe, weil er den Ankunftsort so ein paar Minuten früher erreicht. Viele Berufspendler zwischen Kassel und Frankfurt sind verärgert.

Der ICE 974 zwischen Stuttgart und Kiel hält seit dem Fahrplanwechsel Mitte Dezember nur noch samstags in Kassel-Wilhelmshöhe an. An den Wochentagen wird er durch den ICE-Sprinter 1094 ersetzt, der bei der Durchfahrt durch Kassel ohne Stopp bis Hannover weiterfährt - auch in Göttingen und Lüneburg fährt er nur vorbei. Dabei war diese Verbindung vor allem bei den Feierabendpendlern zwischen Frankfurt und Kassel sehr beliebt. Der Zug startet um 16.58 Uhr in Frankfurt.

Auf HNA-Anfrage teilt die Bahn mit, dass es sich um eine Entscheidung „im Sinne der Mehrheit“ ihrer Kunden handele. Besonders auf dem Abschnitt zwischen Frankfurt bis Hamburg gebe es einen Bedarf für diese schnelle Verbindung. Daher würde besagter ICE nicht mehr in Kassel, Göttingen und Lüneburg anhalten. „Neben der Reisezeitverkürzung von elf Minuten nach Hannover und Hamburg schätzen Sprinter-Kunden die besonders ruhige und entspannte Reiseatmosphäre“, so ein Bahnsprecher. Die Fahrgäste könnten ihre Reisezeit nun noch bequemer zum ungestörten Arbeiten, Lesen und Schlafen nutzen, da wegen der Reduzierung der Halte auch weniger Ansagen und Kontrollen nötig sein.

Für die Berufspendler zwischen Frankfurt und Kassel empfiehlt die Deutsche Bahn entweder um 17.13 Uhr in Frankfurt loszufahren (ICE 276) oder bereits um 16.13 Uhr (ICE 596). Bei beiden Verbindungen beträgt die Fahrzeit ebenfalls etwa anderthalb Stunden.

Weil diese Züge aber über Fulda fahren, wo ebenfalls viele Pendler wohnten, seien sie meistens überfüllt, argumentiert Klaus Behrens, ein Berufspendler aus Kassel, der in Frankfurt arbeitet. Zudem verlängere sich die Reisezeit. Er selbst sei nun eine halbe Stunde später zu Hause als vor dem Fahrplanwechsel. Es gebe bereits eine Unterschriftensammlung unter den Berufspendlern. Artikel Unten

Kein Airail-Service ab Kassel

Lufthansa streicht Zubringerservice ab dem IC-Bahnhof 

Bislang konnten Kasseler Kunden der Lufthansa für ihre Flüge ab Frankfurt den so genannten Airail-Service ab dem IC-Bahnhof Kassel-Wilhelmshöhe nutzen. Dieser Zubringerservice wurde nun aber für die Kasseler Kunden zum 31. Dezember 2015 aufgegeben, teilt eine Lufthansa-Sprecherin auf HNA-Anfrage mit.

Das gemeinsame Angebot von Deutscher Bahn und Lufthansa konnte bislang direkt zusammen mit dem Flugticket gebucht werden. Den Nutzern stand am Frankfurter Fernbahnhof ein kostenloser Gepäcktransport von den Bahngleisen zum Airail-Terminal zur Verfügung. Bei einer Zugverspätung wurden Kunden, die ihren Weiterflug nicht erreichten, kostenlos umgebucht.

Außerdem gibt es einen extra Airail-Check-In-Schalter am Frankfurter Flughafen, was die Gepäckaufgabe und das Einchecken für die Kunden erleichterte.

Warum der Kasseler Bahnhof aus dem Programm genommen wurde - das nun Lufthansa Express Rail heißt - teilte das Unternehmen nicht mit.

Leser der HNA hatten sich in der Redaktion gemeldet, weil sie den Wegfall bedauern. Das weiter bestehende Rail&Fly-Programm biete weniger Vorteile und sei zudem teurer.

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