Decken- und Wandmalereien sind einzigartig in der Region

Nordhessens Juwel strahlt wieder: Ballhaus wurde aufwendig saniert

Kassel. Das Ballhaus war das Werk eines Anfängers - auch wenn man es dem prachtvollen Bau aus dem Jahr 1809 nicht mehr ansieht.

Es war das Erstlingswerk des damals 24-jährigen Leo von Klenze, der später zum Architekturmeister des Klassizismus werden sollte. Nun wurde das „Juwel nordhessischer Architektur“, wie der Direktor der Museumslandschaft Hessen Kassel (MHK), Prof. Bernd Küster es nannte, aufwendig saniert. 5,4 Mio. Euro hat das Land in die Sanierung gesteckt. Am Mittwoch wurde die Wiedereröffnung gefeiert.

Anderthalb Jahre hat es gedauert, bis das Ballhaus von außen und innen saniert war. Besonders die Restaurierung der über 900 Quadratmeter Decken- und Wandfläche war eine Mammutaufgabe. Monatelang waren Experten damit beschäftigt, die Malereien wiederherzustellen. Eine Besonderheit ist der Fries mit Papageien-Motiven, der sich einmal um den ganzen Ballsaal zieht.

Prachtvoll: Die Innenausstattung entstand erst ab 1820, nachdem der frühere Theaterbau zum Ballhaus umgebaut wurde. Die Marmorsäulen sind nur Staffage, hinter einer Verkleidung befinden sich Eichenbalken. Die Empore wird nicht zugänglich sein. Fotos: Koch

Die letzte Sanierung hatte in den 1970er-Jahren stattgefunden, entsprechend groß war der Bedarf. Weil das Deckengewölbe aus Holz relativ empfindlich ist, mussten die Restauratoren mit größter Vorsicht vorgehen. Um die Schäden an den Malereien in Zukunft zu minimieren, wurde die Haustechnik erneuert. Diese soll nun für ein Klima sorgen, das die Bausubstanz schont. Um Schäden zu verhindern, dürfen auch in Zukunft nicht mehr als 200 Menschen zu Veranstaltungen in das Ballhaus.

Auch von außen hat das Ballhaus ein neues Antlitz erhalten. Früher war es schweinchenrosa, weil sich die Restauratoren seinerzeit an alten Gemälden orientiert hatte, die das Ballhaus zeigten. Diese gaben offenbar einen falschen Eindruck, denn die bauhistorische Recherche ergab, dass es sandfarben („Chamois“) war.

Das Ballhaus ist das einzige Bauwerk im Bergpark, das aus der Ära des Königreichs Westphalen stammte, das Napoleons Bruder Jérôme Bonaparte von Kassel aus regierte. Er beauftragte den Bau, der zunächst als Theater diente. Die Fundamente der Besucherränge sind bis heute im Keller des Ballhauses zu sehen. Keine Überreste blieben vom asiatisch anmutendem Zwischenbau, der bis 1813 das Ballhaus mit dem Schloss Wilhelmshöhe verband. Dieser wurde errichtet, weil es im Theater keine Garderoben für die Künstler gab.

Nach dem Ende des Königreichs wurde das Ballhaus ab 1820 umgebaut. Fortan sollte der Hof dort rauschende Bälle abhalten. Für diesen Zweck erhielt es auch seine prachtvolle Innenausstattung, die durch den Kasseler Architekten Johann Conrad Bromeis entworfen wurde.

Nach dem Zweiten Weltkrieg diente das Ballhaus den amerikanischen Soldaten als Casino. Künftig wird es für Besucherführungen und klassische Konzerte geöffnet werden. Termine dafür stehen aber noch nicht fest.

Ballhaus erstrahlt wieder

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