Jürgen Richter kocht jetzt im Resort Gut Wissmannshof

Sternekoch sagt Kassel und dem "Steinernen Schweinchen" Adieu

Kochkunst vom Feinsten: Im „Steinernen Schweinchen“ zelebrierte Jürgen Richter auch mal molekulare Desserts – hier etwa mit Gänselebercreme-Bällchen aus einem minus 193 Grad kalten Stickstoffbad. Foto:  Koch

Kassel/Staufenberg. Die Personalie aus Kassels erster Küchenliga hat sich in der Branche und im Publikum der gehobenen Gastronomie schnell herumgesprochen: Im „Steinernen Schweinchen“ steht Jürgen Richter seit ein paar Wochen nicht mehr als Küchenchef am Herd.

Richter, der in den 1990ern zweimal einen Michelin-Stern erkochte und bei vielen nordhessischen Gourmets Legendenstatus genießt, hat das Haus am Brasselsberg nach 15 Jahren verlassen. Seit Monatsbeginn wirkt er im Restaurant des Staufenberger Golfresorts Gut Wissmannshof, dessen Eigentümer Hubert Landefeld höchst ehrgeizige Ausbaupläne verfolgt - nicht zuletzt auch für die dortige Gastronomie.

„Das ist für mich noch mal eine neue Herausforderung“, sagt Richter (57) auf Anfrage der HNA. Vor ein paar Monaten sei er zufällig mit dem Unternehmer und Investor Landefeld ins Gespräch über dessen Pläne gekommen. Man habe sich gut verstanden und sei schließlich handelseinig geworden.

Seit einiger Zeit wird Gut Wissmannshof nahe Speele, bislang ein reiner Golfplatz, mit erheblichem Finanzaufwand zum gehobenen Sport- und Ferienresort ausgebaut, das sich auch an Radler, Wanderer und andere Tagesgäste richtet. „Wir wollen eine entsprechend hochwertige Küche gewährleisten“, sagt Eigentümer Hubert Landefeld. Ein neues Wintergarten-Restaurant mit Blick übers Fuldatal in Richtung Kassel soll im Februar 2017 in Betrieb gehen. „Die ganze Anlage ist für die Region einfach ein Traum“, schwärmt Richter, der dort als Küchenchef gastronomische Impulse setzen soll.

Im „Steinernen Schweinchen“ am Kasseler Brasselsberg hatte Richter seit 2001 sein Renommee als einer von Nordhessens höchstdekorierten Küchenchefs gefestigt und wurde beständig mit hohen Auszeichnungen in den einschlägigen Gourmetführern bedacht. Ein neuerlicher Michelin-Stern, auf den „Schweinchen“-Inhaber Thomas Nähler jahrelang spekuliert hatte, war allerdings nicht darunter.

Während die Richter-Fans der Küche des Hauses die Treue hielten, war das Verhältnis zwischen Inhaber und Küchenchef nicht immer spannungsfrei. Dass Nähler verstärkt aufs Tagungshotelgeschäft setzte und den Gourmet-Bereich des Restaurants auflöste, trägt ihm nun Unmut seines ehemaligen Vorzeigekochs ein: „Da war zum Schluss keine klare Linie mehr gegeben“, resümiert Richter: „Alles gleichzeitig zu wollen, die einfache Schiene und trotzdem Spitzenqualität, das kann nicht funktionieren.“

Richters Weggang bringt am Brasselsberg nun mehr Verantwortung und zugleich eine Bewährungschance für seinen bisherigen Souschef Rafael Wenglorz mit sich. Der 25-Jährige hatte sich nach seiner Ausbildung bei Jürgen Richter in ersten Häusern weiterqualifiziert, bevor er ins „Schweinchen“ zurückkehrte und dort als Teil eines kreativen Duos mit seinem Lehrmeister bereits kulinarische Akzente setzen konnte.

Zur Person

Jürgen Richter wurde 1959 in Gudensberg-Dissen (Schwalm-Eder-Kreis) geboren. Nach der Schule lernte er zunächst Konditor im Kasseler Pralinenhaus Horst Reich, dann Koch in den „Schwälmer Stuben“ des Hotels Henkel. Unter vielen folgenden Stationen waren erste Häuser wie das Landhaus Scherrer in Hamburg und Peter Wehlauers „Bühlerhöhe“ im Schwarzwald. Nach der Küchenmeisterprüfung errang Richter 15 Gault-Millau-Punkte im Kasseler Landhaus Meister. Jeweils mit einem Michelin-Stern wurde seine Kochkunst im Maritim-Restaurant Bakkarat in Hannover (1993-’97) sowie im Schlosshotel „Prinz von Hessen“ in Friedewald (1997-2001) ausgezeichnet. In den vergangenen 15 Jahren wirkte er als Küchenchef im „Steinernen Schweinchen“. Richter ist verheiratet und hat einen Sohn.

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