Tolle Ausstellungstücke erhalten

Zerstörter Bergfried der Löwenburg wird wieder aufgebaut

Vor der Zerstörung: Das historische Foto zeigt den Speisesaal. Die Waffen an der Wand kamen erst in preußischer Zeit hinzu.

Kassel. Wer in den vergangenen Jahren die Löwenburg besichtigt hat, bekam schon einiges zu sehen. Das ist aber kein Vergleich zu den Schätzen, die im Zweiten Weltkrieg ausgelagert wurden.

Nach vielen Jahren Vorlauf gibt es bei der 30 Millionen Euro teuren Sanierung der Löwenburg jetzt sichtbare Fortschritte. Ziel ist es, vom Ritterzimmer bis zur Bibliothek wieder alle früheren Attraktionen zu präsentieren.

Der Bergfried wächst

Der im Krieg zerstörte ehemalige Hauptturm, der Bergfried, wird dafür endlich wieder aufgebaut. Das erste von drei neuen Stockwerken ist im Rohbau bereits fertig, in den nächsten drei Jahren soll der Turm komplett rekonstruiert werden. Seit einem Bombentreffer im Zweiten Weltkrieg war der Turm weitgehend zerstört. Das hatte Folgen für die Nutzung der Burg. „Die Besucher konnten nur die früheren Dienerzugänge nutzen“, sagt Astrid Schlegel von der Bauabteilung der Museumslandschaft Hessen Kassel (MHK). Das soll sich ändern: Es wird einen neuen Haupteingang über den Bergfried geben.

Das dauert allerdings noch einige Zeit. Voraussichtlich im Jahr 2022 wird die Burg wieder komplett zugänglich sein. Der Baustellenbereich ist derzeit gesperrt.

Hinter den Kulissen

Sechs Jahre haben die Planer für die Bauarbeiten und die Ausstattung der Räume vorgesehen. Das ist eine lange Zeit, doch es ist auch jede Menge zu tun. „Es laufen schon seit Jahren aufwändige Arbeiten im Hintergrund“, sagt Dr. Astrid Wegener, die Leiterin der Schlossmuseen.

Wertvoller Tisch

Ein Beispiel ist ein besonders wertvoller Tisch aus dem 17. Jahrhundert, der bei dem Bombentreffer im Krieg schwer beschädigt wurde. Für die Rekonstruktion und Restaurierung wurde bereits 2010 eine Stifteraktion ins Leben gerufen. Mittlerweile ist der Pleninger Steintisch aus Solnhofer Kalkstein, der mit Bildern, Versen und Noten geschmückt ist, fast wieder so schön wie früher. So wie vor der Zerstörung im Krieg soll er erneut seinen Platz im Speisezimmer der Burg finden. Das befand sich im Erdgeschoss des Bergfrieds, darüber war der Rittersaal und noch eine Etage höher die Bibliothek.

„90 Prozent des Inventars der Löwenburg sind erhalten, das gibt es bundesweit nicht noch einmal“, sagt Astrid Wegener. Die Burg soll mit all ihren Räumen so originalgetreu wie möglich wieder hergerichtet werden. Maßgeblich ist dabei die sehr detaillierte Inventarliste aus dem Jahr 1816. In der sind für das Ritterzimmer von den Stühlen über Porträts bis zu Kleinmöbeln 74 Objekte verzeichnet. 68 davon sind 200 Jahre später immer noch vorhanden.

Toller Blick

Jeder Stein, der an der Löwenburg verarbeitet wird, ist eine Maßanfertigung aus einem künstlichen Tuff. Der wurde unter anderem an der Kasseler Universität entwickelt und soll länger halten als das Vorgängermodell. Wenn der Bergfried fertig ist, bekommt er eine Aussichtsplattform. Nirgendwo sonst im Bergpark hat man einen so schönen Blick Richtung Herkules und über Schloss Wilhelmshöhe Richtung Stadt.

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