Bahnchef nahm Solaranlage in Betrieb

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Bahnchef auf Visite: Rüdiger Grube (Mitte) mit den Auszubildenden des Kasseler Werks (von links) Fabian Lang, Sascha Piesche, Roland Esplugas, Denny Günther und Sebastian Bommart.

Kassel. Wenn ein Bahnchef mit dem Zug anreist und sich dabei verspätet, dann sorgt das auch bei Bahn-Mitarbeitern für Schmunzler. Von einer Umleitung über Hildesheim wurde gemunkelt.

Weil sich Rüdiger Grube gestern trotz seines 45-minütigen Verzugs Zeit für die Mitarbeiter des Kasseler Bahn-Ausbesserungswerks nahm, brachte ihm dies bei den Kollegen vor Ort Respekt ein. Nach seinem Werksrundgang, der zu seinen turnusgemäßen Regionalbesuchen gehört, nahm er eine Solaranlage in Betrieb.

Es ist eine Art Truppenbesuch, den Grube seit seinem Amtstantritt im Jahr 2009 kultiviert hat. Einmal im Jahr stattet er in jedem Bundesland einen Regionalbesuch an einem Bahnstandort ab. In Hessen war dieses Jahr die zwischen Harleshausen und Rothenditmold gelegene Fahrzeuginstandhaltung dran, bei der rund 800 Mitarbeiter beschäftigt sind.

Technisches Verständnis

Dass Grube kein Schreibtischtäter, sondern Techniker ist, davon konnten sich die Bahn-Mitarbeiter in Kassel einen Eindruck verschaffen: „Amorphes oder kristallines Silicium?“, wollte der gelernte Metallflugzeugbauer wissen, bevor er die neue, 5900 Quadratmeter große Solaranlage auf dem Hallendach des Großkomponenten-Lagers in Betrieb nahm. Mit dem erzeugten Strom von durchschnittlich 330 000 Kilowattstunden pro Jahr können 80 Haushalte ein Jahr lang versorgt werden. Und tatsächlich wird der Strom nicht etwa im Bahn-Werk verbraucht, sondern ins Kasseler Stromnetz eingespeist.

Ein Bahnsprecher erläuterte das Geschäftsmodell: Die Firma Stiens Solartechnik aus Kaufungen betreibe die Anlage und zahle dafür Miete für die Dachfläche an die Bahn. Der Vertrag habe eine Laufzeit von 20 Jahren. Mit den Mieteinnahmen wiederum kaufe die Bahn Ökostrom für das Werk ein. Die neue Solaranlage sei ein „Mosaikstein“ einer ökologischen Offensive der Bahn, die mit einer jährlichen Stromrechnung von 2,5 Mrd. Euro der größte Stromverbraucher des Landes sei, sagte Grube.

„Mein Ziel ist es, unseren Betrieb bis 2050 ausschließlich auf CO2-freien Strom umzustellen.“ Derzeit steuere die Bahn auf einen 28-prozentigen Ökostromanteil zu. Während Grubes Vorgänger, Hartmut Mehdorn, nie einen Blick in das Kasseler Ausbesserungswerk geworfen hatte, spielt für den aktuellen Bahnchef Kassel schon biografisch eine größere Rolle. Der 61-Jährige promovierte 1989 in Berufs- und Wirtschaftspädagogik an der Uni Kassel.

Am Ende seines zweistündigen Rundgangs fand Grube viele lobende Worte für das, was er im Kasseler Werk zu sehen bekam: „Vor allem die Produktspanne fand ich beeindruckend.“ Von Kassel ging es für Grube weiter zu einem Anschlusstermin in Köln. Auch auf dieser Strecke gab es am Abend Verspätungen.

Von Bastian Ludwig

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