Chancengleichheit mit Dunkelbrillen

Ballspielen ohne Sehkraft: Meisterschaft im Tischball in Kassel

Blindensport: Unser Archivfoto aus Soest zeigt anschaulich, wie Tischball oder auch Showdown gespielt wird: mit einem Holzschläger und einem Ball. Foto: nh

Kassel. Eine Tischballplatte, zwei Spieler, einen kleinen rasselnden Ball, Schläger und Dunkelbrillen – mehr braucht man nicht für die Sportart „Showdown“, die auch als Tischball bekannt ist.

Showdown ist eine Art Tischtennis, das für Blinde adaptiert wurde. Es kann auch von Sehenden oder Sehbehinderten – wegen der Chancengleichheit mit Dunkelbrillen – nach Gehör gespielt werden. Seit fünf Jahren bietet die Behindertensportgemeinschaft BSG 1951 die Turniersportart für Blinde und Sehbehinderte an.

Um den Ball gut zu orten, beugen sich die Spieler oft dicht über die ovale Spielplatte. In der Hand halten sie einen Holzschläger. Eine 15 Zentimeter hohe Bande verhindert, dass der Ball über die Tischkante fällt. Das Besondere: Der Ball ist mit kleinen Metallstücken gefüllt, rasselt und ist deshalb gut zu hören.

Jetzt findet in Kassel zum ersten Mal die Süddeutsche Meisterschaft (SDM) im Showdown statt, nachdem sie zuvor stets in Frankfurt ausgetragen worden waren. Acht Frauen und 16 Männer haben sich qualifiziert und reisen aus Würzburg, Nürnberg, Stuttgart, Mainz, Frankfurt und Marburg an. Die Wettkämpfe finden am 14. und 15. November in den Räumen des Vereins zur Förderung der Autonomie Behinderter (fab) im Zentrum für selbstbestimmtes Leben, Samuel-Beckett-Anlage 6, Kassel statt. Hier war vor einem Jahr mit Unterstützung der Trube-Stiftung eine entsprechende Tischballplatte angeschafft worden.

„Spannende Spiele, einen fairen Umgang zwischen den Spielern und den Schiedsrichtern und viel Spaß für die Zuschauer“, wünscht sich Helmut Ernst, der 1. Vorsitzende der Behindertensportgemeinschaft für die Meisterschaft. An beiden Tagen werden 120 Spiele parallel auf vier Platten in vier Räumen gespielt, bevor feststeht, wer nächstes Jahr nach Dortmund zur 6. Deutschen Meisterschaft fahren darf.

Lokalmatador Deniz Kürtoglu, Showdown-Standortvertreter in Kassel, der bereits an der WM 2013 in Slowenien und EM 2014 in Schweden teilgenommen hat, hofft den SDM-Wanderpokal nach Kassel zurückholen zu können. Er trainiert zusammen mit seinen Vereinskollegen Stefan Collet, Horst Griffaton und Birgit Riester, die ebenfalls bereits an Deutschen Meisterschaften erfolgreich teilgenommen haben, sowie Christian Schäfer, dem Newcomer der Tischballabteilung der BSG Kassel. Bis zu drei Mal die Woche geht es drei Stunden lang um Schnelligkeit, Technik und Ausdauer.

Gäste sind willkommen. „Sie sollten aber die Spielräume während eines laufenden Spieles nicht betreten oder verlassen und sich während der Ballwechsel absolut leise zu verhalten, damit die Spielenden den Ball hören können“, sagt Helmuth Ernst. 

Das Turnier findet am Samstag, 11 bis 19 Uhr, und am Sonntag, 9.30 bis 14 Uhr, statt.

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