Auftragslage im Hochbau ist gut

Baugewerbe in Stadt und Landkreis Kassel: Tiefbau schwächelt

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Weit fortgeschritten: Der Neu- und Umbau des Berufsbildungszentrums in Waldau geht voran. Derzeit wird der große Parkplatz in der Mitte des Komplexes neu gestaltet. Im Sommer sollen die Bauten übergeben werden.

Kassel. Das Baugewerbe in Stadt und Landkreis Kassel erfreut sich einer anhaltend guten Auftragslage im Hochbau, klagt aber über verhaltene Geschäfte im Tiefbau.

„Hoch- und Gewerbebau laufen angesichts der niedrigen Zinsen gut, der öffentliche Bau von niedrigen Niveau kommend etwas besser und der Tiefbau schleppend“, fasst der Obermeister der Bauinnung Kassel, Thilko Gerke, die Situation der handwerklich strukturierten Bauwirtschaft in Stadt und Kreis zusammen.

In der Bauinnung sind 70 Betriebe mit insgesamt rund 1300 Mitarbeitern – davon 70 Auszubildende – und einem Jahresumsatz von zuletzt 112 Millionen Euro organisiert. Allerdings stellen Gerke und der Geschäftsführer des Verbandes baugewerblicher Unternehmen, Andreas Lieberknecht, vor allem im Tiefbau ein Gefälle zwischen der Stadt und dem Umland fest. Während die Auftragslage in Kassel gerade noch zufriedenstellend sei, verlaufe die Entwicklung in den ländlichen Kommunen angesichts leerer öffentlicher Kassen „sehr verhalten“. Erschwerend hinzu kommt laut Gerke ein fast schon ruinöser Wettbewerb. Betriebe aus dem gesamten Bundesgebiet böten selbst bei kleinen Losen mit.

Ein weiteres grundsätzliches Problem der Branche ist und bleibt das Thema Schwarzarbeit. Häufig seien Osteuropäer unter dem Deckmantel der Nachbarschaftshilfe auf Baustellen in der Region anzutreffen. „Das kriegen wir schon zu spüren“, sagt Gerke, der Geschäftsführer des Kasseler Traditionsbetriebs Rennert Bau ist.

Die gute Auftragslage und Umsatzentwicklung spiegelt sich nach Angaben Gerkes aber nicht in der Ertragslage wider. Die sei auch wegen zwei verhältnismäßig hoher Lohnrunden in Folge weiter unbefriedigend. Wie berichtet, einigten sich die Tarifpartner am Mittwoch erst auf ein Lohnplus von 4,6 Prozent in zwei Schritten für die kommenden 22 Monate. Angesichts des scharfen Wettbewerbs seien Preiserhöhungen im Bauhauptgewerbe kaum durchsetzbar. Anders im Ausbaugewerbe, wo es erhebliche Preissteigerungen gegeben habe. „Wir sind schon froh, wenn wir Ausbaupartner mit freien Kapazitäten finden“, erklärt der Bauunternehmer.

Die Ausbildungssituation ist derweil weitgehend stabil. Die gemeinsame Ausbildungswerkstatt von Baugewerbe und -industrie im Berufsbildungszentrum (BZ) des Handwerks in Waldau ist mit 80 Lehrlingen gut ausgelastet. Derzeit steht die Fertigstellung einer neuen Lehreinrichtung im Zuge des umfassenden Um- und Neubaus des BZ unmittelbar bevor. „Die Perspektive der Branche ist gut, und wir haben demnächst eine der hessen- und bundesweit modernsten Lehrbaustelle“, wirbt Lieberknecht für die Bauberufe.

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