Rentnergruppe wurde aus Orangerie komplimentiert

Beim Klassentreffen nach 50 Jahren: Senioren wurden vor die Tür gesetzt

Enttäuscht: Monika Scheuch aus Kassel war immer gern im Restaurant in der Orangerie, um dort Feste zu feiern. Bei dem jüngsten Klassentreffen fühlten sie und 13 weitere Senioren sich aber schlecht behandelt. Foto: Ludwig

Auf diesen Tag hatten sich die 14 Senioren lange gefreut: Am 23. April sollten sich die ehemaligen Schüler der Friedrich-List-Schule im Restaurant der Orangerie wiedersehen.

Das Klassentreffen nach 50 Jahren stand an. Aus Hamburg, Berlin und Stuttgart waren sie dafür angereist. Auch die heute 88-jährige ehemalige Klassenlehrerin war gekommen. Der Abend lief dann aber anders als geplant. Nach zweieinhalb Stunden mussten sie das Restaurant verlassen, weil dort eine Ü 30-Party stattfinden sollte.

Wiedersehen nach Jahren

Monika Scheuch (69) aus Kassel hatte die Feier organisiert. Weil sie gute Erfahrungen mit der Orangerie gemacht hatte und sie und ihr Mann dort schon Geburtstage, frühere Klassentreffen und eine Konfirmation gefeiert hatten, war der Ort für das 50-Jährige schnell gefunden. Im Februar reservierte Scheuch einen Tisch im Restaurant.

Damals wurde sie allerdings nicht darauf hingewiesen, dass am 23. April ab 21 Uhr die Ü 30-Party in der Orangerie stattfinden würde. Das konnte sie auch nicht, denn der Partytermin wurde erst Wochen später festgelegt.

Erst eine knappe Woche vor dem Klassentreffen habe sie einen Anruf des Restaurants erhalten, sagt Scheuch. Eine Mitarbeiterin habe sie auf eine Party ab 22 Uhr hingewiesen. Dies sei aber kein Problem, die Gruppe könne bleiben, es könne nur etwas lauter werden.

Als die Senioren um 18 Uhr in der Orangerie ankamen, lief auch alles erst wie geplant. Es gab Essen und Trinken, und weil man sich seit Jahren nicht gesehen hatte, fehlte es nicht an Gesprächsstoff. Um 20.30 Uhr allerdings war abrupt Schluss mit der Wiedersehensfreude, erzählt Scheuch. Die Bedienung kam zum Abkassieren: Das Lokal müsse dringend für die Party umgebaut werden. Draußen standen zu dem Zeitpunkt schon die Gäste für die Ü 30-Party Schlange. Einige davon hätten „Schmeißt sie raus!“ ins Lokal gerufen, erzählt Scheuch.

Die Stimmung der Senioren im Alter zwischen 69 und 88 Jahren war entsprechend gedämpft. „Es wurde abkassiert und dann wurden auch gleich unsere Tische weggeräumt“, berichtet Ulrike Eisentraut aus Kassel, die auch beim Klassentreffen war.

Ein Absacker aufs Haus 

Der Gruppe wurde angeboten, sie könne an der Bar noch einen schnellen Absacker aufs Haus nehmen. Danach war aber nur wenigen. „Wir kamen uns rausgeworfen vor“, sagt Eisentraut. So war das Treffen um 20.45 Uhr beendet.

„Wenn man sich so viele Jahre nicht gesehen hat und nicht weiß, ob es überhaupt noch mal klappt, ist man natürlich sauer“, so Scheuch. Weil sich die 69-Jährige ärgerte, schrieb sie tags drauf eine E-Mail und einen Brief an die Orangerie. Auch ihre Tochter, der sie von dem Abend erzählte, habe sich an den Geschäftsführer gewandt. Beide erhielten nach eigener Aussage keine Antwort. Erst daraufhin meldete sich Scheuch bei der HNA.

Das sagt der Geschäftsführer

Orangerie-Geschäftsführer Dominik Hübler entschuldigt sich gegenüber der HNA für die Angelegenheit. Es habe offenbar Kommunikationsprobleme gegeben. Er könne aber nicht für ein paar Gäste die Ü 30-Party verlegen. Er müsse wirtschaftlich denken.

Zudem habe er den 14 Senioren auch einen Absacker aufs Haus angeboten, dies sei eine Entschuldigung gewesen. Bezüglich der Beschwerde-E-Mails von Monika Scheuch und deren Tochter sagte er, diese habe er sehr wohl beantwortet. Möglicherweise seien diese bei beiden Empfängern im Spam-Ordner gelandet oder es habe andere technische Probleme gegeben.

Zudem behauptet Hübler, Monika Scheuch sei bereits zwei Wochen vor dem geplanten Klassentreffen erstmals über die Ü 30-Party informiert worden – und nicht erst fünf Tage zuvor, wie es Scheuch schildert. Möglicherweise habe es bei dem Gespräch Missverständnisse zwischen seiner Mitarbeiterin und Frau Scheuch gegeben. Sicherlich habe der Abend früher beendet werden müssen, als es der Gruppe lieb war, aber seine Mitarbeiter hätten sich bemüht, das Beste aus der Situation zu machen.

Hübler kündigte Scheuch an, die sich gestern noch mal telefonisch bei ihm meldete, sie werde einen Essensgutschein erhalten.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren: Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.