Beratungsstelle hilft, wenn es im Leben schwierig ist

Das Team der Psychologischen Beratungsstelle hilft Menschen in allen Lebenslagen: Dr. Ursel Wicke-Reuter, Dr. Robert Eidam, Beate Pfläging, Marita Galuschka, Sandy Hoffmann, Anja Kessler, Horst Wenzel, Andrea Schörling, Ute Zöllner, Theresa Weber, Birte Steiner, Marion Kunert (von links nach rechts). Foto:  privat

Kassel. Ob Streit mit dem Partner, Sorgen um die Kinder oder Lebenskrise nach einem Schicksalsschlag - die Psychologische Beratungsstelle Kassel ist seit 50 Jahren für Menschen da, die Rat und Hilfe suchen.

Seit einem halben Jahrhundert setzt sich die Psychologische Beratungsstelle des Diakonoschen Werkes Kassel dafür ein, Menschen in schwierigen Lebenslagen zu unterstützen. Wir sprachen mit der Leiterin der Beratungsstelle, Pfarrerin Ute Zöllner, über deren Arbeit.

Waren die Probleme der Menschen, die sich an die Beratungstelle gewandt haben, früher andere als heute?

Ute Zöllner: Anfangs waren es in der Erziehungsberatung Themen wie Ungehorsam und Schuleschwänzen. Das gibt es auch heute noch. Oft sind es Kinder, die innere Konflikte und seelische Nöte haben. Heute kommen auch Mütter und Väter, die sich über das Sorgerecht oder Umgangsrecht nicht einigen können, und auch mehr Alleinerziehende. Im Moment suchen uns verstärkt Menschen auf, die hier Zuflucht und Asyl suchen und traumatisiert sind.

Mit welchen Fragen, Sorgen und Nöten wenden sich die Menschen heute an Sie?

Zöllner: Meist geht es um Konflikte in der Familie, um Partnerschafts- und Erziehungsprobleme. Aber auch um Probleme bei Schicksalschlägen, beim Übergang in neue Lebensabschnitte oder Streit in der Familie. Dann kommen Anliegen wie: „Mein Sohn hat immer Wutausbrüche “ oder „Wir kommen im Moment überhaupt nicht mit unserer 18-jährigen Tochter klar, die ausziehen will“. Die Bereitschaft, Hilfe in Anspruch zu nehmen, ist in unserer Gesellschaft zum Glück gewachsen.

Sind Kinder heute schwieriger als früher?

Zöllner: Nein, was sich verändert hat ist, dass sie ihre inneren Konflikte eher sozial zum Ausdruck bringen. Wenn sich ein Kind scheinbar grenzenlos verhält, gilt es, die Not, die hinter diesem Verhalten steckt, zu erkennen. Kindern Grenzen zu setzen, ist nicht die einzige Antwort. Es geht auch darum, aufmerksamer zu sein, was die Beziehung zum Kind ausmacht: Erziehung ist Beziehung.

Wie können Sie Hilfesuchenden konkret helfen?

Zöllner: Wir sind eine Beratungsstelle, eine Anlauf- und Clearingstelle. Wir können einen geschützten Rahmen zur Verfügung stellen, über die eigene Situation nachzudenken, um die inneren und äußeren Konflikte besser verstehen zu können. Ziel ist es, dass Menschen eigene Kräfte wieder entdecken und wieder handlungsfähig werden.

Wir sehen die Klienten als die Experten für den Umgang mit ihren Schwierigkeiten und Problemen. Unser Anteil ist es, sie in ihrer Lebenszuversicht zu stärken, und manchmal nicht änderbare Lebensumstände auszuhalten.

Wie viele Menschen nahmen im vergangenen Jahr die Beratung wahr?

Zöllner: Im vergangenen Jahr haben wir rund 1000 Fälle gezählt. Der Bedarf nimmt schon zu, aber wir sind auch nur begrenzt in unseren Möglichkeiten. Wir verweisen deshalb mitunter an andere Beratungsstellen oder empfehlen gegebenenfalls einen Arztbesuch oder eine psychotherapeutische Behandlung. Wir können Beratungsangebote machen in der Regel von eins bis zwanzig Beratungsstunden.

Gibt es Wartezeiten?

Zöllner: Nein, wir haben zweimal die Woche eine offene Sprechstunde, da hat jeder erstmal die Möglichkeit, sein Anliegen vorzutragen. Einen Termin für ein Erstgespräch erhält man innerhalb von zehn Tagen.

Steht die Beratungsstelle allen Menschen offen?

Zöllner: Ja, sie ist kostenfrei und nicht religionsgebunden. Die Beratung ist freiwillig und streng vertraulich. Jede Mutter und jeder Vater hat übrigens einen gesetzlichen Anspruch auf Erziehungsberatung. Wir haben ein breit gefächertes Angebot.

HINTERGRUND

Die Psychologische Beratungsstelle bietet Erziehungs- und Familienberatung, Paar- und Eheberatung, Lebensberatung und Schwangerenberatung, Schwangerenkonfliktberatung sowie Beratung zu Mutter/Vater-Kind-Kuren an. Auch Themen wie sexueller Missbrauch und häusliche Gewalt werden behandelt. Und es gibt eine Kindergruppe, die von einer Elterngruppe begleitet wird. Die Beratungsstelle in der Wildemannsgasse 14 ist unter Tel. 0561/70 97 42 50 oder über das geschützte Internetportal www.evangelische-beratung.info/dw-kassel zu erreichen. (hei)

ZUR PERSON

Ute Zöllner (62) ist die Leiterin der psychologischen Beratungsstelle des Diakonischen Werkes . Außerdem arbeitet sie als Pfarrerin und Pastoralpsychologin. Sie war zudem Dekanin in Frankenberg. Ute Zöllner wurde in Eime in Niedersachsen geboren. Sie studierte Theologie an der Uni Göttingen, ist verheiratet und hat zwei Söhne.

Von Martina Heise-Thonicke

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