Ein Leben für den Stern

Bernd Greis geht nach 49 Berufsjahren bei Mercedes-Benz in den Ruhestand

Bernd Greis.

Kassel/Reinhardshagen. In der Nachbarschaft seines Wohnorts Veckerhagen an der Weser wird Bernd Greis seit Jahrzehnten „Mister Mercedes“ genannt.

Das hat damit zu tun, dass er fast täglich ein Kundenauto mit zur Arbeit in Kassel genommen hat und den Wagen nach Inspektion oder Reparatur wieder in seiner Nachbarschaft ablieferte. „Es gab Kunden, die haben Autos gekauft und sind nie wieder in die Niederlassung gefahren“, schmunzelt der Kraftfahrzeug-Meister: „Ich hab das gern gemacht.“

Mercedes-Benz in Kassel war fast ein halbes Jahrhundert lang die berufliche Heimat des Mannes, der im September seinen 64. Geburtstag feiert. Solche Berufsbiografien sind selten geworden. „Heute schafft das ja keiner mehr“, sagt Greis.

Mit 14 Jahren hat er 1967 beim Mercedeshändler Apell an der Frankfurter Straße in Kassel seine Lehre zum Kfz-Mechaniker begonnen. Der Patenonkel fuhr Mercedes und stellte den Kontakt zur Werkstatt her. „Als Kind habe ich immer den Handwagen geschmiert“, erinnert sich Bernd Greis. „Aber Mercedes musste es schon sein.“

Als Geselle sorgte er ab 1970 für die korrekte Einstellung von Vergasern und Einspritzpumpen. In Abendkursen und Samstagsunterricht bereitete er sich auf die 1981 abgelegte Meisterprüfung vor. Werkstattmeister und Serviceberater waren weitere berufliche Stationen.

Tausende von Kunden hat er beraten und betreut. So manchem wird Bernd Greis heute die Hand schütteln, wenn er in der Kasseler Niederlassung verabschiedet wird und um 14 Uhr vom Hof rollt – selbstverständlich in einem Wagen mit Stern.

Klar gab es auch mal Beschwerden. „Mit Kritik kann man nur besser werden“, sagt er. Bester Service war ihm eine Herzensangelegenheit. „Sollte ich dennoch einen Kunden nicht zufriedenstellend behandelt und es nicht bemerkt haben, so möchte ich mich zutiefst entschuldigen“, bekräftigt er zum Abschied.

Keine Frage, dass auch die Familie mit Ehefrau und zwei erwachsenen Töchtern schon immer Mercedes fährt. Wenn Greis seinen Abschied vom Arbeitsleben feiert, wird die Familienflotte mal wieder komplett sein. Dann stehen sieben Stern-Autos vor dem Haus.

Müsste sich Greis noch mal für einen Beruf entscheiden, würde er alles genauso machen wie in den zurückliegenden Jahrzehnten: „Es hat mir immer Spaß gemacht.“ Gibt es einen Wunsch, der nicht in Erfüllung gegangen ist? Der frischgebackene Rentner überlegt nur kurz: „Ich hätte gern 50 Jahre vollgemacht.“

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