Sollte gezwungen werden, bei Sturm 18 mitzumachen

Bernd T. wieder im Visier der Polizei: Opfer eine Woche gequält

Gerichtszeichnung: Das Archivbild zeigt Der Kasseler Neonazi Bernd T.

Kassel. „Was Bernd sagt, ist Gesetz. Das sehen alle so.“ Das sagte Ende Januar dieses Jahres die ehemalige Freundin des angeklagten Sturm-18-Präsidenten Bernd T. vor dem Kasseler Landgericht aus.

Vor drei Monaten war Bernd T. zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und drei Monaten verurteilt worden. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass T. seine damals schwangere Freundin im Sommer 2014 unter anderem dreimal in den Bauch getreten hatte und zwei Tage später diese Freundin und eine weitere Frau, die vollwertiges Mitglied bei „Sturm 18“ werden wollte, dazu animierte, eine 16-Jährige bis zur Ohnmacht zu schlagen und mit „Hundespielen“ zu demütigen. Der Vorsitzende Richter war im Januar zu der Überzeugung gelangt, dass es sich bei beiden Fällen um Beziehungstaten und nicht um eine politisch motivierte Tat gehandelt habe. Zudem wurde T. nach der Urteilsverkündung wieder aus der Untersuchungshaft entlassen.

Im aktuellen Fall könnte das Gericht allerdings zu einer anderen Schlussfolgerung kommen, sollten sich die Anschuldigungen gegen T. als wahr herausstellen. Dem Vernehmen nach war das 46-jährige Opfer von der Sturm-18-Gruppierung in der Wohnung festgehalten und gequält worden, um es davon zu überzeugen, dass es bei der rechtsextremen Gruppe mitmacht. Dieses Ziel haben die Neonazis aber offenbar nicht erreicht. Nachdem der 46-Jährige nach einer Woche aus der Wohnung in der Nordstadt entkommen konnte, suchte er sich offenbar Hilfe, was die Ermittlungen der Polizei gegen T. und seine Anhänger in Gang setzte.

Wie die HNA berichtete, wurde Bernd T. bereits kurz nach seiner Entlassung am Mittwoch, 4. Februar, um 0.40 Uhr bei einer Fahrzeug- und Verkehrskontrolle auf der Weserstraße von der Polizei gestoppt. T. war allerdings bereits 2002 wegen Trunkenheit der Führerschein abgenommen worden.

Erst vor einer Woche war T. bundesweit in die Schlagzeilen geraten, da er nicht als Zeuge im NSU-Prozess vor dem Oberlandesgericht (OLG) München erschienen war. Stattdessen hatte der Neonazi aus Kassel morgens eine E-Mail an das Gericht geschickt, in der er mitteilte, dass er „krankheitsbedingt verhindert“ sei. Der Vorsitzende Richter Manfred Götzl hatte erklärt, dass bezüglich der Folgen für T. wegen seines Fernbleibens noch zu entscheiden sei. „Über etwaige Ordnungsmittel gegen den Zeugen ist noch nicht entschieden“, teilte Gerichtssprecherin Andrea Titz, Richterin am OLG München, am Mittwoch auf Anfrage der HNA mit.

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