Als Altlast eingestuft

Fackelteich-Anlage: Zu viel Blei im Schrebergarten

+
Die Idylle trügt: Nach einer neuen Untersuchung ist der Boden in der knapp 400 Parzellen großen Kleingartenanlage Fackelteich durch Schadstoffe belastet. Das RP Kassel hält eine Sanierung der Bettenhäuser Anlage für nötig und hat jetzt an die Pächter auf dem Gelände – zu denen auch Beatrice Oetzel, hier mit ihrer zweijährigen Tochter Mia-Sophie, gehört – Infoblätter mit Verhaltensregeln verteilt.

Kassel. Wegen Schadstoffen in den Böden der Schrebergärten hat das Regierungspräsidium Kassel die Kleingartenanlage Fackelteich in Bettenhausen am Montag als Altlast eingestuft.

Der Grund: Bis zu vierfach erhöhte Werte für die Belastung mit Blei, bis zu achtfach überschrittene Werte für die Belastung mit polycyclischen aromatisierten Kohlenwasserstoffen (PAK).

Die Belastung des Geländes, das von 1910 bis in die 1930er-Jahre von der Stadt Kassel als Müll- und Schuttkippe genutzt wurde, ist nicht neu. Eine neue Untersuchung – 64 Bodenproben aus zwölf der knapp 400 Gartenparzellen – habe aber Ende 2015 die höheren Schadstoffwerte nachgewiesen, berichtete Reinhard Sudhoff, Leiter des RP-Dezernats Altlasten. Die Werte gehen nach seinen Angaben darauf zurück, dass ein wesentlich dichteres Probenraster angewendet wurde als bei früheren Untersuchungen, die immer wieder stattfanden. „Soll die Kleingartenanlage weiter genutzt werden, so sind Sanierungsmaßnahmen unerlässlich“, betonte Sudhoff. Dies könnten der Gemüseanbau in Hochbeeten und die Aufbringung von unbelastetem Boden sein. Die Kosten für die Sanierung der mehr als 160.000 Quadratmeter großen Kleingartenanlage werde mehrere Millionen Euro kosten, kündigte der Experte an.

Das Gelände befindet sich im Eigentum des Landes Hessen. Im Bereich der Kleingartenanlage befanden sich laut RP einst ein größerer und zwei kleinere Teiche, in die Müll, Schutt und wohl auch Aschen und Schlacken gekippt wurden. Seit 1928 wird das Areal als Kleingartengelände genutzt, im Zweiten Weltkrieg wurde es durch Brand- und Fliegerbomben zerstört.

In einer Mitgliederversammlung hat das RP am Samstag die Pächter über die Schadstoffe informiert. Dabei seien Informationsblätter mit Verhaltensregeln verteilt worden, um Gesundheitsrisiken zu vermeiden. So sollen unter anderem bei der Gartenarbeit Handschuhe getragen und Gemüse vor dem Verzehr gewaschen werden. Kinder dürften keinesfalls Boden in den Mund nehmen, heißt es in dem Informationsblatt.

„Es gibt keine konkrete Gefährdung für die Gärtner“, betonte Dr. Markus Schimmelpfennig vom Gesundheitsamt Kassel. Wer die Verhaltensregeln beachte, habe mit keinem erhöhten Gesundheitsrisiko zu rechnen. Bereits 1996 hatte das Hygieneinstitut Gelsenkirchen Blut- und Urinproben der Kleingartennutzer untersucht. Damals war kein Einfluss der Bodenbelastungen auf die Nutzer erkennbar.

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren: Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.