Platz für 280 Menschen

Geschäftshaus am Platz der Deutschen Einheit wird Flüchtlingsheim

Neue Planungen am Kreisel: Aus dem schon weitgehend entkernten Gebäude vorn im Bild wollte der Eigentümer eigentlich ein Hotel mit 97 Zimmern machen. Jetzt soll das Haus zur zweitgrößten Flüchtlingsunterkunft der Stadt Kassel werden. Dafür soll auch die Freifläche hinter den beiden Glasgfassadengebäuden neu gestaltet werden. Luftbild:  Schachtschneider / Charterflug Knabe

Kassel. Das zweitgrößte städtische Wohnheim für Flüchtlinge wird bis Frühjahr 2016 am Platz der Deutschen Einheit entstehen. 280 Menschen sollen dort einziehen.

Zuvor gibt es an dem nahezu leerstehenden Gebäude an der Leipziger Straße 35-37 umfangreichen Umbauten.

Im Ortsbeirat Unterneustadt informierten jetzt Vertreter der Stadt Kassel, des Hauseigentümers und der Caritas-Flüchtlingsberatung über das Vorhaben.

Ursprünglich sollte der Komplex mit der Glasfassade zum 97-Zimmer-Hotel umgebaut werden. Diese Umnutzung habe die Stadt bereits Ende 2014 genehmigt, sagte Architekt Erol Akyol von der Eigentümerfirma City Invest, der auch das zweite gläserne Bürohaus am Kreisel gehört. Wegen des hohen Drucks, Flüchtlinge unterzubringen, hätten sich Stadt und Eigentümer verständigt, die Hotelpläne zum Zweck einer Gemeinschaftsunterkunft abzuändern.

Dafür seien nicht allzu viele Korrekturen notwendig, sagte City-Invest-Inhaber Reshat Sokoli auf Anfrage der HNA. Das Gebäude sei bereits weitgehend entkernt, seine Investition bezifferte Sokoli auf etwa 3,5 Millionen Euro. Wenn der Vertrag mit der Stadt in einigen Jahren auslaufe, gebe es immer noch die Option, das Gebäude am Kreisel zum Hotel zu machen, sagte er.

Auch das Areal des B&B-Hotels auf der gegenüber liegenden Seite der Leipziger Straße hatte zuvor Sokolis Firma City Invest gehört. Auf einem kleineren Grundstück in der Nähe ist der Unternehmer bereits mit der Stadt im Unterbringungs-Geschäft: Sokoli hat das dreigeschossige Haus Leipziger Straße 56 nach längerem Leerstand so umgebaut und saniert, dass dort seit kurzem in zehn Zimmern 29 Flüchtlinge wohnen können. Von solchen Klein-Unterkünften gebe es derzeit etwa 20 im Stadtgebiet, sagte Hilla Zavelberg-Simon von der Caritas.

Anders als in solchen Häusern soll die geplante Großunterkunft am Kreisel allerlei Gemeinschafts- und Begegnungsbereiche bieten. Laut Architekt Akyol soll es im Foyer des Hauses Gruppenräume etwa für Sprachkurse sowie Räumlichkeiten für den Beratungsdienst der Caritas geben. Ein besonderer Vorzug des 13.000 Quadratmeter großen Geländes sei aber die große rückwärtige Freifläche zum Sommerweg hin: Dort könnten nach den Vorstellungen des Planers Sitzecken, Sport- und Spielflächen sowie gemeinschaftsgärten entstehen. Selbst Fahrrad- und Bastelwerkstätten könne man in vorhandenen Schuppengebäuden schaffen.

Nicht zuletzt könnten solche halböffentlichen Flächen ein Raum der Begegnung mit Stadtteilbewohnern und ehrenamtlichen Helfern werden, hieß es in der Ortsbeiratssitzung, zu der zahlreiche Stadtteilbewohner gekommen waren.

Die Planungen des Unterkunftsbetreibers wurden dabei mit allgemeinem Wohlwollen aufgenommen. Vereinzelte Bedenken gab es jedoch, ob es zu Konflikten mit den umliegenden Stätten des Rotlichtmilieus am Kreisel kommen könnte.

Hintergrund: Flüchtlinge in Kassel - die aktuelle Lage 

In Kassel sind aktuell bereits 1600 Flüchtlinge in städtischen Einrichtungen untergebracht. Bis Jahresende werden es knapp 750 weitere Neuankömmlinge sein, sagte Kassels stellvertretende Sozialamtsleiterin Anja Deiß-Fürst im Ortsbeirat Unterneustadt: „Wir suchen weiterhin mit Hochdruck Unterkünfte. Es gibt aber auch Vermieter, die wir abgelehnt haben.“

Die behördlichen Manager des Flüchtlingsstroms werden in der Stadt von derzeit über 450 ehrenamtlichen Helfern unterstützt. Verglichen mit anderen Städten sei die Lage in Kassel „menschlich und organisatorisch sehr positiv“, sagte Hilla Zavelberg-Simon von der Caritas, die im städtischen Auftrag die Flüchtlinge betreut.

Unter den Neuankömmlingen seien neuerdings sehr viele Familien und nicht mehr so viele einzelne junge Männer, sagte Jutta Bohnen von der Caritas. Die weitaus meisten Flüchtlinge, die der Stadt Kassel zugewiesen werden, kämen derzeit aus Syrien, gefolgt von Afghanistan, Pakistan und dem Irak. Aus den Balkanländern komme aktuell „kaum noch jemand“.

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