Serben illegal beschäftigt

Zoll nahm 20 Arbeiter auf Baustelle für Flüchtlingswohnheim fest

Schwarzarbeit auf Baustelle für Flüchtlingswohnheim: Eine beauftragte Baufirma hatte 20 serbische Arbeiter illegal eingesetzt. Jetzt steht der Eröffnungstermin für die Gemeinschaftsunterkunft auf der Kippe. Foto: Schachtschneider

Kassel. Bei Schwarzarbeitskontrollen auf der Baustelle für ein neues Flüchtlingswohnheim am Platz der Deutschen Einheit hat der Zoll diese Woche 20 illegale Arbeiter aus Serbien festgenommen.

Sie waren ohne Aufenthaltserlaubnis und Arbeitgenehmigung für ein dort tätiges Unternehmen beschäftigt. Gegen die serbische Firma, die eine Niederlassung in Kassel hat, wird nun wegen illegaler Beschäftigung von Ausländern ermitteln. Den 20 Serben steht die Ausweisung bevor.

Die Kontrollen

Beamte der Finanzkontrolle Schwarzarbeit des Zolls hatten am Montag die Baustelle an der Leipziger Straße kontrolliert. Hintergrund war, dass eine serbische Firma einen Werkvertrag für die Baustelle beantragt hatte, der nicht genehmigt worden war, auf der Baustelle aber augenscheinlich gearbeitet wurde.

Bei der Kontrolle trafen die Zollbeamten 29 Bauarbeiter beim Innenausbau an, die sich als Kroaten auswiesen und für die deutsche Niederlassung des serbischen Bauunternehmen arbeiteten, teilte Michael Bender vom Hauptzollamt Gießen mit. Kroaten dürfen – anders als Serben – in Deutschland ohne besondere Genehmigung arbeiten. Die Zöllner wurden misstrauisch und sahen sich die Ausweise genauer an.

Die Ermittlungen

Spezialisten der Polizeidirektion Kassel kamen hinzu, um die Papiere auf ihre Echtheit zu überprüfen. Schnell hatte der Dokumentenprüfer der Polizei etliche Ausweise als Fälschungen entlarvt. 28 Bauarbeiter mussten daraufhin mit auf das Polizeirevier. Bei 20 der Festgenommenen erhärtete sich der Verdacht: Sie waren keine Kroaten, sondern Serben – und somit illegal beschäftigt. Die anderen acht Arbeiter, bei denen es sich tatsächlich um Kroaten handelte, durften zur Baustelle zurückkehren.

Die Folgen

Die serbischen Arbeiter sind wegen illegalen Aufenthalts angezeigt. Sie müssen sich auf eine Ausweisung durch die Ausländerbehörde einstellen. Im Zentrum der Ermittlungen steht nach Angaben des Hauptzollamts Gießen aber der Arbeitgeber. Die serbische Firma mit Niederlassung in Kassel steht im Verdacht, die Serben bewusst illegal zu beschäftig zu haben. Die Geschäftsräume der Firma wurden noch am selben Tag vom Zoll durchsucht. Zudem ermittelt die Polizei wegen Urkundenfälschung.

Das Bauprojekt

Das ehemalige Geschäftshaus - wegen seiner früheren Nutzung noch als Nixdorfhaus bekannt - wird derzeit zu einer Flüchtlingsunterkunft umgebaut. Wie berichtet, sollen dort bis zu 280 Asylbewerber untergebracht werden. Auf Anfrage der HNA sagte Reshat Sokoli von der Betreiberfirma, man habe dem Bauunternehmen mit Kasseler Niederlassung den Auftrag erteilt, weil es auf Hotelbau spezialisiert sei. Die Firma habe beteuert, dass alle Mitarbeiter ordnungsgemäß angemeldet seien. „Ich selbst habe noch eine Krankenkasse für die Versicherung empfohlen.“ Seines Wissens seien Mitarbeiter mit doppelter, serbisch-kroatischer Staatsbürgerschaft darunter gewesen.

Jetzt fehlten die 20 Arbeiter auf der Baustelle. Eigentlich sollte die Unterkunft nächste Woche in Betrieb gehen, sagte Sokoli. „Ich habe jetzt ein Riesenproblem.“

Von Katja Rudolph

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