Duschen und Toiletten in Containern

Reno in Kassel: Schuhgeschäft wird Notquartier in Bettenhausen 

Wände zimmern in Windeseile: Florian Henne (von links), Andreas Petersen und Rafael Alcala arbeiteten gestern beim Aufbau der Flüchtlings-Notunterkunft im ehemaligen Reno-Markt an der Leipziger Straße mit. Fotos: Fischer

Kassel. Im ehemaligen Reno-Schuhmarkt an der Leipziger Straße hat die Kasseler Feuerwehr am Montag mit dem Aufbau einer provisorischen Flüchtlingsunterkunft begonnen.

Innerhalb kurzer Zeit muss das Gebäude so hergerichtet werden, dass dort bis zu 150 Menschen ein Obdach finden. Denn die Gemeinschaftsunterkünfte der Stadt Kassel werden Mitte Dezember aller Voraussicht nach bis zum letzten Platz belegt sein. Der ehemalige Schuhmarkt soll als Notquartier dienen, bis im neuen Jahr weitere Wohnheime für Asylbewerber in Betrieb gehen.

Aus Spanplatten zimmern die Feuerwehrleute im Rekordtempo große Wände. Diese sollen die große, leere Halle unterteilen, um den Bewohnern ein wenig Privatsphäre zu ermöglichen. 18 solcher Kabinen sollen insgesamt eingebaut werden. Darin können jeweils acht Personen in Hochbetten schlafen.

Den Strom für die elektrischen Werkzeuge beziehen die Feuerwehr-Handwerker am Vormittag noch aus dem Generator. Die Versorgung für das seit Längerem leer stehende Gebäude muss erst wieder angestellt werden, auch die Heizung ist noch nicht in Betrieb. „Aber wir arbeiten uns warm“, sagt Josef Werneke, Gesamteinsatzleiter bei der Feuerwehr.

Duschen und Toiletten für die Bewohner werden zunächst in Containern bereitgestellt. Diese sollen in den nächsten Tagen auf dem Parkplatz hinter dem Flachbau aufgestellt werden. Das Gelände ist bereits eingezäunt, der Zaun soll noch mit einem Sichtschutz versehen werden. Im Seitenteil der Gebäudes sollen Lagerräume und eine Waschküche eingerichtet werden. Dort sollen auch noch feste Duschen installiert werden.

Im vorderen, zur Straße hin gelegenen Gebäudeteil soll ein Aufenthaltsbereich eingerichtet werden. Dort können die Flüchtlinge auch ihr Essen einnehmen, das von einem Catering-Service geliefert wird. Eine Spielecke für Kinder ist ebenfalls vorgesehen.

Während die sieben Feuerwehrmänner im Inneren konzentriert arbeiten, steht vor der Tür das Einsatzfahrzeug. Es ist ein Aufbau auf Abruf: Kommt ein Alarm, müssen die Kollegen alles stehen und liegen lassen und zum Einsatz fahren. Am frühen Nachmittag werden sie von einer zweiten Schicht abgelöst. Denn die Feuerwehrleute haben 24 Stunden lang Dienst und sind auch in der Nacht in Bereitschaft. „Da kann man sich hier nicht bis zur restlosen Erschöpfung verausgaben“, sagt Werneke.

Während des Aufbaus bleiben immer wieder Passanten vor dem Schaufenster stehen. „Das ist schon ein Gesprächsthema hier in der Nachbarschaft“, sagt Mustafa Kizilkaya, der nebenan einen Elektronikmarkt betreibt: „Alle sind gespannt, wie es wird.“ Jedenfalls gebe es jetzt einen Leerstand weniger auf der Straße, scherzt der Deutschtürke: „Den Vermieter wird das freuen.“

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