Bierdurst nimmt kräftig ab: Brauereien kämpfen mit Absatzrückgängen

Kassel. Die deutschen Bierbrauer stecken seit Jahren in der Klemme. Die Verbraucher haben immer weniger Durst auf Gerstensaft, und die Überkapazitäten am deutschen Braumarkt wachsen. So sank der Pro-Kopf-Verbrauch von 142,7 Liter im Jahr 1990 auf 107,8 Liter in 2010.

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Im selben Zeitraum ging der Bierabsatz von 108,1 auf 98,3 Millionen Hektoliter (hl, 1 hl = 100 Liter) zurück. Für 2011 liegt noch kein verlässliches statistisches Zahlenmaterial vor, der Deutsche Brauerbund geht aber von einem Absatzrückgang von 0,1 Prozent aus und wertet dies angesichts wesentlich stärkerer Abschläge in den Jahren davor schon als kleinen Erfolg.

Nach seinen Schätzungen betragen die Überkapazitäten am Markt derzeit 20 bis 30 Prozent. Das heißt, dass alle deutschen Braustätten 20 bis 30 Mio. hl mehr ausstoßen könnten, als sie es tun. Diese Menge entspricht dem 25- bis 38-Fachen dessen, was die Einbecker-Brauhaus-Gruppe im Jahr produziert - knapp 800 000 hl.

Besonders schwer im Kampf um Marktanteile und Kunden haben es die mittelgroßen Brauereien wie die in Einbeck. Während lokale und regionale Marken ihre Nische mit verhältnismäßig geringem Werbe- und Vertriebsaufwand in der näheren Umgebung gefunden haben und die großen Braukonzerne mit ihren Fernsehmarken durch Millionen-Werbe-Etats den Verkauf ankurbeln können, tun sich die Mittelständler nach Beobachtungen des Brauerbundes immer schwerer, ihre Position zu behaupten. Für eine rein regionale Ausrichtung sind sie zu groß, und um ein nationaler Anbieter zu werden, fehlt ihnen das Geld.

Dass Billiganbieter dem Premiumsegment scharenweise Kunden wegschnappen, ist indes ein Irrglaube. Während die größten und bekanntesten deutschen Biermarken Krombacher (5,3 Mio. hl), Bitburger (3,6 Mio.) Veltins (2,42 Mio.) und Warsteiner (2,26 Mio.) 2010 beim Absatz ausnahmslos zulegen konnten, verlor der Billiganbieter Oettinger (2,55 Mio.) fast vier Prozent.

Dass die Deutschen immer weniger Bier trinken, hat vor allem zwei Gründe: Mit zunehmendem Alter der Gesellschaft sinkt der Alkoholkonsum, und junge Menschen greifen immer stärker zu anderen Alkoholika.

Von Jose Pinto

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