Sabine Kuhnt ist Brustkrebspatientin

Sie bietet dem „Doofkrebs“ Paroli und macht anderen im Internet Mut

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Lässt sich nicht unterkriegen: Sabine Kuhnt hat Brustkrebs. Über ihre Erfahrungen schreibt sie jetzt in einem Blog. Auf den Haarausfall hat sie mit einer Perückensammlung reagiert – und wechselt nun täglich die Frisur.

Kassel. Heute hat sie sich für einen Kurzhaarschnitt entschieden. Sabine Kuhnt zeigt mit einem Grinsen auf ihre Perückensammlung. „Meine Haare konnte ich noch nie leiden."

„Jetzt kann ich mir jeden Tag aussuchen, auf welche Haarfarbe und Frisur ich Lust habe“, sagt sie.

Die Kasselerin hat vor drei Jahren die Diagnose Brustkrebs bekommen. Seit der Chemotherapie hat sie keine Haare mehr. Viele betroffene Frauen leiden darunter. Sabine Kuhnt wendet es ins Positive: „Immerhin bleibt mir das Haarewaschen erspart.“ Durch die Krebsmedikamente tun der 55-Jährigen die Gelenke weh, und sie kommt mit den Füßen nur noch schlecht an den Kopf. Weil sie durch eine Conterganschädigung von Geburt an stark verkürzte Arme hat, kann sie die Haare nicht mit den Händen waschen.

Es sei ihr schon öfter passiert, dass Leute sagten: ,Dass ausgerechnet Sie auch noch Krebs bekommen. Das mit den Armen ist ja schon schlimm genug‘, berichtet Sabine Kuhnt. „Dann frage ich immer: Wüssten Sie denn jemanden, der es mehr verdient hätte?“ Sie hadert nicht mit ihrer Situation. Und Mitleid will sie schon gar nicht. Stattdessen hat sie vor Kurzem begonnen, im Internet über ihre Erfahrungen zu schreiben. Damit will sie anderen Krebspatienten Mut machen.

„Doofkrebs“ hat sie ihren Blog genannt. Untertitel: Doofbrustkrebs und andere Behinderungen. Für ihre Erkrankung hat Sabine Kuhnt jede Menge Schimpfwörter parat. Fluchen ist in Ordnung, Jammern nur in Ausnahmefällen. Übelkeit nach der Chemotherapie, brennende Schmerzen nach der Bestrahlung – all das kennt sie wie viele Brustkrebspatientinnen. Trotzdem sagt sie: „Ich kämpfe nicht gegen den Krebs, ich lebe mit ihm.“ Sie habe nach der Diagnose sogar begonnen, das Leben wieder viel intensiver zu genießen.

Nach der Diagnose vor drei Jahren blieb Sabine Kuhnt, die in der Finanzbuchhaltung beim Energieversorger EAM beschäftigt ist, zwei Tage zu Hause. Dann ging sie wieder zur Arbeit. Krankschreibung? Nein, danke. „Da würde ich irre werden, wenn ich nur noch zu Hause sitzen würde“, sagt die 55-Jährige, die mit ihren beiden Katzen im Vorderen Westen lebt. Die Ablenkung durch den Arbeitsalltag sei ihr wichtig, um der Krankheit nicht zu viel Raum zu lassen. Nur wenn die Nebenwirkungen zu heftig waren, musste sie ein paar Tage passen.

Inzwischen ist der Tumor bekämpft. Trotzdem muss Sabine Kuhnt noch viele Medikamente nehmen, um das erneute Wachstum zu verhindern und Knochenmetastasen vorzubeugen. Die Kollateralschäden, wie sie ihre Beschwerden nennt, seien jetzt schlimmer als während der Chemotherapie. So ist es nun mal, sagt sie nüchtern. „Ich kann mich mit Dingen, die nicht zu ändern sind, auf der Stelle abfinden. Alles andere kostet unnötig Zeit und Kraft.“

Natürlich wäre es ohne Krebs und als „Langarmer“ einfacher und angenehmer, sagt Kuhnt. „Aber ich möchte mein Leben mit niemandem tauschen, und auch meine Arme will ich behalten. Das bin ich. Das macht mich aus.“

Vor dem Tod hat Sabine Kuhnt keine Angst – auch wenn sie hofft, dass er noch auf sich warten lässt. Sie engagiert sich seit Jahren im Hospizverein, begleitet Menschen, die im Sterben liegen, und deren Angehörige. Ihren eigenen Leichnam wird die Kasselerin nach ihrem Tod der Ausstellung Körperwelten zur Verfügung stellen. „Da hat die Nachwelt wenigstens noch etwas von mir.“

Den Internet-Blog von Sabine Kuhnt gibt es hier.

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