Vater des Mädchens stach auf Ehemann ein

Blutiger Streit in Flüchtlingsfamilie um verheiratete 14-Jährige

Kassel. Ein blutiger Familienstreit ist Gegenstand eines Prozesses vor dem Kasseler Amtsgericht. Es geht um eine 14-Jährige Syrerin, die mit ihrem Cousin verheiratet ist.

Die Ehefrau ist gerade einmal 14. Ihr 25-jähriger Ehemann wird von ihrem Vater mit dem Messer gestochen, weil der seine Tochter zurück haben will. Der Mann mit dem Messer ist gleichzeitig der Onkel des Opfers, denn sein Schwiegersohn ist der Sohn seiner Schwester.

Das in etwa ist die Ausgangslage in einem Prozess vor dem Amtsgericht, wo vor Richter Matthias Grund und den Schöffen eher ein Familiendrama als ein Verbrechen verhandelt wird. Alle Beteiligten sind Mitglieder einer Großfamilie aus Syrien, die erst im Februar als Flüchtlinge nach Deutschland kam und deren Mitglieder hier Asyl beantragt haben.

Auf der Anklagebank sitzen der 41 Jahre alte Vater und sein 19-jähriger Sohn, beides Tischler. Noch in Syrien, sagen sie aus, wurde die 14-jährige Tochter und Schwester nach islamischem Recht mit ihrem 25 Jahre alten Cousin verheiratet. „Das war eigentlich keine richtige Hochzeit, sondern eher eine kleine Feier“, übersetzt der Dolmetscher die Aussage des 19-Jährigen. Der Vater sei erst gegen die Hochzeit gewesen, habe sich dann aber dem Wunsch der Familien gebeugt.

Im Mai wird das Verhältnis in der Wohnung der Angeklagten, in der auch der Schwiegersohn und seine junge Frau leben, schwieriger. Der Vater ist unzufrieden mit dem Schwiegersohn, „weil der arbeitslos“ ist. Er fordert die Scheidung.

„Ich wollte meine Tochter zurück“, sagt der 41-jährige, der mit seinem langen Vollbart, den gebeugten, schmalen Schultern und dem sorgenzerfurchten Gesicht eher wie 60 aussieht. Manchmal weint er, birgt das Gesicht im Schoß des Dolmetschers und hält die Hände seines Sohnes.

Das Tatgeschehen soll sich so abgespielt haben: Weil beide Eheleute den Scheidungswunsch des Vaters ablehnen, kommt der Schwiegersohn am 30. Mai in die noch gemeinsame Wohnung, um Sachen seiner Frau abzuholen. Es kommt zum Streit, bei dem viel geschrien und gerempelt wird. Der Schwiegersohn schubst die im siebten Monat schwangere Ehefrau des Angeklagten. „Er hat mich geschlagen und getreten, er ist stärker als ich“, sagt der 41-Jährige aus.

Da sei er in die Küche gelaufen, habe ein Messer geholt - wohl ein scharfes Obstmesser mit fingerlanger Klinge - und habe den Schwiegersohn in Wange und Hals geschnitten. Der Verletzte trägt auch eine Stichwunde im Bauch davon und springt stark blutend aus dem Fenster der Parterre-Wohnung in Fasanenhof. Nachbarn alarmieren die Polizei, die wenig später in großer Besatzung eintrifft. Vater und Sohn werden festgenommen und sitzen seither in Untersuchungshaft.

Heute soll der Schwiegersohn gehört werden, der sieben Zentimeter lange Schnittverletzungen auf der Wange und am Hals davon getragen hat und der damals notärztlich im Krankenhaus behandelt werden musste.

Richter Grund will sich dabei auch einen Eindruck von den bleibenden Schäden machen, die der Schnitt ins Gesicht des jungen Mannes angerichtet hat. Sollten die keine dauerhafte Entstellung verursacht haben, sei auch eine einfache Körperverletzung anstatt einer schweren denkbar. Dann könnte der Strafrahmen niedriger ausfallen.

Rubriklistenbild: © dpa

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