Interview zur HNA-Aktion

Blutkonserven werden knapp: Spendeaktion geplant

Die Blutkonserven werden knapp: Aktuell mangelt es vor allem an den universell einsetzbaren Blutgruppen 0 Rhesus negativ und 0 Rhesus positiv, wie Dr. Walid Sireis an einem der Kühlschränke demonstriert. Archivfoto: Malmus

KasseL. Beim DRK-Blutspendedienst laufen die Vorbereitungen für die große HNA-Blutspendeaktion vom 23. bis 26. August im Regierungspräsidium bereits auf Hochtouren.

Wir sprachen mit dem Leiter des Kasseler Instituts des DRK-Blutspendedienstes Baden-Württemberg / Hessen, Dr. Walid Sireis, über die Blutspendeaktion und die derzeitige Versorgungssituation.

Herr Dr. Sireis, die Ferienzeit hat begonnen, hat dies bereits Auswirkungen auf Blutspenden und den Bestand an Blutkonserven?

Dr. Sireis: Leider ja: Im Moment haben wir einen Engpass an Konserven der Blutgruppen 0 Rhesus negativ und 0 Rhesus positiv. Diese sind deshalb besonders wichtig, weil sie als Universalkonserve im Notfall jedem Patienten gegeben werden können. Das ist gerade bei der Versorgung von Unfallopfern wichtig. Da die Haupturlaubszeit begonnen hat und das derzeitige schwülwarme Wetter von vielen Menschen als unangenehm empfunden wird, kommen deutlich weniger zur Blutspende.

Ist derzeit auch der Bedarf an Blutkonserven höher?

Sireis: Ja, das merken wir sehr deutlich. Allein dadurch, dass die Unfallchirurgie des benachbarten Klinikums zurzeit viel zu tun hat. Der Hubschrauber landet derzeit öfter als sonst. Das liegt daran, dass im Sommer aufgrund einer verstärkten Reisetätigkeit die Zahl der Unfälle auch von Motorradfahrern steigt.

Wie viel Blut wird denn jährlich in Nordhessen gebraucht und wozu wird es verwendet?

Sireis: Der Blutspendedienst des Deutschen Roten Kreuzes versorgt in Nordhessen 60 Kliniken mit rund 60 000 Blutkonserven. Der Verbrauch ist stabil und hat seit dem vergangenen Jahr sogar etwas zugenommen – im Gegensatz zu einem bundesweit abnehmenden Trend. Das hängt sicher mit einem erweiterten Spektrum der medizinischen Leistungen der Kliniken in Nordhessen zusammen. Die Herzchirurgie ist ein gutes Beispiel dafür. Zudem haben aktuelle Studien gezeigt: Wenn man - einfach ausgedrückt - großzügiger Bluttransfusionen anwendet, verbessert sich die Überlebensrate nach Herzoperationen, da durch die Gabe von Blutkonserven Sauerstoffmangel vermieden wird. Dies kann ebenfalls ursächlich für die Zunahme des Blutbedarfs sein.

Das Blut wird aber auch für die Versorgung von Unfallopfern oder für Krebspatienten gebraucht, die zum Beispiel an Leukämie erkrankt sind.

Wie sicher sind denn Blutkonserven?

Sireis: Sie sind so sicher wie nie zuvor. Dies belegt eine eindrucksvolle Zahl: Von rund zehn Millionen Vollblutspenden in den vergangenen zehn Jahren gab es nicht eine Meldung über eine mit einer Bluttransfusion zusammenhängenden Infektion. Die Spender werden ausführlich befragt, und wir haben mittlerweile sehr empfindliche Testmethoden. So wird das Blut auf Hepatitis A, B und C, auf die Immunschwäche Aids (HIV) und auf Antikörper gegen Syphilis untersucht.

Angesichts des Engpasses hoffen Sie sicher auf eine große Beteiligung bei der HNA-Blutspendeaktion?

Sireis: Ja, natürlich. Die Aktion in der Sommerferienzeit ist für uns sehr wichtig, weil wir damit unsere um diese Zeit knappen Reserven wieder auffüllen können. Um den Blutspendern auch an eventuell heißen Tagen ein angenehmes Klima zu schaffen, werden wir diesmal mobile Klimageräte im großen Saal des Regierungspräsidiums aufstellen. Damit rundherum alles gut gelingt, haben wir auch die medizinischen Teams und die Parkplatzanweiser verstärkt.

Alle Termine: Blutspende im August

Die HNA-Blutspendeaktion findet von Dienstag bis Freitag, 23. bis 26. August, jeweils von 10 bis 20 Uhr im Regierungspräsidium am Steinweg statt.

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren: Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.