Experten suchen in Karlsaue und Bergpark nach Blindgängern und stoßen auch auf rostige Relikte

Bombe oder bloß Buga-Bahn? Experten suchen in Karlsaue nach Blindgängern

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Auf der Suche nach Blindgängern: Sven Meiners fährt mit seinen Sonden durch den Auepark. Dabei stellt er Abweichungen im Erdmagnetfeld fest, die auf eisenhaltige Gegenstände im Boden hindeuten.

Kassel. Was ein bisschen so aussieht wie ein Ackerpflug, ist ein hochmodernes Gerät, mit dem sich Anomalien im Boden aufspüren lassen.

Sven Meiners vom Kampfmittelräumdienst Müsing aus Lüneburg ist mit diesem Gestell auf Rädern in der Karlsaue unterwegs. Wenn er über den Rasen fährt, erkennen die Sonden Abweichungen im Erdmagnetfeld. Diese werden durch eisenhaltige Gegenstände im Erdreich verursacht. Nicht immer sind das Blindgänger. 

So stießen die Mitarbeiter, die seit Mitte Juli im Auftrag der Museumslandschaft Hessen Kassel (MHK) in der Karlsaue tätig sind, nicht nur auf 48 Zwei-Kilo-Stabbrandbomben und zwei 15-Kilo-Brandbomben, sondern auch auf Metallschrott. Darunter waren Reste von Schienen. Sie gehörten zur Buga-Bahn, die zur Bundesgartenschau 1981 durch den Park fuhr, wie Michael Boßdorf, Leiter der MHK-Gärten, erzählt.

1981 in der Karlsaue unterwegs: Diese Bahn beförderte die Besucher bei der damaligen Bundesgartenschau. Reste der Gleisanlagen lassen sich noch heute im Boden finden. Archivbild: Haun

Dass sich neben Blindgängern auch Altmetall wie alte Töpfe und Eimer im Boden befindet, liege daran, dass die Bombenkrater nach dem Krieg hastig mit Trümmerschutt aufgefüllt wurden, sagt Winfried Bieker. Er ist für den Kampfmittelräumdienst des Landes, der beim Regierungspräsidium Darmstadt angesiedelt ist, für die Bombensuche in Kassels Parks verantwortlich.

„Besonders die Karlsaue ist durch Munition belastet, weil sie näher an der Innenstadt liegt. Im Bergpark ist es nicht ganz so schlimm“, sagt der Experte. Mit der 2014 begonnenen Suche und Entschärfung werde etwas nachgeholt, das in den vergangenen Jahrzehnten nur anlassbezogen geschehen ist. So wurden jetzt unter der Karlswiese nicht ganz so viele Blindgänger gefunden, da diese schon für die Bundesgartenschauen 1955 und 1981 sowie die documenta-Ausstellungen untersucht worden sei.

Wenn die Mitarbeiter des Kampfmittelräumdienstes die Anomalien im Boden untersuchen, gehen sie diesen mit Spaten und Mini-Bagger auf den Grund. Eine Herausforderung stellen die Wurzeln der alten Bäume dar, die nicht beschädigt werden dürfen. Die Sensoren des Spezialgerätes können eisenhaltige Gegenstände grundsätzlich bis in eine Tiefe von fünf bis sechs Metern feststellen. Weil sich in der Karlsaue aber besonders viele Kiesel im Boden befinden, reichen die Sensoren nur bis in drei bis vier Meter Tiefe.

Munition wird entsorgt

Der Großteil der gefundenen Bomben wird als transportfähig eingestuft und zur Entsorgung abtransportiert. Deshalb sind Sperrungen für eine Vor-Ort-Entschärfung meist nicht nötig. Noch bis Ende Oktober sind insgesamt 13 Experten in Karlsaue und Bergpark beschäftigt. 2017 soll der große Teich im Auepark untersucht werden.

Gut 70 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg und Kassels Bombardierung vermuten Experten noch bis zu 140.000 Blindgänger unter der Stadt. Insgesamt fielen in den Kriegsjahren auf Kassel 470.000 englische und amerikanische Bomben. Fachleute schätzen, dass davon bis zu 30 Prozent Blindgänger waren. 

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