60 Jahre Bundeswehr

Für Bruder zum Bund: Geschichte der Schiemanns sorgte für Schlagzeilen

Aus der Hessischen Allgemeinen vom 10. Juli 1965: Heinrich Schiemann mit dem Foto seines Bruders Harry.

Kassel. Die Bundeswehr wurde vor 60 Jahren gegründet. Deshalb haben wir die HNA-Leser gebeten, uns Erinnerungsbilder zu schicken. Wir haben Fotos von Übungen in der Dönche, Appellen in der Hindenburgkaserne, Märschen und zu einer Liebesgeschichte bekommen.

Sie sind mit Tarnfarbe im Gesicht durch die Dönche gezogen, haben den Schellenbaum getragen, kuriose Dinge bei Übungen erlebt und sind in Reih und Glied marschiert. Die Erinnerungen an die Bundeswehrzeit unserer Leser sind vielfältig.

Vor 33 Jahren: Uli Dönch war 1982 beim Heeresmusikkorps als Schellenbaumträger und Oboist.

50 Jahre her ist die Geschichte, die uns Ingrid Schiemann (67) erzählt hat. Damals stand ein Bericht über einen jungen Soldaten in der Hessischen Allgemeinen. Der kam aus Herne im Ruhrgebiet und war inder Kasseler Wittichkaserne (heute Marbachshöhe) eingezogen worden. Heinrich Schiemann begann seinen Dienst mit einer Woche Verspätung. Gemerkt hat das erst mal keiner, denn sein zwei Jahre jüngerer Bruder Harry war für ihn eingesprungen. So konnte der ältere noch die Verabredung mit einem Mädchen wahrnehmen, das er kurz zuvor kennengelernt hatte.

Die Geschichte flog zwar auf, hatte aber bis auf einen Rüffel keine negativen Konsequenzen. Im Gegenteil. Dem jüngeren Bruder gefiel es bei der Bundeswehr, er wurde nachgemustert und konnte in Kassel bleiben. Er verpflichtete sich sogar für acht Jahre. „In dieser Zeit haben wir uns kennengelernt“, sagt Ingrid Schiemann. Beim Tanz im Bürgerhaus Helleböhn, dem heutigen Olof-Palme-Haus, war das. 1967 haben die beiden geheiratet. Das war die Voraussetzung für eine eigene Bundeswehrwohnung am Neißeweg in Wilhelmshöhe.

In Reih und Glied: Diese Aufnahme hat uns ebenfalls Gerd Reinecker zur Verfügung gestellt. Das Foto wurde 1970 in der Hindenburgkaserne (heute Marbachshöhe) aufgenommen.

Nach der Bundeswehrlaufbahn von Harry Schiemann baute das Ehepaar, das mittlerweile zwei Söhne hatte, ein gemeinsames Sicherheitsunternehmen auf. „Mit unseren Schäferhunden haben wir sechs Jahre lang die Lüttichkaserne bewacht“, erinnert sich Ingrid Schiemann. Sie sei damals die einzige Frau gewesen, die das Kasernengelände nach 22 Uhr noch betreten durfte. Nach 1984 hat die Bundeswehr das Gelände wieder selbst bewacht.

Harry Schiemann wurde nur 65 Jahre alt. Seine Witwe betreibt das Sicherheitsunternehmen zusammen mit einem Partner heute noch.

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