Medizinstudenten legten Abschlüsse an Herderschule ab

Brüder Sawan und Sayman Kakkar machten Abi mit 1,0

Sawan (links) und Sayman Kakkar (rechts) mit ihrem ehemaligen Lehrer an der Herderschule, Dr. Hans-Otto Rößer. Foto: Hein

Kassel / Fuldabrück. Es ist kaum zu glauben: 2013 hat der heute 20-jährige Sawan Kakkar an der Herderschule mit einem Schnitt von 1,0 das beste Abitur am Oberstufengymnasium der vergangenen 20 Jahre abgelegt.

Damit nicht genug des Herausragenden in der Familie Kakkar, in der Intelligenz ein genetisches Merkmal zu sein scheint: Zwei Jahre später folgte ihm sein Bruder Sayman, heute 18, und legte ebenfalls ein Abitur mit 1,0 hin. Inzwischen studieren beide in Göttingen Medizin.

Dass sie Stipendiaten der Studienstiftung des deutschen Volkes sind, überrascht da kaum noch. Schulleiter Martin Sauer ist stolz darauf, Sawan und Sayman als Kandidaten erfolgreich vorgeschlagen zu haben.

Wie kommt so ein Ausnahme-Abi im Doppelpack nur zustande? Die Brüder, die sich gut verstehen, schauen sich an und lächeln. Sie hätten eine normale, wenig angespannte Schulzeit gehabt. Für Entschleunigung in Sachen Lernen sorgten die Eltern, denn Geselligkeit und Füreinanderdasein habe stets an erster Stelle gestanden und weniger ein Karriereplan. Das Lernen sei ihnen einfach leicht gefallen, erzählen sie. Ein Fach, in dem beide keine brillanten Noten abgelegt haben, gibt es auch: Kunst.

Die Familie der in Kassel geborenen Brüder stammt aus Afghanistan. Sawan kann sich noch erinnern, wie er seine ersten Lebensjahre im Asylantenheim in Vellmar verbracht hat. Als die politisch verfolgte Hindu-Familie einen anerkannten Status hatte, zog sie nach Fuldabrück-Bergshausen. Und da trafen die Brüder auf einen Menschen, dem sie, wie sie heute sagen, viel zu verdanken haben: Eine Nachbarin, eine ältere Dame mit einem großen Bücherschrank, habe zu den Eltern gesagt: „Die Kinder müssen Deutsch lernen. Ich übernehme das.“

Und so haben die Brüder Stunde um Stunde bei der heute 94jährigen Elfriede Schulze verbracht, in Klassikern und Zeitungen lesen geübt und früh Bildung erworben. „Ich erinnere mich, dass wir einmal einen Kleist-Text gelesen haben“, sagt Sawan: „Da haben wir als Kinder natürlich nicht allzu viel verstanden.“ Die gewählte Ausdrucksweise der Jungs dürfte indes von Kleist und Co. profitiert haben.

Die Mutter, eine Hausfrau, habe eine geringe Schulbildung, und der Vater war in der afghanischen Hauptstadt Kabul in der Apotheke des Großvaters tätig. Lesen hatte keinen Platz im Leben der Kakkars. Aber das Engagement der Nachbarin trug bei den Brüdern Früchte. Lesen – vor allem von Sachbüchern – wurde für sie zur Leidenschaft. Den ersten Vorlesewettbewerb gewann Sayman mit elf.

Am Landkreisgymnasium liefen die Brüder zur Höchstform auf. Das habe nicht zuletzt auch an guten Lehrern gelegen, so die Kakkars. Allen voran Dr. Hans-Otto Rößer. Als Lehrer für Ethik, Politik und Wirtschaft habe er die Brüder gefördert und motiviert. „Ich brauche Lehrer, die mich ansprechen“, sagt Sawan. Auch Sayman schätzt an Rößer die zugewandte Art. „Als mich Dr. Rößer zum ersten Mal hinterfragte: Warum machen Sie das so? und mich zum Reflektieren brachte, dachte ich: Hier bin ich richtig. Bei diesem Lehrer lerne ich was.“

Wegen der hohen Anzahl an unsachlicher Beiträge und Kommentare, die nicht das Thema des Artikels behandeln, haben wir die Kommentarfunktion unter diesem Beitrag deaktiviert.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.