Größter Fernbusanbieter wollte ans Auestadion

Busbahnhof am Kreisel ist für Flixbus nur zweite Wahl

Fernbushalt soll in den nächsten Jahren aufgegeben werden: Die Fernbusse sollen künftig nicht mehr den IC-Bahnhof Wilhelmshöhe ansteuern, weil sie auf dem Weg dorthin viel Zeit verlieren und Anwohner sich durch die vielen Busse gestört fühlen. Archivfoto: Malmus

Kassel. Die Stadt Kassel will in den nächsten Jahren einen neuen zentralen Fernbusbahnhof im Umfeld des Platzes der Deutschen Einheit ansiedeln.

Dies hatte eine Studie ergeben, die mögliche Standorte untersucht hatte. Mit dem Ergebnis der 86 000 Euro teuren Untersuchung kann sich der größte Fernbusanbieter Flixbus anfreunden, allerdings hätte das Unternehmen mit seinen Bussen künftig lieber den Standort Auestadion angesteuert. Wir beantworten die wichtigen Fragen zum Thema.

Wer ist für die Studie befragt worden und war der Standort Auestadion auch im Rennen?

Bei der Studie, bei der neben Flixbus-Vertretern und Verkehrsexperten auch Fahrgäste befragt wurden, war auch der Standort Auestadion untersucht worden. Aus Sicht der Experten war dieser aber weniger geeignet, da er bei Großveranstaltungen wie Fußball- oder Eishockeyspielen ohnehin stark durch Verkehr belastet sei. Einen Einblick in die Studie gewährt die Stadt derzeit aber nicht.

Wie unzufrieden ist Flixbus mit der Festlegung auf einen Standort am Großen Kreisel?

Bei Flixbus bedauert man die Entscheidung: „Nach unserer Auffassung hätte sich am Auestadion ein Busbahnhof realisieren lassen, der den Gesichtspunkten eines modernen und zukunftsweisenden Fernbus-ZOBs Rechnung getragen hätte“, sagt Marie Gloystein, Sprecherin des Unternehmens. Flixbus hatte die einstigen Konkurrenten Meinfernbus und Postbus in den vergangenen zwei Jahren übernommen und firmiert nun unter „Flixbus“.

Dennoch ist der Quasi-Monopolist, der 80 Prozent Marktanteil hält, an der Entstehung eines zentralen Standorts in Kassel interessiert, der die bisherigen am IC-Bahnhof Wilhelmshöhe und der Papierfabrik-Kaufungen ablöst: „Generell freuen wir uns darüber, dass es in Kassel einen zentralen und modernen Fernbushalt geben soll und der Planungsprozess nun ins Rollen kommt“, sagt Gloystein.

Wie beurteilt Flixbus die Lage, Anbindung und Fragen der Sicherheit am Standort im Kasseler Osten?

Auf HNA-Anfrage, wie Flixbus die Kritierien Sicherheit, ÖPNV-Anbindung und Entfernung zum Stadtzentrum beurteile, teilte die Sprecherin mit: „Grundsätzlich sehen Lage und Verkehrsanbindung gut aus, bezüglich der weiteren Aspekte bleibt abzuwarten, wie es mit den Planungen weitergeht und wie der Fernbusbahnhof im Detail ausgestaltet wird.“

Welchen exakten Standort am Platz der Deutschen Einheit hat die Stadt im Auge?

Kommt in Frage: Ein Standort am Hallenbad Ost scheint denkbar, zumal die Bus- und Tram-Haltestelle direkt benachbart wäre.

Dazu ist wenig zu erfahren. Nur so viel: Der Langzeitparkplatz „Leister’sche Wiese“, der direkt am Großen Kreisel liegt, sei eher auszuklammern, weil es ein Überschwemmungsgebiet sei. In diesem dürfe nicht gebaut werden. Im weiteren Umfeld gebe es aber mehrere städtische Grundstücke – aber auch der Kauf von Privatgrundstücken sei denkbar. Im Umfeld des Kreisels befinden sich zwei Sportplätze und mehrere Gewerbegrundstücke, die aber alle benutzt werden.

Denkbar wäre auch ein Standort am Hallenbad Ost. Dafür spricht, dass die Stadt als ÖPNV-Anbindung aktuell die Haltestelle Sandershäuser Straße im Blick hat und weniger den Großen Kreisel selbst.

Wie beurteilt die Stadt die Frage der Fahrgastsicherheit in diesem Bereich?

Dies hängt aus Sicht der Stadt maßgeblich davon ab, wie die Haltestelle gestaltet wird und wie die Wege zum nächstgelegenen ÖPNV-Halt aussehen. Wenn sich wegen des Fernbushaltes mehr Menschen in dem Bereich aufhielten, steige zudem das Sicherheitsgefühl.

Würde sich Flixbus an den Baukosten beteiligen?

Eine finanzielle Beteiligung am Bau schließt Flixbus aus. Das Unternehmen zahle zwar Gebühren für die Nutzung, nirgendwo in Deutschland beteilige es sich aber am Bau von Haltestellen. In anderen Städten gibt es verschiedene Betreibermodelle für Fernbushalte: Sie reichen von rein städtisch betriebenen Haltestellen bis zu solchen, die von privaten Firmen gebaut und betrieben werden.

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