Bis zu 400 Euro Strafe

Bußgeld für Schummler: Wenn Eltern die Ferien ihrer Kinder verlängern

Auch die schönsten Ferien gehen einmal zu Ende: Beim Schulbeginn sehen die Schulleitungen ganz genau hin, ob Schüler am ersten Schultag fehlen. Foto:  dpa

Kassel. Immer wieder kommt es vor, dass Eltern ihre Kinder kurzerhand blaumachen lassen, zum Beispiel um eine günstigere Flugreise in den Urlaub zu ergattern. Dafür aber müssen sie - wenn sie erwischt werden - eine Strafe zahlen.

Am Montag hat nach dem Ende der Osterferien auch für die Kasseler Schüler wieder der Ernst des Lebens begonnen. Und wer nicht zum Unterricht erschien oder kurz vor den Ferien fehlte, musste gute Gründe haben. Dennoch kommt es immer wieder vor, dass Eltern ihre Kinder kurzerhand blaumachen lassen, zum Beispiel um eine günstigere Flugreise zu ergattern.

Bei den zurückliegenden Weihnachtsferien habe es in Kassel neun eingeleitete Bußgeldverfahren gegeben, die wahrscheinlich auf eigenmächtige Ferienverlängerung der Eltern zurückzuführen sind, sagt die Leiterin des Staatlichen Schulamtes, Helga Dietrich: „Eltern wissen oft nicht, dass sie damit eine Ordnungswidrigkeit begehen.“

Im schlimmsten Fall drohen bis zu 400 Euro Bußgeld. Besonders hohe Geldbußen (mindestens 100 Euro) können fällig werden, wenn Eltern ihren Kindern verlängerte Schummelferien genehmigen. 2015 hat das Staatliche Schulamt 300 Fälle von Schulversäumnissen in Stadt und Landkreis bearbeitet, 2014 waren es sogar 438 Fälle. Am häufigsten betroffen waren Gesamtschulen.

Gemessen an der Zahl aller Schüler fallen derartige Vergehen laut Dietrich jedoch kaum ins Gewicht. An vielen Schulen gebe es auch Konferenzbeschlüsse, dass aus persönlichen Gründen nur einmal pro Schullaufbahn eine Beurlaubung vor oder nach Ferienbeginn genehmigt werde.

Schriftliche Anträge

Auch über solche Anträge werde in den Schülerakten Buch geführt, erläutert der Leiter des Wilhelmsgymnasiums Uwe Petersen. „Wir gehen damit relativ restriktiv um.“ Es gebe immer mal wieder Anträge von Eltern, die begründet seien. Habe die Schulleitung den Eindruck, dass es sich um fadenscheinige Ersuchen handele, suche man das Gespräch mit den Eltern.

Einen aktuellen Fall gebe es gerade an der Heinrich-Schütz-Schule, sagt die Schulleiterin Dr. Ines Blumenstein. Ein Schüler habe sich vor den Ferien beurlauben lassen und sei nach den Ferien dem Unterricht ferngeblieben. Blumenstein: „Wir fordern jetzt ein ärztliches Attest an.“

Im Laufe des vergangenen Jahres habe das Problem gefühlt zugenommen, sagt die Leiterin der Gesamtschule. Pro Ferien gebe es ein bis zwei solcher Fälle. Deshalb weise man Eltern darauf hin, wie wichtig es ist, Schulpflicht und Schulbesuch ernst zu nehmen. Fehltage machen sich gerade in Abschlusszeugnissen nicht gut.

Auch an der Georg-August-Zinn-Schule gebe es immer ein paar solcher Fälle, sagt Schulleiter Mathias Koch. In der Regel stellten die Eltern vor den Ferien einen Antrag. Und wenn die Gründe triftig seien, stimme die Schule schon einmal einer Ferienverlängerung von ein bis zwei Tagen zu. Häufig gehe es dabei um Verwandtenbesuche in Heimatländern.

„Das hält sich alles in einem vernünftigen Rahmen“, sagt der Leiter der Gesamtschule. Zudem werde eine solche Ausnahme nur einmal während der Schulzeit des Schülers genehmigt.

Hintergrund: Schulpflicht dauert neun Jahre

Die allgemeine Schulpflicht dauert in Hessen neun Jahre. Für Jugendliche, die nach Erfüllung der Schulpflicht weder ein Ausbilldungsverhältnis beginnen noch eine weiterführende Schule besuchen, verlängert sich die Vollzeitschulpflicht automatisch um ein weiteres Schuljahr. (bal)

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren: Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.